Der erste sogenannte Wings For Life World Run wird eine ganz spezielle Herausforderung für die Organisatoren als auch die Teilnehmer. Auf sie alle wartet ein Rennen, dessen Länge nicht in Kilometern angegeben, sondern durch den nahenden Catcher Car bestimmt wird.

Eine halbe Stunde nach den Läufern verlässt der Wagen die Dreitannenstadt und macht sich, mit zunehmender Pace, auf die Verfolgung der Athleten. «Als Läufer ist man normalerweise Kilometer-fixiert», weiss Renndirektor Corsin Caluori aus eigener Erfahrung, «bei dieser Form hingegen hat man etwas im Nacken – das ist ziemlich eklig.»

Der bekannte Multisport-Athlet nennt es «eine völlig andere Art des Laufens», welche für die meisten zwischen 20 und 25 Kilometern zu Ende sein werde. «Wir haben zwar eine Strecke von 100 Kilometern Länge vorbereitet, doch das wird ganz bestimmt niemand schaffen», so Caluori.

Röthlin mit Freude dabei

Während in Italien der Weltrekordhalter über die 100 km höchstpersönlich die Marke von 85 Kilometern anvisiert, geht Caluori in der Schweiz von bestenfalls 65 zurückgelegten Kilometern aus – bevor der Catcher Car den letzten Läufer einholt. Bereits zum Erreichen der Marathon-Distanz (Höhe Rothrist) bedarf es einer ausgezeichneten Fitness: Wer die 42,195 km nicht innerhalb von 3:08 Stunden schafft, muss sich bereits früher dem Tempomacher beugen.

An jener Marke orientiert sich übrigens auch Viktor Röthlin. Am 4. Mai als Botschafter unterwegs, baut er den World Run in sein Training ein. «Ich möchte mein letztes Jahr als Profi dazu nutzen, bei diesem speziellen Rennen mitzumachen», so der 39-jährige Marathon-Spezialist. Würde er «all-out» laufen, so käme er wohl nahe an die 80-km-Marke, so der Nidwaldner, doch das liegt nicht drin: «Das wäre, im Hinblick auf den EM-Marathon im August, wohl suboptimal.» Eine gute Möglichkeit also, legte er augenzwinkernd nach, als Hobbyläufer in einer Rangliste einmal vor Viktor Röthlin aufzutauchen.

Keller als prominenter Botschafter

Als weiterer Botschafter wirkt auch Ronny Keller mit am 1. Wings For Life World Run. Seit dem tragischen Unfall im letztjährigen Playoff-Halbfinal zwischen dem EHC Olten und Langenthal querschnittgelähmt, verkörpert er sozusagen die Zielgruppe des Anlasses, welche die Heilung von Rückenmarkverletzungen anstrebt.

«Ich bin fest davon überzeugt, dass das einst möglich sein wird. Ich weiss aber nicht, ob ich das noch erlebe», hat der ehemalige Eishockeyaner die Hoffnung auf eine Heilung noch nicht aufgegeben. «Irgendwann wird es möglich sein, das zeigen die Testresultate. Die Verbindung kann man wieder herstellen, allein, im Rückenmark hat man das noch nicht geschafft.»

Stadtrat mobilisiert Politiker

Bezüglich seiner sportlichen Zukunft befinde er sich noch in einer «Findungsphase» um herauszufinden, was möglich ist und gleichzeitig Spass macht. «Badminton könnte ich mir vorstellen, Tennis – oder auch Tauchen. Ob ich aber jemals wieder wettkampfmässig Sport treiben werde, wird sich noch zeigen.» Zugegen an der Presseorientierung war mit Benvenuto Savoldelli auch ein Oltner Stadtrat.

Natürlich wolle er den einen oder anderen Amtskollegen zu einer Teilnahme überreden, und nicht nur das: Als VR-Präsident des EHC Olten nahm er gleich auch seine Spieler in die Pflicht: «All jene, die nicht bereits in den Ferien weilen, werden an diesem Anlass teilnehmen.»