Etwas mehr als 59 Minuten sind gespielt, als die endgültige Entscheidung im Unihockey Schweizer Cup Halbfinal fällt – Manuel Hummer trifft ins verlassene Tor zum 8:5. Titelverteidiger Wiler hatte zu diesem Zeitpunkt Torhüter Wolf längst gegen einen sechsten Feldspieler eingetauscht. Aber weder dies, noch das Timeout von Trainer Schönbeck (57:52) nützte an diesem Abend etwas. Zum Schluss musste anerkannt werden, dass Alligator in dem Moment schlicht und einfach die effizientere und vor allem fittere Mannschaft war. Auch wenn sämtliche Akteure von Wiler in die Turnhalle Lust mitreisten – die Folgen der jüngsten Grippewelle waren allgegenwärtig.

Dabei fing alles so gut an: Bereits in der sechsten Minute gingen die Gäste in Überzahl in Führung. Nach perfekter Vorarbeit von Captain Matthias Hofbauer traf Patrick Mendelin in Überzahl zum 1:0. Dass die Spritzigkeit im Spiel der Berner fehlte, war in der Folge aber schnell sichtbar. So erstaunte wenig, dass die Bündner die Partie innert Kürze drehten und der Spielstand nach erstmaligem Ertönen der Sirene 2:1 lautete. Zum Rückstand kam hinzu, dass Leistungsträger Simon Bichsel, Verteidiger der ersten Linie, bereits nach zehn Minuten verletzt ausfiel.

Start verschlafen

Den Start in den zweiten Abschnitt verschlief Wiler-Ersigen dann auf der ganzen Linie. Wiederum dauerte es nur knapp drei Minuten, bis Alligator den Ball gleich zweimal in den Maschen versenkt hatte. Wer jetzt dachte, das 4:1 wäre für die angeschlagenen Berner der K.-o.-Schlag, wurde eines besseren belehrt. Die 37. Minute wurde geschrieben, als Adrian Zimmermann nach Vorlage von Topskorer Rosén zum 4:4-Ausgleich traf. Doch Euphorie wollte in den Reihen der Berner gleichwohl keine ausbrechen. Vielleicht auch ein Symptom der vorherrschenden Angeschlagenheit.

Besser einfacher und geradliniger

Die Entscheidung musste also im Schlussdrittel fallen. Und wiederum gelang den Bündnern ein Traumstart. Bis zur 50. Minute trafen die Gastgeber gleich zweifach. 4:6 – die havarierte Wiler-Truppe versuchte, ein letztes Mal ihre Kräfte zu mobilisieren. Chancen gab es in der Folge am Laufmeter, aber: «In der Offensive waren wir heute schon fast impotent. Wir hätten einfacher und geradliniger agieren müssen», erklärt Headcoach Schönbeck und trifft damit die Ursache des Ausscheidens auf den Kopf.

Vorne muss mehr kommen

Zwar kamen die Gäste noch zum 5:6-Anschlusstreffer heran, mehr lag allerdings nicht mehr drin – die Kraft für einen finalen Exploit fehlte. Ein perfekt vorgetragener Konter, der in der 58. Minute zum 7:5 führte, brach der Schönbeck-Truppe endgültig das Genick. «Die Enttäuschung ist riesig. Es ist sehr schade, dass wir jetzt nun nur noch in einem Wettbewerb die Chance auf den Titel haben.» Wenigstens in der NLA liegt Wiler zurzeit deutlich vor Malans. Aber um ernsthaft um den Schweizermeister-Titel mitreden zu können, braucht es gemäss Schönbeck in der Offensive eine Steigerung. Eine Aussage, die kaum zu überraschen vermag.