Es ist das Tor des Abends. Kurz vor Mitte der Partie schnappt sich Langnaus 24-jähriger Finne Joonas Pylsy vor dem eigenen Gehäuse den Ball, führt diesen über das gesamte Spielfeld spazieren und düpiert auch noch Wilers Goalie Nicolas Wolf zum zwischenzeitlichen 4:2 aus Langnauer Sicht. Ein Treffer wie ein Gedicht. Aber auch die Vorentscheidung? Ein Grund zum «Gränne» für Wiler? Denkste!

Denn nun waren die ersatzgeschwächten Gastgeber (ohne Olofsson und Christoph Hofbauer angetreten) erst richtig wach. Und nützte eine Schwächephase von Langnaus bis dahin untadeligem Goalie Jürg Siegenthaler (feierte am Tag vor der Partie seinen 25. Geburtstag) aus.

Dank Treffern von Adrian Zimmermann (45 Sekunden nach dem 2:4), Gerber und Väänänen drehte Wiler die verrückte Partie und ging mit einer 5:4-Führung in die zweite Pause. Da steppte in der Halle nicht nur Wilers haariges Maskottchen.

Emotionen en masse

Im dritten Abschnitt lieferten sich beide Teams einen regelrechten Abnützungskampf. Dies sehr zur Freude der 614 Fans. Es wurde um jeden Zentimeter gekämpft. Mit ihrem gehässigen Infight hatten es Langnaus Pylsy und Wilers Witter jedoch übertrieben – je zwei Strafminuten für die beiden Streithähne nach 47 Minuten.

Schliesslich rettete Wiler den Vorsprung verdientermassen, aber nicht ohne Glück, über die Zeit. Das Ref-Duo versagte Langnaus vermeintlichem Ausgleich zum 5:5 in der Schlusssekunde die Anerkennung.

Schönbeck: «Waren arrogant»

Wilers Trainer Johann Schönbeck freute sich nach dem Schlusspfiff zwar über den Sieg. «Aber einige Sachen haben mir gar nicht gefallen. Wir agierten phasenweise richtig arrogant und haben das Spiel immer wieder aus den Händen gegeben. Das war unnötig.»

Von Nachwehen und Ehrungen

Der Ärger bei Schweizer Meister Wiler-Ersigen nach dem abrupten Out im Champions Cup (4:7 im Halbfinal gegen die Finnen aus Happee) hallte auch gestern noch leicht nach. Sportchef Marcel Siegenthaler passte gar nicht, «dass wir in der Woche nach einem internationalen Turnier wieder spielen müssen. Und dann gleich zweimal.»

Gestern das Heimspiel gegen Langnau, morgen auswärts gegen Grünenmatt (20 Uhr, Sumiswald). Das vergangene Wochenende hielt für den Schweizer Meister jedoch auch Erfreuliches bereit: Der 28-jährige Schwede Isaac Rosén wurde als wertvollster Spieler (MVP) der vergangenen Saison ausgezeichnet, Johan Schönbeck als bester Trainer.