Volley Schönenwerd
Zuerst den Job erledigen, dann die Rechnungen begleichen

Volley Schönenwerd tanzt an diesem Wochenende auf zwei Hochzeiten. Die Anspannung ist gross bei Sportchef Daniel Bühlmann vor dem zweiten Viertelfinalspiel gegen Jona und dem Cup-Halbfinal gegen Lausanne.

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Schönenwerds polnischer Aussenangreifer Marcin Ernastowicz hebt gegen Lausanne ab.

Schönenwerds polnischer Aussenangreifer Marcin Ernastowicz hebt gegen Lausanne ab.

Remo Fröhlicher

Obwohl sie auf Kosten der Playoffs auf 16 Spiele verkürzt wurde, war die Qualifikation in der NLA eine langatmige Angelegenheit. «Ich bin definitiv froh, dass Playoff-Zeit ist», sagt Schönenwerds Sportchef Daniel Bühlmann. «Irgendwann waren die Positionen in der Tabelle bezogen und es war nur noch ein Warten auf die Playoffs und ein Hoffen, dass sich kein Spieler mehr verletzt.»

19 Pflichtspiele hat Schönenwerd in dieser Saison bislang absolviert – 16 in der Qualifikation, 2 im Cup sowie 1 Playoff-Match. 15 Mal gingen die Solothurner dabei als Sieger vom Feld. «Eine gute Quali, nicht mehr und nicht weniger», lautet das Zwischenfazit. «Es war ganz klar eine positive Entwicklung erkennbar. Mit Ausnahme des ersten Spiels, dem 0:3 bei Amriswil, traten wir sehr konstant auf, mit einigen Spitzen nach oben. Nicht nur die Resultate haben mich gefreut, sondern auch die Art und Weise, wie sich die Mannschaft generell präsentiert hat», sagt Bühlmann.

Daniel Bühlmann ist seit dem Aufstieg in die NLA vor zehn Jahren Sportchef bei Volley Schönenwerd.

Daniel Bühlmann ist seit dem Aufstieg in die NLA vor zehn Jahren Sportchef bei Volley Schönenwerd.

Remo Fröhlicher

Kurz vor dem Start in die Playoffs hat Schönenwerd mit der Verpflichtung des kolumbianischen Diagonalangreifers William Bermudez nachgerüstet. Nicht, weil man dem 22-jährigen Yves Roth nicht mehr vertraut. «Yves hat bis jetzt einen sehr guten Job gemacht», sagt Bühlmann. «Im Gegensatz zu ihm ist Bermudez ein Rechtshänder und bringt uns eine weitere Option im Spiel.» Und noch wichtiger: «Wenn im Training Sechs-gegen-sechs gespielt wurde, fehlte immer einer. Jetzt ist die Qualität deutlich höher.»

Vier Spiele hat Bermudez für die Schönenwerder bestritten, drei in der Meisterschaft, eines im Cup. «Es kommt gut, zumindest habe ich ein gutes Gefühl», lautet Bühlmanns Einschätzung. «Das ist das letzte Puzzlestück, das wir von der Klubleitung beisteuern konnten. Jetzt sind die Spieler am Zug.»

Überlegungen für weitere Korrekturen am Kader habe es nicht gegeben. Nach dem ersten Playoff-Spiel gegen Jona am vergangenen Wochenende hatte Trainer Bujar Dervisaj moniert, die Mitte sei zu wenig konstant gewesen. «Es gibt wohl Gegner, die besser aufgestellt sind in der Mitte, aber es ist sicher keine Schwachstelle», sagt Bühlmann und führt aus: «Ein Mitte-Spieler muss vor allem gut servieren und blocken können. Das ist bei uns der Fall. Wenn es eng wird, geht es sowieso nicht über die Mitte.»

Was den Sportchef ebenfalls positiv stimmt, ist, dass die Rollen der Spieler im Verlauf der Qualifikation klar verteilt wurden: «Es hat sich eine Hierarchie herauskristallisiert. Das ist sehr wichtig. Und vor allem ist es entscheidend, dass jeder seine Rolle auch akzeptiert. So gibt es keine Probleme oder unnötige Unruhen in der Mannschaft.»
Am vergangenen Samstag startete Schönenwerd mit einem 3:0 in die Best-of-5-Viertelfinalserie gegen Jona. Er sei einiges nervöser gewesen als noch in der Qualifikation, blickt Bühlmann zurück. Die Anspannung wird sich an diesem Wochenende noch einmal steigern, denn es stehen gleich zwei wichtige Spiele an.

Zuerst Spiel zwei gegen Jona am Samstag. «Ein Gegner, den wir schlagen müssen», stellt Bühlmann klar. Die Ostschweizer können den Solothurnern mittlerweile allerdings gefährlich werden, das war vor ein paar Jahren noch ganz anders. «Sie können gutes Volleyball spielen, wenn es ihnen läuft. Wenn sie gut servieren, kann es durchaus eng werden.»

Trotzdem hofft er, dass die Serie am kommenden Mittwoch im zweiten Heimspiel bereits endet. «Ich will nicht noch einmal nach Jona reisen. Ein 3:0 wäre deshalb optimal, aber am Ende interessiert es niemanden, Hauptsache, man steht im Halbfinal.»

Im Schweizer Cup sind die Schönenwerder bereits so weit kommen. Nachdem sie im Achtelfinal Chênois und im Viertelfinal Lutry-Lavaux ausgeschaltet haben, wartet am Sonntag in der Runde der letzten vier Klubs Lausanne. Gegen die Waadtländer verloren die Schönenwerder ihren bislang einzigen Final, den Cupfinal 2015. In der vergangenen Saison schaltete Lausanne die Schönenwerder im Playoff-Halbfinal aus und sicherte sich danach den Meistertitel.

«Es ist eine riesige Chance, die Rechnungen zu begleichen», weiss Sportchef Daniel Bühlmann. «Eine spezielle Motivation brauchen die Spieler sicher nicht. Die Emotionen werden da sein.» Der amtierenden Meister Lausanne hatte sich im Achtelfinal gegen den Zweitligisten Windisch durchgesetzt, im Viertelfinal gegen Jona. Die Qualifikation beendete Lausanne indes nur auf dem fünften Platz, und auch das erste Playoff-Spiel gegen Chênois ging verloren.

Dennoch sieht Bühlmann die Schönenwerder nicht in der Favoritenrolle. «Für mich hat es null Relevanz, wie sich Lausanne in der Meisterschaft präsentiert, darauf gebe ich gar nichts. Sie können jederzeit explodieren. Ich bin überzeugt, dass sie die Serie gegen die Genfer noch drehen. Wir können sie schlagen, aber es wird ein harter Fight.» Die grösste Herausforderung für die Spieler werde sein, dass sie am Samstag nicht schon den Cup-Knüller in den Hinterköpfen haben. «Zuerst müssen wir den Job gegen Jona erledigen», sagt Bühlmann.

Ihn müssen die Schönenwerder im Cup-Halbfinal in den Griff bekommen: Adrien Prevel, Topskorer des Lausanne Université Clubs.

Ihn müssen die Schönenwerder im Cup-Halbfinal in den Griff bekommen: Adrien Prevel, Topskorer des Lausanne Université Clubs.

Remo Fröhlicher