Rückzug

Zuchwil Regio steigt freiwillig ab – Verband: «Der Entscheid hat uns überrascht»

Da war Zuchwil Regios Welt noch in Ordnung: Im März feierten die Spieler den Titelgewinn in der Zentralgruppe.

Da war Zuchwil Regios Welt noch in Ordnung: Im März feierten die Spieler den Titelgewinn in der Zentralgruppe.

Der EHC Zuchwil Regio zieht sich freiwillig aus der 1. Liga zurück und tritt nächste Saison nur noch in der 4. Liga an.

Vom Freudentaumel ins Tal der Tränen innert einem Monat. Dies erlebt momentan der EHC Zuchwil Regio. Insbesondere Walter Ulrich, der seit 28 Jahren im Vorstand und seit 20 Jahren Präsident des Klubs ist. Ende März feierte Zuchwil den Meistertitel in der zentralen 1.-Liga-Gruppe.

In der nächsten Spielzeit wird die erste Mannschaft von Zuchwil Regio, wenn überhaupt, nur noch in der 4. Liga antreten. «Wir sind traurig und voller Schmerz, denn der Eishockeyverband zerstörte ohne mit der Wimper zu zucken alles, was wir in den letzten 30 Jahren aufgebaut haben», kommentierte Ulrich den Rückzug.

Was ist passiert? Der Untergang des Klubs habe schon mit der Gründung der MySports-League im Vorjahr begonnen, so Ulrich. Dadurch verlor Zuchwil Regio die attraktiven Derbys gegen Brandis, Wiki-Münsingen oder auch Basel.

Weniger Zuschauer und Einnahmen waren die Folge in der aktuellen Saison. Der nächste Schritt war die Auflösung der Erstliga-Zentralgruppe auf die nächste Saison 2018/19. Und die Einteilung des Klubs in die Ostgruppe. «Unsere regionalen Partnerklubs Lyss, Burgdorf, Unterseen und Adelboden sind alle in der Westgruppe», ärgert sich Ulrich.

Damit verliert der Klub auch noch die letzten attraktiven Duelle. «Die Einteilung in die Ostgruppe ist die totale Zerstörung des Vereins», stellt er klar.

Klub kaputtgemacht

Auf den EHC Zuchwil Regio hätten in der kommenden Saison Auswärtsfahrten nach Arosa, Bellinzona oder auch Prättigau gewartet. Die Folgen wären Zusatzkosten, ein deutlich grösserer zeitlicher Aufwand, dafür aber weniger Einnahmen, weil die Gegner keine Zuschauer bringen.

«Wir hatten für die Westgruppe zugesagt, jedoch ein Fragezeichen hinter die Ostgruppe gesetzt», sagt Ulrich, der die Einteilung nicht nachvollziehen kann.

Die Wünsche von Zuchwil Regio seien vom Verband schlicht ignoriert worden. «Dadurch wurde ein Klub, der diese Liga während vielen Jahren geprägt und sich einen Namen in der Region gemacht hat, einfach kaputtgemacht.»

Dem noch nicht genug kam am Samstag der nächste Nackenschlag. Der Antrag von Zuchwil Regio, in der nächsten Saison in der 2. Liga einzugsteigen, wurde abgelehnt.

Ein freiwilliger Abstieg aus der 1. Liga führt automatisch zu einem Neubeginn in der 4. Liga, steht im Reglement und an dieses hält sich der Verband jetzt strikte. «Unser Argument war, dass der Verband für dieses Desaster selbst verantwortlich ist.»

Deshalb hatte Ulrich auf den Goodwill des Verbandes gehofft. Ob Zuchwil Regio in der 4. Liga antritt oder sein Fanionteam ganz aus dem Meisterschaftsbetrieb zurückzieht, wird Ulrich noch diese Woche entscheiden.

Der EHC Zuchwil Regio spielte in seinen rund 15 Jahren in der 1. Liga stets vorne mit. Zweimal wurde der Klub Schweizer Meister bei den Amateuren.

«Im Moment herrscht eine grosse Leere. Das muss ich jetzt zuerst verdauen», sagt Walter Ulrich, der vor 28 Jahren als Sponsor zum EHC Zuchwil Regio gekommen war. «Ich habe für den Eishockeysport gelebt, viel Herzblut, Geld, Freizeit und Freude in den Verein gesteckt.»

Nun will sich der Klub auf die Nachwuchsabteilung fokussieren, ein neues Konzept wird gerade erarbeitet. Sieben Nachwuchsteams stellt Zuchwil im Moment.

Das langfristige Ziel lautet, ein Fanionteam bestehend aus vorwiegend eigenen Spielern zu erschaffen. So sei der Rückzug zumindest eine Chance für den Nachwuchs, hofft Ulrich.

Die Pension geniessen

Er bleibt auch weiterhin Präsident des Klubs. Es wäre der falsche Moment, um aufzuhören, weiss er: «Dann würde wohl der ganze Laden auseinanderbrechen.»

Zusammen mit seiner Frau hat er in den letzten Jahren alles dem EHC Zuchwil Regio untergeordnet. Nahezu an jedem Heim- und Auswärtsspiel war er präsent. Sein Leben werde sich nun definitiv ändern: «Wir haben jetzt mehr Zeit für uns und können die Pension besser geniessen.»

Mehr zu reisen, steht ganz oben auf der Liste. Was er unbedingt noch loswerden wollte in diesen für den Klub schwierigen Tagen: «Ich danke den Spielern und Helfern für ihren Einsatz, den Fans für ihre Treue und allen für die trotzdem positiven Rückmeldungen, die ich in den letzten Tagen erhalten habe.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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