Der Einzelwettbewerb brachte zwei ganz unterschiedliche Halbfinals hervor. Das Mitglied des Davis Cup-Teams, Adrien Bossel, schaffte den Sprung ins Finale. Der Spieler der Trimbacher Nationalliga A, Yann Marti, verpasste dagegen das Match um den Turniersieg. Das Finale um den Titel am ITF Trimbach bestreiten Daniil Medvedev (RUS) und Adrien Bossel um 14 Uhr.

Zuvor gewann in einem engen Doppelfinale zwischen Uladzimir Ignatik (BLR)/ Adrian Sikora (SVK) und Johannes Haerteis (GER)/ Kevin Krawietz(GER) das osteuropäische Duo. Ignatik und Sikora schlugen die beiden Deutschen mit 6:4, 5:7 und 10:7 und holten sich damit den diesjährigen Titel im Doppel am ITF Men’s Future Trimbach 2016.

Trotz 400 Weltranglistenplätzen Unterschied zwischen dem favorisierten Schweizer Adrien Bossel und dem Niederländer Niels Lootsma ergab sich im Einzelwettbewerb eine ausgeglichene Partie. Der Aussenseiter setzte immer wieder gewinnbringend seine schärfste Waffe ein, seinen wuchtigen Aufschlag. Allein acht Asse gelangen ihm im ersten Durchgang. Der Tie Break des ersten Satzes ging an Adrien Bossel (7:6). Im zweiten Satz kippte das Spiel völlig zugunsten von Gegner Lootsma. Die Aufschlagquote des Schweizers hingegen war unterirdisch und wenn der zweite Aufschlag kam, gewann er gerade einmal 22% der Punkte. Der Satz war schnell beendet mit 1:6 aus seiner Sicht.

Adrien Bossel schlägt den Aufschlag-Champion

Im dritten Satz fing sich Bossel wieder und konnte diesen ausgeglichen gestalten. Ausgerechnet zum Schluss hin, beim Stand von 6:5 für den Schweizer, passierten dem starken Aufschläger Lootsma zwei Doppelfehler hintereinander, die Bossel die ersten Matchbälle bescherten. Der Niederländer konnte die Gefahr noch einmal abwehren. Ein Ass zur rechten Zeit brachte ihn in den Tie Break.

Dieser gestaltete sich ausgeglichen. Dennoch ergab sich wenig Spielfluss. Beide Kontrahenten waren darauf fokussiert, den Punkt schnell abzuschliessen und forcierten dies häufig per Serve-and-Volley. Durch 6:5 ergab sich für Lootsma ein eigener Matchball. Bossel glich allerdings aus, 6:6. Danach wieder Matchball für den Niederländer. Ausgerechnet in diesem Schlüsselmoment unterlief Lootsma wieder ein folgenschwerer Doppelfehler. Ausgleich.

Als ebenso folgenschwer erwies sich die darauffolgende Schiedsrichterentscheidung: Einen Rückhandball cross des Linkshänders Bossel sah der Referee im Feld. Ein Raunen ging durchs skeptische Publikum. Lootsma protestierte sofort. Der Schiedsrichter deutete vom Stuhl aus an, es sei knapp gewesen, Lootsma keilte zurück: „Das war nicht knapp, das war deutlich, der Ball war aus.“ Ein Schlag des Niederländers hinter die Linie bescherte Adrien Bossel daraufhin den Finaleinzug. Mit einem gefährlich scharfen Schlägerwurf über die Tribüne hinweg und klarem Vorwurf an den Schiedsrichter – „Das ist Dein Verschulden“ –  trat Lootsma ab.

Das zweite Halbfinale zwischen Daniil Medvedev aus Russland und Schweizermeister Yann Marti hatte ganz anderen Charakter als die erste Einzelpartie und lebte viel von den Powerduellen an der Grundlinie.

Die Partie begann denkbar schlecht für Yann Marti, da er sofort ein Break hinnehmen musste. Der Schweizer wirkte etwas müde, während der in der Weltrangliste besser platzierte Daniil Medvedev darauf zu brennen schien, die Gunst der Stunde zu nutzen. Symptomatisch, dass Medvedev seinen ersten Service zu null über die Bühne brachte, Marti hingegen auch im nächsten Spiel in der Luft hing, drei Doppelfehler zustande brachte und wieder Breakbälle gegen sich hatte. Dieses Mal aber würgte er sich doch noch zum Spielgewinn. Der Durchbruch war das nicht. Medvedev agierte von der Grundlinie unglaublich druckvoll, breakte schliesslich ein weiteres Mal zum 5:2 aus seiner Sicht und der Satz war gelaufen.

Martis Schwächephasen

Anfang des zweiten Satzes liess sich Marti hängen. Kein Aufbäumen, kein emotionaler Ausbruch wie man es sonst von ihm kennt, wenn es schlecht läuft. So geriet er abermals in Rückstand. Doch dann veränderte sich etwas. Dem Schweizermeister gelang aus dem Nichts das Re-Break. Martis Körpersprache wandelte sich. Er ging die Ballwechsel aggressiver an, erzwang Fehler und plötzlich lief es. Das Momentum hatte gewechselt. Medvedev schaute ein ums andere Mal konsterniert zu seinem Trainer auf. Marti gewann vier Spiele in Folge und entschied den Satz klar für sich mit 6:3.

Anfang des dritten Satzes befand sich das Match in seiner stärksten Phase. Intensive Grundlinienduelle forderten den Kontrahenten alles ab. Urplötzlich schwächelte Marti aber wieder und Medvedev schaffte das Break zum 3:1. Der Schweizer kämpfte zwar noch einmal um seine Chance, doch es war zu spät. Durch 6:3 im dritten Satz zog Medvedev verdient ins Finale ein.