Die prägnanten Anweisungen hallen lautstark durch die Arena, ein Pfiff folgt dem nächsten. Trainer Jeff Tomlinson verlangt von seinen 29 Spielern (!) auf dem Eis – 26 Feldspieler, 3 Torhüter – am Tag vor dem Finalauftakt der Swiss League gegen den EHC Olten (heute, 19.45 Uhr) noch einmal alles ab.

Nach rund einer Stunde intensiver Lauf-, Pass- und Schussübungen folgt ein lustiges Penaltyschiessen-Spielchen auf beide Tore. Grandiose Geniestreiche werden genauso umjubelt wie herausragende Torhüterparaden.

Die Stimmung bei den Rapperswil-Jona Lakers scheint gerade so ausgelassen zu sein, dass die Konzentration auf bevorstehende Aufgaben nicht abhandenkommt. «Wir harmonieren sehr gut und haben die beste Mannschaft seit dem Abstieg. Es liegt nur an uns, diesen Schritt, dieses grosse Ziel Aufstieg nun zu schaffen», sagt Captain Antonio Rizzello.

Trainer Jeff Tomlinson und sein verlängerter Arm: Captain Antonio Rizzello.

Trainer Jeff Tomlinson und sein verlängerter Arm: Captain Antonio Rizzello.

In 46 Qualifikationsspielen gewinnt Rapperswil-Jona 36 Mal, schiesst 178 Tore und erhält lediglich deren 81 Gegentreffer. Daraus ergibt sich ein Vorsprung von 16 Punkten auf den Verfolger.

Und auch in den Playoffs marschieren die St. Galler mit einem 4:0- und einem 4:2-Seriensieg gefühlt lockerlässig in den Final – Ligadominator Rapperswil!

Und als hätten sie einen ersten Fingerzeig in Richtung National League geben wollen, feierten sie kurzerhand gegen den HC Davos auch den Schweizer Cupsieg, nachdem sie in den Runden zuvor bereits Zug und Lugano ausgeschaltet hatten.

Nach dem Cupsieg streben die Rapperswil-Jona Lakers nun den Aufstieg in die National League an

Nach dem Cupsieg streben die Rapperswil-Jona Lakers nun den Aufstieg in die National League an

Aber wer aufgrund solcher Zahlen und Siege nun denkt, dass die Lakers heute frei von Sorgen sind, irrt sich. «Wir haben bislang in den Playoffs noch nicht unser bestes Eishockey gespielt. Das werden wir jetzt im Final gegen Olten tun müssen», erzählt Trainer Jeff Tomlinson und rollt auf: «Die ersten zwei Playoffspiele gegen die EVZ Academy waren dreckig, das hatte nicht viel mit Eishockey zu tun. Danach haben sie aber gezeigt, dass sie auch spielen können, und haben von uns alles abverlangt. Und auch gegen Ajoie haben wir die Serie über die Härte gewonnen, wir waren physisch robuster.»

Goalie Melvin Nyffeler wird in der Finalserie gegen Olten eine grosse Rolle spielen

Goalie Melvin Nyffeler wird in der Finalserie gegen Olten eine grosse Rolle spielen

Kampf statt Schönspielerei – das dürfte auch im Playoff-Final den Unterschied ausmachen. Der Respekt vor dem EHCO ist in Rapperswil gross: «Olten hat sehr gute Torhüter und vier Sturmlinien, die in anderen Mannschaften zweifellos die Toplinien wären. Olten hat offensive Power, die sehr schwer zu verteidigen sein wird. Und ihr Powerplay ist überragend. Wir müssen deshalb disziplinierter auftreten als bisher. Sonst wird es eine sehr kurze Serie geben», so Tomlinson.

Playoff-Final zum Dritten

Dabei spricht im Umfeld der Lakers kaum jemand über Olten, vielmehr ist das Aufstiegsziel omnipräsent, nur die Ligaqualifikation gegen Kloten oder Ambri zählt. Das Thema ist derart dominant, dass man auf der Geschäftsstelle vorgriff und etwas voreilig ein Ticket-Angebot der allfälligen Spiele gegen den taumelnden National-League-Vertreter lancierte.

In den Gesprächen mit den Spielern kommt aber heraus, dass im Team der Swiss-League-Final nicht bloss als Etappenziel angesehen werden soll. «Der EHC Olten hatte einen guten Saisonstart, geriert dann in eine Baisse, aus der sie nun beeindruckend herausgefunden haben. Olten gehört zu den grossen Teams dieser Liga. Ich erwarte eine sehr enge Serie», warnt Captain Antonio Rizzello, dem ganz offensichtlich das Auf und Ab des EHCO nicht entging.

Das letzte Quali-Duell: Oltens Bagnoud und McClement im Duell gegen die Rapperswil-Jona Spieler.

Das letzte Quali-Duell: Oltens Bagnoud und McClement im Duell gegen die Rapperswil-Jona Spieler.

Der 32-jährige Stürmer ist ein Lakers-Urgestein, bestreitet mit Rapperswil die 15. Saison, seine dritte als Captain. Die laufende Spielzeit ist für ihn bislang keine Erfreuliche: Rizzellos Performance auf dem Eis war in der Qualifikation regelrecht eingebrochen. Nach jeweils über 40 Skorerpunkten in den ersten beiden Captainjahren vermochte er nun nur noch 19 Skorerpunkte zu verbuchen.

Trotzdem ist das Urgestein enorm wichtig: «Er ist eine Leaderfigur. Sein Wort hat Gewicht, und nach aussen ist er für den Klub eine Identifikationsfigur», lobte Trainer Tomlinson. Rizzello ist mehr als bloss Skorerpunkte.

Mit ihm als Captain sind die Lakers stets in den Final eingezogen, aber dort gescheitert. Steigt nun der Druck beim dritten Versuch? «Es darf nicht Druck sein», meint Rizzello: «Es ist mehr eine Vorfreude, wieder die Möglichkeit zu haben, etwas gutzumachen. Ich habe den Abstieg 2015 miterlebt, das war nicht schön. Dieser Verein ist so professionell geführt, dass er in die National League gehört.»

Druck würden sie sich nur selber machen, meint auch Tomlinson: «Die Jungs sollen Spass haben und befreit aufspielen können. Wir werden die Serie geniessen.»

Grenzenloser Jubel beim EHC Olten nach dem Finaleinzug. Urs Lindt/freshfocus

Grenzenloser Jubel beim EHC Olten nach dem Finaleinzug. Urs Lindt/freshfocus

Matthias Mischlers Riesenparade im Video (Quelle: mysports.ch)