Fussballvereine
Zeichen stehen auf Vereinigung auf dem Platz Grenchen

Der Abstieg des FC Grenchen ist kaum noch zu vermeiden. Konkurs und Zerfall des Traditionsvereins jedoch schon. Der Stadtpräsident will jetzt eine schnelle Lösung, sprich ein Einhergehen der vier FC’s in Grenchen. Und: Das Wunder scheint möglich.

Michael Schenk
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Bald braucht es einen neuen Namen für das fussballerisches Aushängeschild, sonst geht in Grenchen nichts mehr.

Bald braucht es einen neuen Namen für das fussballerisches Aushängeschild, sonst geht in Grenchen nichts mehr.

Keystone

Das 0:10 gegen Münsingen war die 16. Niederlage in Folge des FC Grenchen. Der Traditionsverein, der dreimal im Cupfinal stand, ist dem Abstieg geweiht. Mit Igor Sostaric lief jüngst noch einer der Besten frustriert davon. Ohne Mäzen aus dem Wunderland ist der FCG nicht mehr in der Lage, noch eine «vernünftige» Saison in der 1. Liga oder 2. Liga inter zu bestreiten.

Der Kader für 2014/15 besteht bis dato aus einem Mann und die Finanzen lassen kaum noch einen Meisterschaftsbetrieb zu. Obgleich die Geschäftsleitung unter Lilo Dellsperger die Schulden von 160 000 auf 40 000 Franken senken konnte «Bis Ende Saison wirds noch weniger, eine kleine Restschuld wird aber bleiben.» Dellsperger wird ihr Amt per Ende Saison «sicher» niederlegen. Der FC Grenchen steht per se also ohne Führung, ohne Geld und ohne Spieler da.

Die Politik mischt sich ein

Das Fortbestehen des FCG basiert auf einem Zusammenschluss mit den drei anderen Klubs auf dem Platz. Ein sportlich, finanziell und gesellschaftlich längst sinnvolles Einhergehen, das seit Ewigkeiten an Eitelkeiten und Nostalgien scheitert. Inzwischen indes ist ein Bund näher denn je, weil quasi politisch gefordert. «Wir haben versucht, die Chancen einer Einheit ohne Druck aufzuzeigen», hält Stadtpräsident François Scheidegger fest.

Dazu hat man die Mediatorin Valesca Zaugg engagiert. Wie bei Kindern aber, wenn die ihr Gemüse partout nicht essen wollen, obwohl es doch so gesund ist, nimmt der Druck der «Eltern» dann zu. Sprich die Stadt will jetzt eine Lösung und das schnell. «Ich bin zuversichtlich, dass wir eine finden», so Scheidegger. Immerhin steht offenbar ein Sponsor parat, der bereit ist, einen ordentlichen fünfstelligen Betrag einzuschiessen, sofern der Zusammenschluss gelingt.

Zu einer «Vereinigung» aller vier Klubs kommt es freilich nicht. Ital weigert sich kategorisch mitzumachen. «Wer jetzt nicht dabei ist, riskiert den Zug zu verpassen und sich irgendwann hinten anstellen zu müssen», bedauert Grenchens Stapi Itals Haltung. Selbst wann man später allenfalls immer noch einlenken könne.

Der FCG, Wacker und Fulgor dagegen zeigen sich, zumindest was die Klubführung betrifft, offen, sich noch vor Mitte Juni, wenn die Teams für die neue Saison gemeldet sein müssen, zusammenzutun. «Wenn wir weiter unter Fulgor sprich Wacker oder FC Grenchen spielen könnten, wäre die Chance einer Fusion viel grösser», sag Fulgor-Präsi Peter Zumstein «Es ist Zeit sich den Zeichen der Zeit zu stellen», so sein Wacker-Amtskollege Marcel Bolliger. Damit eine «Fusion» möglich wird, braucht es an den bald stattfinden Generalversammlungen jeweils eine Dreiviertelmehrheit. Kein einfaches Unterfangen.

Fussballplätze als Druckmittel

Ohne sanftes aber bestimmtes darauf verweisen seitens der Stadt, dass es nun so zu kommen haben sollte, wird es darum kaum gehen. Immerhin gehören die Fussballplätze der Stadt und sie übernimmt auch die Kostenmehrheit für deren Unterhalt. «Wir arbeiten wie alle lieber mit Partnern zusammen, die auch mit uns zusammenarbeiten», räumt Scheidegger ein.

Um es den Beteiligte leichter zu machen, über ihren Schatten zu springen, ist die Stadt zu einem weiteren «Goodie» bereit: Damit das «Vereinte Fussball Grenchen» oder «Grenchen United» oder wie das Ding dann heissen soll die unerlässliche, neutrale und allseits anerkannte erste Führungsperson bekommt, stünde Grenchens Finanzverwalter David Baumgartner als Interims-Präsident zur Verfügung. Bis das «Retorten-Baby» quasi selbstständig zu laufen gelernt hätte. Die übrigen Vorstandsmitglieder würden sich demnach aus den Bisherigen rekrutieren.

Nun, selbst wenn ein Zusammenschluss von Wacker, FC und Fulgor Grenchen letztlich nur unter Knurren und Bellen einiger Ultra-Fundis durchführbar sein sollte – sollte es tatsächlich gelingen, wird man dieser Stadtregierung möglicherweise aus Dankbarkeit einst ein Denkmal im Stadion Brühl errichten.

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