Karateclub Rickenbach
«Wir schlagen Luftlöcher, beim Judo reissen sie an den Kleidern»

Ein Besuch im Training beim über dreissig Jahre alten Karateclub Rickenbach: Disziplin wird grossgeschrieben. Fast schon militärisch geht es im Training zu und her. Dies sei aber nicht immer so gewesen, sagt Präsident Daniel Mahler.

Raphael Wermelinger
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Etwa zwanzig der insgesamt rund vierzig Mitglieder des Karateclubs Rickenbach waren beim Training am Dienstag dabei.

Etwa zwanzig der insgesamt rund vierzig Mitglieder des Karateclubs Rickenbach waren beim Training am Dienstag dabei.

Bruno Kissling

Während früherer Trainings wähnte er sich auch schon mal in einem Hühnerstall. Dass sich dies geändert habe und nun Ordnung herrsche in der Halle, sei das Verdienst von Dojoleiter Andreas Ackermann: «Sein Charakter drückt ganz klar durch. Er lebt die richtige Einstellung vor, ist streng und fordert sehr viel von unseren Schützlingen.»

Dies bekommt einer der ganz jungen Karatekas noch vor dem Trainingsbeginn zu spüren. Vor dem Betreten der Halle verbeugt man sich respektvoll, lautet die Aufforderung von Dojoleiter Ackermann. Es ist nicht das einzige Versäumnis des Jungspunds. Sein Tenue sitzt ebenfalls nicht korrekt. «Wo ist dein Gurt?», fragt Ackermann und schickt ihn zurück in die Garderobe. Sobald dieser Fauxpas korrigiert ist, kann das Training starten. Rund die Hälfte der insgesamt um die vierzig Mitglieder des Klubs sind am Dienstagabend in der Turnhalle in Rickenbach dabei.

Dojoleiter Andreas Ackermann sorgt für die nötige Disziplin beim KC Rickenbach.

Dojoleiter Andreas Ackermann sorgt für die nötige Disziplin beim KC Rickenbach.

Bruno Kissling

Einstieg ab acht Jahren

2016 feierte der Karateclub Rickenbach sein 30-jähriges Bestehen. Einer der Gründer war Hans Lässer, der mittlerweile wieder in seiner Heimat in Schaffhausen dem Karate-Sport frönt. Quasi seit der ersten Stunde dabei sind auch Präsident Daniel Mahler, Vizepräsident Rainer Grolimund, Vorstandsmitglied Erik Vogelsang und Dojoleiter Andreas Ackermann. Eine Karateschule existiert in Rickenbach gar schon seit mehr als dreissig Jahren.

«Trainings in den Turnhallen der Schulen sind nur als Verein möglich», erklärt Daniel Mahler die Gründung des Karateclubs. In der 1000-Seelen-Gemeinde trainiert der KC Rickenbach jeweils dienstags und freitags. Am Mittwoch findet zudem eine Einheit in Aarburg statt. «Wir nehmen Kids ab dem achten Altersjahr», so Mahler.

Der Mitgliederbeitrag pro Jahr beträgt je nach Alter zwischen 300 und 520 Franken. «Karate ist kein billiger Sport», unterstreicht der Präsident und verweist darauf, dass sein Trainingsanzug knapp 200 und der Wettkampfanzug gar um die 400 Franken koste.

Kein Risiko, aber blaue Flecken

Zu Beginn des Trainings knien alle Karatekas nebeneinander in einer Reihe und meditieren. «Um die Alltagsprobleme vor der Tür zu lassen», erklärt Mahler den Sinn des ruhigen Auftakts in die Lektion. Diese Übung wird am Ende des Trainings wiederholt. Denn alles, was im Dojo passiert, soll auch dortbleiben. Verletzungen oder ähnliche Zwischenfälle kämen indes selten vor.

«Vollkontakt gibt es bei uns praktisch nie», erläutert Mahler. «Das wäre vor allem bei den Jungen zu gefährlich, da sie ihre Schläge noch nicht richtig kontrollieren können.» Alle Übungen zu zweit seien vorher abgesprochen, um ein richtiges Heranführen an die Technik zu gewährleisten.

«Das traditionelle Karate, welches wir praktizieren, ist definitiv kein Risikosport», stellt Mahler noch einmal überspitzt klar: «Wir schlagen vor allem Luftlöcher. Der Unterschied zu Judo ist übrigens, dass die sich an den Kleidern herumreissen.» Der Karateclub Rickenbach pflegt die Stilrichtung «Shotokan», die weltweit am weitesten verbreitet ist. Grundschule, Formenübung und Kumite (der Kampf zwischen zwei Gegnern) bilden deren Schwerpunkte.

Daniel Mahler Präsident Karateclub Rickenbach: «Das traditionelle Karate, welches wir praktizieren, ist definitiv kein Risikosport.»

Daniel Mahler Präsident Karateclub Rickenbach: «Das traditionelle Karate, welches wir praktizieren, ist definitiv kein Risikosport.»

Bruno Kissling

Dass nicht «richtig» gegeneinander gekämpft wird, heisst aber nicht, dass die Karatekas zimperlich miteinander umgehen. «Wer keine blauen Flecken hat, hat nicht richtig trainiert. Das ist die Meinung von unserem Dojoleiter», sagt Mahler schmunzelnd.

Auf dem Sprung ins Nationalteam

Mittlerweile ist mehr als die Hälfte des Trainings passé. Nach dem gemeinsamen Üben der Grundtechniken werden diese nun in kleineren Gruppen angewandt. Alle Angriffe und Konter sind abgesprochen. Auffallend ist, dass nur zwei Frauen mittrainieren. Eine ist Michèle Dullinger. Karate sei eine Männerdomäne, dies störe sie aber nicht.

«Ich sehe die anderen alle als Frauen», neckt sie. «Es wäre cool, wenn noch mehr Frauen dabei wären. Viele haben wohl Hemmungen, mit Karate anzufangen, weil es halt doch ein harter Sport ist.»

Michèle Dullinger: «Es wäre cool, wenn noch mehr Frauen dabei wären.»

Michèle Dullinger: «Es wäre cool, wenn noch mehr Frauen dabei wären.»

Bruno Kissling

Die aktuell grösste Nachwuchshoffnung des KC Rickenbach ist Lorenzo Lansini. Der 16-jährige Egerkinger wurde im November Junioren-Schweizer-Meister des SKISF-Verbands. «Karate macht extrem Spass und mich reizt es auch, weil es eine Sportart ist, die nicht jeder ausübt», sagt er und schickt gleich sein nächstes Ziel hinterher: «Ich will den Sprung ins Nationalteam schaffen.»

Lorenzo Lansini: «Ich will den Sprung ins Schweizer Nationalteam schaffen.»

Lorenzo Lansini: «Ich will den Sprung ins Schweizer Nationalteam schaffen.»

Bruno Kissling

Laut Präsident Daniel Mahler kein Problem: «Das packt er, so viele Titel wie er schon gewonnen hat. Doch beim Karate brauchts viel Durchhaltewillen. Wir bieten das Wissen und lehren die richtigen Techniken. Jeder ist aber selber verantwortlich, was er davon mitnimmt.»

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