Eishockey 2. Liga

«Wir müssen wieder lernen, zu verlieren»

Bruno Hebeisen ist seit 34 Meisterschaftsspielen Headcoach bei Zuchwil Regio und noch immer ungeschlagen.

Bruno Hebeisen ist seit 34 Meisterschaftsspielen Headcoach bei Zuchwil Regio und noch immer ungeschlagen.

Ohne eine einzige Niederlage marschierte der EHC Zuchwil Regio in den vergangenen beiden Jahren von der 4. Liga in die 2. Liga durch. «Dort pfeift ein ganz anderer Wind», sagt Trainer Bruno Hebeisen vor dem Saisonstart.

Nach zwei Aufstiegen in Serie ist der EHC Zuchwil Regio endlich dort angekommen, wo er vor gut zwei Jahren hin wollte. Trotz des gewonnenen Meistertitels in der 1. Liga Zentralschweiz zog sich «Zuchu» am Ende der Spielzeit 2017/18 freiwillig aus der 1. Liga zurück. Weil diese von drei auf zwei Gruppen verkleinert wurde, hätte sich der Aufwand für den Klub deutlich vergrössert, insbesondere was die Auswärtsfahrten betrifft. Doch den Plan, freiwillig in die 2. Liga abzusteigen, hiess der Verband nicht gut. Der EHC Zuchwil Regio musste stattdessen in der 4. Liga einen neuen Anlauf nehmen.

Der Klub nutzte diese Situation für den Neuaufbau der ersten Mannschaft. Mit einem frischen Trainer an der Bande und einem praktisch komplett neuen Team mischte Zuchwil Regio in der Saison 2018/19 die 4. Liga auf. 14 Siege in 14 Spielen, 196 erzielte Tore und nur 15 Gegentreffer – mit äusserst dominanten Auftritten schaffte das Team von Bruno Hebeisen die Promotion für die 3. Liga. Dort reihten die Zuchwiler in der Qualifikation wiederum 14 Erfolge aneinander. In den Playoffs liessen sie fünf weitere Siege folgen, dazu ein Unentschieden in den Halbfinals gegen die Argovia Stars. Damit war der zweite Aufstieg in Folge Tatsache.

Letztmals in Sierre vor über 1700 Zuschauern verloren

Am Samstag, wenn die neue Saison beginnt, ist Zuchwils letzte Niederlage genau 926 Tage her. Sie datiert vom 29. März 2018, als der EHCZR in der Meisterrunde der 1. Liga beim HC ­Sierre vor 1759 Zuschauern mit 3:4 unterlag. Die lange Ungeschlagenheit ist beim Trainer und seiner Mannschaft allerdings kein Thema mehr. «Wir müssen jetzt wieder lernen, zu verlieren», sagt Bruno Hebeisen. «Die Niederlagen werden kommen, denn in der 2. Liga pfeift ein ganz anderer Wind.» Locker durchzumarschieren liege diese Saison nicht mehr drin, dies zeigten auch die Testspiele. Gegen den Ligakonkurrenten Zunzgen-Sissach verlor Zuchwil Regio gleich mit 2:9. «Wir kamen unter die Räder und wurden teilweise vorgeführt», blickt er zurück.

Vier neue Spieler stiessen im Sommer zum Team: Goalie Jean Luc Chéhab (vom EHC Bucheggberg), die beiden Offensivspieler Fabian Schertenleib (SC Lyss II) und Dieter Wirth (HC Münchenbuchsee-Moosseedorf) sowie Verteidiger Yannic Schlup (SC Lyss II). «Ich bin sehr zufrieden mit dem Kader. Wir konnten uns gegenüber der vergangenen Saison verstärken», kommentiert Hebeisen die Transfers. Gerne hätte er noch einen Knipser geholt. «Ein stämmiger, ehemaliger 1.-Liga-Spieler, der vorangeht – das fehlt uns noch. Den findet man aber nicht auf die Schnelle», führt er aus. Er ist überzeugt, dass andere Spieler in die Bresche springen werden: «Jetzt müssen halt die anderen Spieler noch mehr machen. Wir haben ein 23-Mann-Kader. Der Konkurrenzkampf im Team ist sehr gross.» Er werde schwierige Entscheide treffen müssen, insbesondere, wenn er sich dafür entschliesse, nur mit drei statt vier Linien zu operieren.

Neuer Goalietrainer ist wie ein Lottogewinn

Der EHC Zuchwil Regio hat auf die neue Saison hin auch seinen Staff erweitert. Zusammen mit Sohn Jean Luc stiess Jean-­Claude Chéhab zum Klub. Der langjährige Goalie beim SC Langenthal fungiert bei Zuchwil Regio neu als Torhütertrainer. «Dass wir einen so erfahrenen Mann verpflichten konnten, ist für uns wie ein Sechser im Lotto», freut sich Hebeisen. «Ich denke, dass sich seine Arbeit für uns in dieser Saison bezahlt machen wird. Er wird unsere Goalies sicher weiterbringen. Das ist wichtig, denn ich als Trainer habe gar nicht genug Zeit, individuell mit den Torhütern zu arbeiten und sie richtig zu fördern.»

Bruno Hebeisen steigt am Samstag in seine dritte Saison als Trainer des EHC Zuchwil Regio. Zum Start wartet das Derby gegen den Lieblingsgegner EHC Bucheggberg, der ebenfalls im Sportzentrum Zuchwil trainiert und auch seine Spiele dort austrägt. Es herrsche eine gesunde Rivalität zwischen den Klubs, sagt Hebeisen: «Sie haben viele Zuchwiler im Kader, die schon bei uns gespielt haben. Ich erwarte einen guten Match, einen harten Match. Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen.»

Waren die beiden Aufstiege in den vergangenen zwei Jahren jeweils eine Pflichtübung, sieht der 52-Jährige seine Mannschaft in der 2. Liga nun klar in der Rolle des Aussenseiters. Vor allem auch was das Startspiel gegen den EHC Bucheggberg betrifft: «Sie sind schon viel länger in der 2. Liga als wir. Wir sind der Aufsteiger und Bucheggberg daher der Favorit, da müssen wir realistisch sein.» Gut möglich also, dass die über zweieinhalbjährige Ungeschlagenheit des EHC Zuchwil Regio bereits am Samstag im Auftaktspiel endet.

«Ich nehme an, dass meine Spieler gut damit umgehen können, wenn dann tatsächlich die erste Niederlage eintrifft», sagt Hebeisen. «Ich versuche, es ihnen vorzuleben. Das beginnt schon mit der richtigen Einstellung vor dem Spiel. Wir können nicht mehr mit dem Gedanken aufs Eis gehen, dass wir sowieso gewinnen, auch wenn wir mal schlecht spielen.» Nachdem der EHC Zuchwil Regio in den vergangenen zwei Saisons in der 4. und 3. Liga durchgehend auf Platz eins stand, werde man den Klub diese Saison weiter hinten in der Tabelle finden, mutmasst Hebeisen: «Es wird ein Lehrjahr für uns. Wir wollen uns im Mittelfeld der 2. Liga etablieren.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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