Timo Helbling, Sie tragen neuerdings einen Bart. Warum?

Timo Helbling: Als wir mit Fribourg um die Playoff-Qualifikation gekämpft haben, habe ich begonnen, mir einen Bart wachsen zu lassen – und ihn auch nicht abgeschnitten, als wir die Playoffs verpassten. Dann musste ich für meinen Master in «Bank and Finances» lernen und kam irgendwie auch nicht dazu, mich zu rasieren. Jetzt ist es ein Modebart. (lacht)

Jetzt sind sie Teil der Schweizer WM-Delegation. Hätten Sie nach Ihrer verkorksten Saison mit Fribourg damit gerechnet, hier in Prag dabei zu sein?

Überrascht bin ich nicht. Ich hatte mit Nationaltrainer Glen Hanlon schon beim Zusammenzug im Dezember ein gutes Gespräch und rechnete mir deshalb gute Chancen aus. Ich denke, dass ich mir meinen Platz dank meinen guten Leistungen in den Vorbereitungsspielen durchaus verdient habe. Ich habe im Nationalteam eine gute Rolle gefunden, die mir zusagt.

Die wievielte WM ist das für Sie?

Die Dritte. Ich war 2006 in Lettland und 2010 in Deutschland dabei. Ich bin ein paarmal kurz vor der WM noch aus dem Kader geflogen. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt hier in Prag dabei bin.

Und Sie haben die Chance, eine schlechte Saison doch noch würdig abzuschliessen.

Wenn man mit so einem Kader, wie wir in Fribourg, nicht in die Playoffs kommt, dann kann niemand zufrieden sein. Trotzdem hatte ich persönlich gefühlsmässig aber nicht eine so schlechte Saison. Ich denke, dass ich mich noch einmal weiterentwickeln konnte. Dass bei so einem Abschneiden alle kritisiert werden, und besonders die Leistungsträger, das gehört dazu. Ich bin jedenfalls froh, kann ich hier in Prag die Saison für mich noch retten.

Mit ihren 33 Jahren gehören Sie schon zu den älteren Semestern in der Nationalmannschaft.

(lacht) Ja, es ist komisch. Als ich das erste Mal in der Nationalmannschaft gespielt habe, war noch André Rötheli dabei. Der sagte damals: «Jetzt muss ich dann aufhören, wenn ich mit einem zusammen spiele, den ich noch im Schulsport in Hägendorf unterrichtet habe.» Jetzt bin ich selber der Zweitälteste im Team. Zum Glück ist Mark Streit noch dazugestossen.

Wie stark stufen Sie das Schweizer Team hier in Prag ein?

Ich denke, dass wir eine starke Mannschaft haben – trotz der vielen Absagen. Es ist für mich beeindruckend, über welche Breite wir inzwischen verfügen in der Schweiz, wie viele Spieler für die Nationalmannschaft infrage kommen. Der Mix stimmt. Wir sind uns bewusst, dass wir alle Teams schlagen können.

Sie waren im April auch noch Teil eines Spielertauschs zwischen Fribourg und Bern. Waren Sie überrascht, als Sie plötzlich für Ryan Gardner in die Hauptstadt zum SCB transferiert wurden?

Ja, sehr. Es war aber keineswegs so, dass man mich abschieben wollte, so wie das oft zu lesen und zu hören war. Ich hatte in Fribourg ein sehr gutes Saisonabschluss-Gespräch und erhielt durchweg positives Feedback. Dann kam der Anruf, dass man mich aufgrund finanzieller Probleme gerne abgeben würde, da ich der einzige Spieler sei, für den von mehreren Klubs Interesse besteht. Ich verhandelte dann mit den Interessenten, bis sich die Berner mit dem Tauschangebot meldeten. Es ist schade, dass ich mit meinen Freiburger Teamkollegen nicht mehr die Chance habe, die schlechte Saison wieder gut zu machen. Aber auf der anderen Seite reizt es mich natürlich auch, in Bern zu spielen. Ich bin in Olten aufgewachsen und habe die grosse Zeit des SCB Ende Achtziger-, Anfang Neunzigerjahre als Kind miterlebt. Deshalb ist es eine Ehre für mich, für diesen Klub zu spielen. Ich denke auch, dass ich mit Trainer Guy Boucher sehr gut klarkomme. Ich freue mich auf meine Zeit in Bern.