Mit dem russischen Bären wird oft auf die geografische Grösse des Landes verwiesen – aber auch auf die Mentalität der Menschen. An den Olympischen Spielen 1980 in Moskau zierte das knorrige Tier, das scheinbar nichts aus der Ruhe bringt, das aber – richtig gereizt – fuchsteufelswild, agil, blitzschnell und brandgefährlich werden kann, das Logo. Juri Wotschakow, der neue Coach des Eishockey-Erstligisten Zuchwil-Regio, hat etwas vom Bären. Ganz nach dem Motto: Wenn es nicht sein muss, spare ich die Energie fürs Reden und Tun und setze Worte, Wissen und Agilität lieber gezielt da ein, wo es mir etwas nützt. Im Fall von Wotschakow geht es nicht um fette Beute in der Wildnis, sondern um viele Punkte auf dem Eisfeld.

Sehr viel Disziplin gefordert

«Ich bin begeistert von ihm – er ist ein absoluter Wunschtrainer von mir», sagt Zuchwil-Regio-Präsident und -Sportchef Walter Ulrich. Auf den Punkt gebracht, beschreibt der Chef seinen Chef-Angestellten so: «Ein Trainer mit wenig, aber sehr präzisen Worten. Einer, der jedem Spieler direkt und unverblümt sagt, was er von ihm denkt.» Ein Trainer, für den weder Name noch Ruhm oder Erfolg vergangener Tage, sondern ganz allein die aktuelle Leistung und Einstellung zählt. «Er verlangt sehr viel Disziplin, dann hat man kein Problem mit ihm», sagt Ulrich. Was den Umkehrschluss zulässt: Ohne Disziplin wirds für den betroffenen Spieler gar nicht lustig mit Trainer Wotschakow.

Harter Konkurrenzkampf

Der 54-Jährige war während UdSSR-Zeiten Verteidiger bei Torpedo Gorky und Dynamo Moskau und Mitglied der sowjetischen Nationalmannschaft. Letzte Saison rettete er Seewen (1. Liga) vor dem Abstieg. Ein Mann also, der weiss, was Konkurrenzkampf heisst und was nötig ist, um sich im entscheidenden Moment zu behaupten.

Allein, so gross wie einst bei der «Sbornja», Russlands Nationalmannschaft, ist das Gerangel um Stammplätze bei Zuchwil-Regio nicht wirklich. Es geht auch nicht um Privilegien im Leben, dank sportlichem Erfolg. Aber: «Es wird einen Konkurrenzkampf, einen ehrlichen Konkurrenzkampf geben, wie man ihn bei Zuchwil Regio noch nie gesehen hat», prophezeit Walter Ulrich. In dem Sinn ist für den Klub-Boss klar, dass man im Verlaufe der Ende September beginnenden und bis März dauernden Saison mit unzufriedenen Spielern rechnen muss.

Immerhin habe man «gut gehaltene Vertragsspieler», von denen man auch etwas verlangen dürfe, hält Ulrich fest. «Wir brauchen eine harte Hand, wenn wir Erfolg haben wollen.» Und Leistung heisst im Fall von Zuchwil-Regio mindestens Zentralschweizer-Meister-Titel; besser Amateurmeister. Ein Fauxpas wie letztes Jahr mit der Niederlage im Playoff-Final gegen Burgdorf soll sich heuer nicht wiederholen.

Mehr Spektakel als Beton

Im Moment heisst es für die Player des zweifachen Amateur-Schweizer-Meisters «seckle», was das Zeug hält. Fitness ist gefragt. Gemäss dem Präsidenten sind sowohl die Spieler wie auch Assistenztrainer Max Weibel vom neuen Chefcoach und dessen Trainings begeistert. Alle, auch die Nachwuchstrainer, sollen und können vom ehemaligen Verteidigercoach des HC Davos profitieren.

«Ich habe ein sehr gutes Gefühl», sagt Wotschakow. Die ersten Kontakte mit dem Team während der letzten Wochen seien gut verlaufen. Was seine Philosophie angeht, sagt der ehemalige Top-Verteidiger: «Defensive ist wichtig, um Erfolg zu haben, aber ich will offensiv spielen. Ein schnörkelloses, gradliniges Eishockey nach vorne. Wir haben die Spieler dafür.» Also unterhaltend für die Fans, von denen man sich heuer in Zuchwil einige mehr erwartet als zuletzt. Heute (18.30) bietet sich anlässlich des Vorbereitungsspiels gegen Neuenburg die nächste Gelegenheit, die Zuchwiler beim Tanz mit dem russischen Bären an der Bande zu beobachten.