Volleyball NLA
«Wir wollen im Februar auf dem Peak sein»

Bislang verlief Reto Gigers Rückkehr zu Volley Schönenwerd nicht nach Wunsch: Selbstisolation, keine Zuschauer und zuletzt eine bittere Pleite. Der Passeur hofft, dass spätestens zum Start der Playoffs alles besser aussieht.

Raphael Wermelinger
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Nach vier Siegen und zwei Niederlagen macht Reto Giger noch viel Steigerungspotenzial aus beim Schönenwerder Team.

Nach vier Siegen und zwei Niederlagen macht Reto Giger noch viel Steigerungspotenzial aus beim Schönenwerder Team.

Jörg Oegerli

Nach zwei Saisons bei Näfels sowie je einer in Polen und Estland kehrte Reto Giger dieses Jahr zu Volley Schönenwerd zurück. Es fühle sich wie eine Heimkehr an, kommentierte er im Mai seinen Wechsel zu dem Klub, bei dem er vor gut zehn Jahren seine NLA-Karriere gestartet hatte. Er freue sich darauf, wieder für die Niederämter zu spielen und insbesondere darauf, als Schönenwerder in der Betoncoupe Arena aufzulaufen.

Ein knappes halbes Jahr und sechs Meisterschaftsspiele später sagt der 29-jährige Passeur: «Ich vermisse zwar das Ausland schon ein wenig, aber es macht Spass, wieder in der Schweiz zu spielen.» Was aber momentan fehle, seien die Zuschauer. Eine richtige Heimspielatmosphäre komme ohne diese nicht auf. «Wir spielen ja auch für die Zuschauer. Wir wollen uns präsentieren und sie unterhalten. Ein Hexenkessel kann ein Team in schwierigen Situationen tragen. Das fehlt jetzt und wir sind viel mehr auf uns selbst gestellt.»

Reto Giger setzt Mitte-Spieler Shonari Hepburn in Szene.

Reto Giger setzt Mitte-Spieler Shonari Hepburn in Szene.

Patrick Lüthy

Nachdem Volley Schönenwerd zum Saisonauftakt im Oktober drei von vier Spielen gewonnen hatte, schlug Anfang November das Coronavirus zu. Eine Viertelstunde vor dem Spiel gegen Lausanne kam das positive Testresultat. Nichts riskieren hiess es da auch für Giger und die anderen Spieler. Zehn Tage Fitnesstraining in der Selbstisolation waren angesagt. Was auch mit seinem 50-Prozent-Pensum bei einer IT-Firma gut zu vereinbaren war. «Zum Glück kann ich überall arbeiten, wo ich Internet habe und auf Homeoffice umsteigen.»

Um die Gefahr einer Ansteckung möglichst tief zu halten, schränke er seine Kontakte auf ein Minimum ein. Seit der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs Mitte November bestehen seine Tage aus «Training, Arbeit und wieder nach Hause fahren».

Trotz aller Vorsichtsmassnahmen steht für ihn fest, dass es wieder Coronafälle geben wird bei den Klubs. «Wir können uns nicht komplett isolieren. Für uns Spieler ist die Situation extrem schwierig, weil wir den Rhythmus nicht halten können. Trotzdem bin ich froh, dass die Saison nicht unterbrochen wurde. Der Neuanfang im Januar wäre sonst umso schwieriger geworden.»

Reto Giger bei der 0:3-Heimniederlage gegen Leader Amriswil.

Reto Giger bei der 0:3-Heimniederlage gegen Leader Amriswil.

Patrick Lüthy

Nach einer einmonatigen Pause meldete sich Schönenwerd am 22. November mit einem 3:1-Sieg gegen Traktor Basel zurück. Pflicht erfüllt, mehr nicht, dies Gigers Resümee. Am vergangenen Wochenende gelang dies gegen das noch punktlose Tabellenschlusslicht allerdings nicht.

Die Schönenwerder unterlagen dem Underdog mit 2:3. «Luzern hat sehr gut gespielt und nicht nachgelassen. Wir hätten das Spiel im vierten Satz dennoch entscheiden müssen. Im Tiebreak war bei uns dann etwas die Luft draussen.»

Die Leistungen in den vorangegangenen Spielen seien zwar «nicht so schlecht» gewesen, er macht aber noch viel Steigerungspotenzial aus. «Wir können noch viel besser spielen», sagt er. «Das hängt aber auch mit unserer Saisonplanung zusammen. Wir wollen im Februar, wenn die Playoffs beginnen, auf dem Peak sein. Unser Training ist darauf ausgelegt, dass wir dann die besten Leistungen abrufen können.»

Bis Weihnachten warten voraussichtlich noch vier Spiele auf die Schönenwerder. Den Anfang macht das morgige Gastspiel bei Näfels. Das erste Aufeinandertreffen im Oktober konnten die Schönenwerder mit 3:0 für sich entscheiden.

Aktuell liegen die Glarner mit neun Punkten aus sieben Spielen auf dem fünften Platz. «Sie haben sich inzwischen auf der Diagonalposition verstärkt, aber wir sind motiviert und ready to push», blickt Giger voraus. «Ich hoffe, dass uns eine gute Reaktion auf den Luzern-Match gelingt. Das war wirklich keine Glanzleistung.»

Passeur Reto Giger taucht vergeblich nach einem Ball.

Passeur Reto Giger taucht vergeblich nach einem Ball.

Jörg Oegerli

Um auf die Erfolgsspur zurückzukehren, muss vor allem die Fehlerquote deutlich runtergeschraubt werden. Über 40 Fehler leisteten sich die Schönenwerder gegen Luzern. «Wir müssen definitiv an unserem Risikomanagement arbeiten. Wir können zehnmal besser spielen als so wie gegen Luzern.»

Trotz des jüngsten Rückschlags und der vielen Ungewissheiten aufgrund von Corona hat Giger die Motivation und Leidenschaft fürs Volleyball aber kein bisschen verloren in den letzten Monaten: «Das ist mein Job. Ich liebe die Matches und gebe jeden Tag Vollgas, um dann so viele Punkte wie möglich zu holen.»

NLA

Samstag: Lausanne – Chênois (17.30). Näfels – Schönenwerd (18.00). – Sonntag: Luzern – Traktor Basel (17.00). – Rangliste: 1. Amriswil 7/21. 2. Chênois 6/15. 3. Schönenwerd 6/13. 4. Lausanne 5/9. 5. Näfels 7/9. 6. Traktor Basel 7/3. 7. Luzern 6/2. 8. Jona 4/0.