1. Liga Eishockey
Zuchwil-Regio wird gegen Adelboden überraschend von Ex-Oltnern weggeputzt

Eishockey Erstligist Zuchwil Regio hat einen schweren Dämpfer zu verdauen: Gegen Schlusslicht Adelboden setzte es eine peinliche 1:5-Heimniederlage.

Michael Schenk
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Nach dem beflügelnden Auswärtssieg in Basel folgte für Zuchwil zu hause gegen Adelboden die harte Landung.

Nach dem beflügelnden Auswärtssieg in Basel folgte für Zuchwil zu hause gegen Adelboden die harte Landung.

Michael Schenk

Sechs Mal ging der EHC Adelboden im Verlauf der ersten sechs Runden der Zentralschweizer 1-Liga-Eishockey-Meisterschaft als Verlierer vom Eis. Lediglich einen Punkt totalisierten die Mannen aus dem Verwaltungsbezirk Frutigen-Niedersimmental ehe sie zuletzt als Gäste ins Sportzentrum zu Zuchwil reisten. Zu den Zuchwilern also, die nur wenige Tage zuvor in Basel eine überzeugende Teamleistung abgeliefert und den Mitfavoriten auf den Regionalmeister-Titel in dessen Gefilden mit 5:2 als Verlierer gebrandmarkt hatten.

Ein starker Sieg, der jedoch offenbar der Bodenhaftung der Zuchwiler nicht förderlich war. Von der ersten Sekunde an nicht wirklich parat, den vermeintlich einfachen Gegner ernst zu nehmen, lagen die Hausherren schon nach 21 Sekunden durch einen Treffer von David Maurer 0:1 zurück. Da half es offenbar wenig, dass Coach Manfred Reinhard während den letzten Wochen immer wieder gepredigt hatte, dass es keine einfachen Spiele in dieser 1.-Liga-Gruppe gebe.

«Wenn wir nicht parat und voll konzentriert zur Sache gehen, können wir gegen jeden Gegner verlieren», hatte Reinhard mehrfach wiederholt. Und im Umkehrschluss: «Sind wir konzentriert und bereit können wir jeden Gegner schlagen. Diesmal waren wir überhaupt nicht parat und haben auch in keiner Weise erkennen lassen, dass wir uns gegen die drohende Pleite wirklich wehren wollen», so Reinhard.

Falsch programmiert

Stimmt die Einstellung vor einem Wettkampf nicht, egal in welcher Sportart, lässt sich diese in aller Regel und auf jedem Niveau während des Wettkampfs, Matchs oder Spiels nicht mehr korrigieren. Unterbewusst ist man dann programmiert. In dem Fall des EHC Zuchwil Regio offenbar darauf, den vermeintlichen «Gratisgang» Adelboden auf der linken Hälfte des Allerwertesten zu knacken. Adelboden, das im Tor mit David Friedli statt des zuvor eingesetzten Melchior Lanz spielte, sagt Danke. In der 13. Minute erhöhte Bruno Marcon, diesmal bedient von Maurer, fürs 2:0.

Sowohl Marcon wie Maurer haben eine lange Vergangenheit in der NLB - unter anderem auch bei Olten. Allein deshalb dürfte man diese zähen Alpen-Krieger nie abschreiben. Schon gar nicht, wenn sie einen so effizienten Tag einziehen, an dem alles gelingt. Praktisch jeder dritte Schuss der Adelbodner war ein Treffer - ein Weltklassewert... Das 2:0 war daher schon die Entscheidung.

Wie wenig parat die Gäste waren zeigte sich im Mitteldrittel. Ganze blamable 12 Sekunden nachdem Steiner auf 1:2 verkürzt hatte stellte Roth den alten 2-Tore-Abstand wieder her. Da half dann auch die Goalie-Auswechslung von Zuchu-Coach Reinahrd (Sauthier für Zaugg) nicht mehr, seine schlafwandelnde Truppe aufzuwecken. «Viel mehr hatte ich den Eindruck», so der enttäuschte und auch etwas ratlose Manfred Reinhard, «dass wir nach der linken auch noch die rechte Backe hingehalten haben.»

Mit zwei weiteren, persönlichen Treffern schickte Maurer die Zuchwiler dann ins Tal der Krokodils-Tränen. 1:5 daheim gegen Adelboden - das muss man erst einmal schaffen; selbst wenn der Gegner wie erwähnt einen Glanztag eingezogen hat. «Glück kann man sich eben auch erarbeiten», sagt Reinhard. Das Team von Coach Peter «Putz» Schranz hat Zuchu förmlich weggeputzt.

Sonst halt ein Cornet

Mit dieser bitteren Pille im Gepäck geht es nun am Mittwoch ans Auswärtsspiel nach Bellinzona. Die Tessiner, die auf diese Saison von der Ost- in die Zentralgruppe gewechselt haben, und die nächste Saison in die neue, überregionale Swiss Regio League aufsteigen wollen, haben zuletzt mächtig Fahrt aufgenommen. Drei Mal in Folge blieb die Truppe von Coach Nicola Pini jüngst unbesiegt. Thun, Unterseen und Lyss zogen gegen die Ticinesi den Kürzeren. In dem Sinn begegnen sich am Mittwoch also Lust und Frust.

Das wird ergo ein unglaublich schweres Stück Arbeit für die Gäste. Reinhard: «Das Resultat ist nach dem, was zuletzt war, fast ein bisschen zweitrangig für mich - ich will vor allem eine Mannschaft sehen, die nicht darauf wartet, dass ihr der Gegner Punkte schenkt, sondern alles dafür tut und gibt, um sich diese Punkte zu erkämpfen.» So oder so sei den Zuchwilern gesagt: die Vanillecornets bei der sympathischen alten Dame im Centro Sportivo sollen ausgezeichnet schmecken und prima über Niederlagen hinweg trösten respektive jeden Sieg zusätzlich versüssen.

Zuchwil Regio – Adelboden 1:5 (0:2, 1:1, 0:2)

Ort: Sportzentrum Zuchwil . - Zuschauer: 221. - Tore: 1. Maurer (Marcon) 0:1. 13. Marcon (Maurer, Tschanz) 0:2. 25. Steiner (Born, 1:2. 26. Roth (Christen) 1:3. 46. Maurer (Brunner, Tschanz) 1:4. 54. Maurer (Marcon, Brunner) 1:5. - Strafen: 2 x 2 Minuten gegen Zuchwil; 1 x 2 Minuten gegen Adelboden

Zuchwil Regio: Zaugg (26. Sauthier); Minder Kühni, Bösiger, Hojac, Röthlisberger, Anderegg, Felder, Leuenberger, Müller, Zigerli, Messerli, Vogt, Born, Rohrbach, Steiner, Sahli, Nydegger, Scherrer, Bättig; Trainer: Manfred Reinhard.

Adelboden: Friedli; Gyger, Brunner, Allenbach, Willen, Armbruster, Inniger, Grossenbacher, Burn, Santschi, Roth, Furer, Germann, Christen, Tschanz, Marcon, Maurer, Schmid; Trainer: Peter Schranz.