Motorsport
Wo ein Ford Fiesta in ein Vettel-Ferrari verwandelt wird

Auf dem Gelände von Widberg Motorsport in Gerlafingen findet sich Manches, das den Fan entzückt. Bruno Widmer und sein Team in Gerlafingen sorgen dafür, dass ihre Kunden auf der Rennstrecke jubeln können.

Michael Schenk
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Bruno Widmer, der Chef von Widberg Motorsport.

Bruno Widmer, der Chef von Widberg Motorsport.

Michael Schenk

15 000 Franken wären zu viel für diese Porsche-911-Schwarte, denkt sich der Laie da. Dagegen scheinen die 220 000 Euro für den brandneuen 911 991 GT 3 der Zuffenhausener gleich daneben, ein Kundenfahrzeug das im Porsche-Cup startet, gar nicht so sehr viel „Der Alte geht nicht unter 500 000 Franken“, klärt Bruno Widmer auf. Tja, so kann man sich irren. Eine Rarität sei dieses Model – und mit Klassikern kennt man sich hier aus. Hier spielen allerdings auch schnelle und schnellste Autos eine Hauptrolle. Auf dem Gelände von Widberg Motorsport in Gerlafingen findet sich Manches, das den Fan entzückt. „Motorsport ist 70 Prozent unseres Geschäfts“, bestätigt Widmer. Sukzessive habe sich dieser Anteil im Verlauf der letzten Jahre hochgeschraubt. Der 50-Jährige ist der Boss der sportlich orientierten Garage.

Mit Herzblut dabei

Aktuell sind sie darum oft an Rennstrecken am Schrauben – die Widberg- Mechaniker. Rennsport ist ihre Leidenschaft für die das ganze Team viel Entbehrungen, Überstunden und unregelmässige Arbeitszeiten auf sich nimmt. Von einem „Achti-bis-Füfi-„Job kann keine Rede sein. „Wer einmal von diesem Virus infiziert ist für den klingen hochdrehende Motoren schöner als eine Oper“, sagt der Firmenboss. Zusammen mit seinem 15 Angelstellten und etlichen Freelancern betreut er derzeit das Hofor–Racing Team mit seinen zwei Mercedes SLS AMG GT und zwei BMW’s im Rahmen von 24-Stunden-Rennen, sowie sieben Porsches im entsprechenden Marken-Cup.

Die Gerlafinger kümmern sich um Versicherung, Transport, Wartung und Aufbau der Rennboliden bis hin – wenn gewünscht – zum gewollten Cockpit-Duft. Eine All-Inclusive-Boxencrew für jedermann quasi. Die Besitzer der Rennwagenwagen brauchen nur noch zu kommen, ins Auto zu sitzen und Gas zu geben. Der Budgetrahmen geht von rund 30 000 Franken für das Rundum-Wohlfühlpaket eines Porsches im Marken-Cup bis zu Millionenbeträgen – je nach Anzahl Fahrzeugen und Rennserie.

Auch für Hagelschäden da

Die Carosserie-Werkstatt, mit der Widmer 1988 begann, hat sich quasi von der Plattenbau-Wohnung zur Villa entwickelt. Carosserie, Lackiererei und schwergewichtig auf Mechanik ausgelegte High-Tech­Apparaturen versprühen eher ein Hauch von Labor denn Werkstatt. „Wir haben zwar ein sportliches Publikum“, sagt Widmer, „aber wir sind grundsätzlich für jedermann und –frau mit jedem anliegen da.“ Hinz kann theoretisch mit seiner 20-jährigen Ford-Fiesta-Gurke anrollen und seinen Hagelschaden reparieren lassen. „Wir bieten allen die Möglichkeit, von unseren Rennsport-Erfahrungen zu profitieren.“ So steht da auch gerade ein Fahrzeug der örtlichen Feuerwehr. Ob daraus ein Vettel-Ferrari werden soll, bleibt Firmengeheimnis...

„On the road“ again

An rund 30 Wochenenden sind die Solothurner für ihre Kunden sprich die von ihnen betreuten Fahrzeuge in Europa bis Dubai im Einsatz. Und dabei ist kein Deut weniger Ehrgeiz im Spiel, als bei den Piloten selbst. „Der Erfolg der Autos ist unser Erfolg“, sagt Widmer, der einst Porsche-Cup fuhr und auf diese Weise ins Business reinrutschte. Und das mit dem Erfolg klappt freilich ganz gut. 2013 feierten die Solothurner in Barcelona, als erst drittes Schweizer Team überhaupt, den ersten Sieg im Rahmen der prestigeträchtigen 24h­-Serie. Letzte Saison stand man in sämtlichen sechs Läufen auf dem Podest – jedoch nie ganz zuoberst – und heuer?

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