Orientierungslauf
Wyder-Effekt schlägt bei Orientierungsläuferinnen durch

Bettina Aebi läuft an der Weltmeisterschaft in Frankreich auf den 15. Rang. Die Oberönzerin ist topmotiviert. Bei Brigitte Mühlemann aus Olten macht sich Wehmut breit.

Rainer Sommerhalder
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Brigitte Mühlemann. Photopress

Brigitte Mühlemann. Photopress

Die Bronzemedaille der Berner Oberländerin Judith Wyder ist für das Schweizer Frauenteam Gold wert. Weil Wyder – im Gegensatz zu Simone Niggli-Luder – in Reichweite der anderen Athletinnen liegt, trauen sich diese für die Zukunft Erfolge zu, von denen sie bis vor Kurzem nicht einmal zu träumen wagten.

Das neue Selbstvertrauen der Schweizerinnen spürte man bereits bei der abschliessenden Staffel. Bis zum zweitletzten Posten der dritten und letzten Ablösung lag das Trio Ines Brodmann, Judith Wyder und Rahel Friederich auf Medaillenkurs, ja schnupperte gar an Gold. Erst ein ärgerlicher Fehler Friederichs stoppte den Medaillenexpress. Am Schluss gab es Tränen und Rang 7.

Spannendste Frauenstaffel

Bettina Aebi aus Oberönz erlebte die spannendste Frauenstaffel der OL-Geschichte mit unzähligen Führungswechseln als Zuschauerin. Die Jura-Studentin blickt mit positiven Gefühlen auf ihre erste WM und den 15. Platz zurück. «Der Beginn meines Rennens nervt mich noch immer etwas. Auf den ersten fünf Posten verliere ich zehn Minuten. Danach auf zwei der drei Medaillengewinnerinnen nur noch drei Minuten.»

Sie sei glücklich, dass sie ihre Taktik mit einem «Neustart» durchziehen konnte und ihr Resultat sei sehr motivierend für die Zukunft. «Ich habe immer gewusst, dass für mich viel möglich ist, aber richtig daran geglaubt halt doch nicht. Auch dank Judiths Resultat sehe ich nun, was drin liegt.» Selbst eine WM-Medaille sei für sie in Zukunft greifbar, «denn ich bin ja noch jung und habe Zeit». Nun hofft die 20-Jährige, dass einerseits sie die Doppelbelastung Studium und Spitzensport und andererseits ihr Körper den gesteigerten Trainingsumfang verkraften. Dies war in der Vergangenheit nicht immer der Fall.

«Ein wenig Wehmut»

Etwas wehmütig blickt die Oltnerin Brigitte Mühlemann auf ihr WM-Debüt zurück. Die 33-Jährige ist dankbar, dass sie in Frankreich viele positive Sachen erleben durfte. «Als ich über die Brücke ins Ziel einlief, war dies ein wahnsinnig emotionaler Moment. Und beim Warten auf Judith Wyder war ich noch nervöser als bei meinem eigenen Rennen».

Da sie aber nicht wisse, ob diese WM für sie ein einzigartiges Erlebnis bleibe, «kommt doch ein wenig Wehmut auf». Im Herbst wird Mühlemann entscheiden, ob sie auch im nächsten Jahr versucht, sich fürs Team der Heim-WM in Lausanne zu qualifizieren. «Jünger werde ich allerdings nicht», sagt die Primarlehrerin.