4:1 führte der EHC Olten im letzten Drittel und durfte zu einem weiteren Powerplay ansetzen. Würde man in Überzahl zum dritten Mal an diesem Abend treffen, dann wäre der Mist in der Winterthurer Zielbau-Arena mit Sicherheit geführt gewesen.

Einen 1:5-Rückstand hätte der Tabellenvorletzte Winterthur, der vor dem Duell gegen die Powermäuse 15-mal (!) in Serie verloren hatte, mit Sicherheit nicht mehr aufgeholt. Doch es kam alles ganz anders.

Es kam eine Phase, in welcher das mühsame erarbeitete bisschen Selbstvertrauen aufseiten der verunsicherten Oltner innert weniger Sekunden förmlich pulverisiert wurde. Die Winterthurer überstanden erst das (unkonzentrierte) Powerplay des EHCO und kamen kurz darauf dank eines Doppelschlags innerhalb von 36 Sekunden auf 3:4 heran. Drei Minuten später vollendeten die Zürcher ihr wundersames Comeback, als Wieser einen katastrophalen Fehler in der Oltner Verteidigung zum 4:4-Ausgleich ausnützte.

Labil und fragil

In diesem Moment wurde einem wieder mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt, wie unglaublich labil und fragil das Oltner Konstrukt ist. Diese Mannschaft ist mental so zerbrechlich wie ein Streichholz. Wer es nicht schafft, gegen einen nach einer Niederlagenserie demoralisierten Gegner einen 4:1-Vorsprung im letzten Drittel über die Bühne zu bringen, der hat ein ernsthaftes Problem.

Statt wie zum Beispiel die Tabellennachbarn Ajoie (12:1 gegen die GCK Lions) oder La Chaux-de-Fonds (7:0 gegen Zug Academy) eine Woche vor den Playoffs noch einmal richtig Selbstvertrauen zu tanken, durfte man bei den Oltnern trotz des letztlich glücklichen 5:4-Siegs nach Penaltyschiessen (in welchem es 30 Versuche gab!) mal wieder auf Ursachenforschung gehen, wie es möglich ist, dass die Mannschaft sich von einem bescheidenen Kontrahenten noch derart die Butter vom Brot nehmen lässt.

Nun: Trainer Chris Bartolone sprach nach dem Spiel noch lange mit seinen Spielern in der Garderobe. Aber er verzichtete bei seiner öffentlichen Analyse darauf, mit seinen Cracks all zu hart ins Gericht zu gehen.

Er tat sich sichtlich schwer, das Geschehen in die richtigen Worte zu fassen und sagte: «Es ist klar, dass wir in der Lage sein müssen, so ein Spiel nach Hause zu bringen. Aber im Eishockey passieren nun einmal Fehler. Diese müssen wir in Zukunft vermeiden.»

Bartolone versuchte auch, das Positive aus der Partie mitzunehmen. «Wir haben endlich mal wieder ein paar Tore geschossen. Das Powerplay war gut, das Boxplay ebenso. Und schliesslich haben wir doch noch zwei Punkte geholt.»

Der EHCO-Trainer weiss genau, dass es in der jetzigen Situation nur noch darum gehen kann, mit einem einigermassen positiven Gefühl in die Playoffs zu starten. Morgen Sonntag steht das letzten Qualifikationsspiel der Oltner gegen Schlusslicht Ticino Rockets auf dem Programm.

Mit einem Dreipunktesieg und entsprechender Mithilfe der Konkurrenz liegt Platz 3 noch drin. Dumm nur, dass momentan beim aktuellen Zustand des EHC Olten nicht mal mehr ein «Dreier» gegen den Tabellenletzten garantiert ist.