Swiss League

«Wir waren 22 Einzelkämpfer»: Der EHC Olten kassiert gegen Ajoie eine empfindliche 0:2-Schlappe

Der EHC Olten bleibt bei der 0:2-Schlappe in der Ajoie chancenlos und kämpft in der Quali-Schlussphase um das Playoff-Heimrecht – und noch um viel mehr: Dass das Team endlich wieder als Mannschaft auftritt

Die Szene während der zweiten Drittelspause spricht Bände: Ausländer Brian Ihnacak und Neuzugang Lukas Haas sitzen gemeinsam minutenlang auf der Spielerbank, gestikulieren wild, philosophieren über das Geschehene, ehe ihr Blick ins Leere schweift und plötzlich Funkstille herrscht.

Ratlos zeigten sich am gestrigen Abend in der Ajoie nicht nur die beiden EHCO-Stürmer: Der EHC Olten ist erschreckend chancenlos und macht jene Sachen falsch, die Ajoie wie aus dem Eishockey-Lehrbuch perfektioniert aufs Eis zaubert.

Das Resultat daraus ist für den EHCO ernüchternd: 0:2-Schlappe, in einem Spiel, in welchem es weit mehr gefehlt hat als nur an Toren: «Es war einmal mehr zu wenig gut, es hat einmal mehr die Leidenschaft gefehlt. Wir haben zu viele Chancen zugelassen und haben uns auf den Torhüter verlassen. Es ist frustrierend», sagt ein sichtlich geknickter Tim Bucher und fügt mit seiner jahrelangen Erfahrung an, was den EHC Olten nachdenklich stimmen sollte und im Grundgerüst erschüttern sollte: «Spielen wir so weiter, haben wir noch genau neun Spiele vor uns. Wir müssen endlich reagieren».

Mit einer Reaktion meint Tim Bucher nicht bloss lapidar, wieder auf die Siegestrasse zurückzufinden. Er spricht viel mehr ein Problem an, das viele Mannschaften auseinanderbrechen lässt und appelliert deshalb mit bestimmten Worten an seine Teamkollegen:

«Wir können noch lange über Taktik sprechen, solange jeder etwas für sich macht. Und das machen wir nun schon mehr als einen Monat. Wir sind kein Team und waren wieder mal 22 Einzelkämpfer. Wenn einer einen Fehler macht, wird sofort reklamiert und die Hände verworfen, statt den Fehler selber zu korrigieren. Wir müssen füreinander da sein», spricht Bucher sehr emotional.

Der Vorsprung schmilzt

Mit der neuerlichen 0:2-Niederlage schmilzt der Vorsprung auf Rang vier, der gerade noch für das überaus wichtige Playoff-Heimrecht berechtigt ist, auf zwei Punkte.

Nervosität soll sich deshalb nicht breitmachen, meint Captain Cédric Schneuwly: «Natürlich schauen wir auf die Tabelle, aber sie darf uns nicht hemmen. Wir müssen Spiel für Spiel als Team unser Bestes geben und uns steigern.»

Das Beste war gestern einmal mehr nicht gut genug. Sinnbildlich für die Partie stand etwa die Phase im Schlussabschnitt, in welcher die Oltner nicht weniger als eine Minute und 51 Sekunden in doppelter Überzahl agieren konnten und kaum Abschlüsse zustande brachten, geschweige denn den Anschlusstreffer fanden.

Und so passt es zu einem misslungenen Abend und erstaunt es nicht weiter, dass Ajoie-Torhüter Elien Paupe einen souveränen Shutout feiert.

Apropos Torhüter: Trainer Bengt-Ake Gustafsson liess nach 20 Minuten und zwei Gegentreffer Torhüter Matthias Mischler durch Simon Rytz ersetzen, weil Ersterer sich «über ein schlechtes Gefühl» beklagte.

Der EHC Olten hat bereits am Samstagabend zu Hause eine weitere Möglichkeit, mit einem Sieg über die GCK Lions zu beweisen, dass das Team doch noch lebt.

Und sich schliesslich in der Tabelle wieder etwas Luft verschaffen können. Sonst droht alsbald der Fall auf Platz fünf – und womöglich schon bald ein jähes, verfrühtes Saisonende.

Lesen Sie hier das Spiel im Liveticker nach: 

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