Gemessen an den zwei vorausgehenden Begegnungen zwischen Wiler und den Kloten-Bülach Jets kam das 5:1 nach dem Startdrittel im ersten Playoff-Viertelfinal zwischen den Platzherren und den Zürcher Unterländern statistisch der Vorentscheidung gleich. Die Zürcher hatten einmal 4:8 und einmal 3:10 verloren. Wie also sollten sie jetzt, nach diesem totalen Fehlstart, mindestens sechs Tore erzielen, um das Blatt noch zu wenden? Antwort: In dem Wiler freiwillig zwei Gänge runterschaltete und durch Strafen einen ohnehin nicht mehr sehr viel Adrenalin fördernden Rhythmus noch regelmässig bricht. «Wir haben völlig den Faden verloren und es dem Gegner nach dem Superstart viel zu einfach gemacht. Unglaublich einfach...», sagte Wiler-Coach Johan Schönbeck.

Neben dem Car der Gäste loderte vor dem Match eine finnische Kerze. Nicht, weil die drei Jets-Finnen Valtteri, Millunpalo und Vapaniemi alle Geburtstag gefeiert hätten, nein. Der gespaltene Baumstamm brutzelte da als Symbol für das Feuer, die Leidenschaft und den bedingungslosen Einsatz, mit dem die Underdogs in dieser Playoff-Serie gegen die Berner anzukämpfen gewillt sind. Ein Feuer, das eine tragende Rolle spielen sollte.

Aufgehört zu spielen

Das Geschehen glich sich nach dem einseitigen Beginn zusehends aus. Dass der Favorit die Partie jedoch, trotz dem Schongang, noch aus der Hand geben würde, das schien dann doch etwas gar Science Fiction. Aber: Wiler tat viel zu wenig, um die Sache klar zu machen. Viel zu wenig, um zu zeigen, wer da Herr im Haus und in dieser Serie ist. Und in dem Sinn auch viel zu wenig, um den Topstart in eine Macht-Demonstration umzuwandeln. «Wir sind viel zu passiv geworden ab dem zweiten Drittel», so Schönbeck. Und das lag wahrlich nicht an den zwei wichtigen Spielern, auf die die Gastgeber verzichten mussten. Captain Matthias Hofbauer plagt eine Bauchmuskelzerrung und den finnischen Topverteidiger Väänänen ein Magen-Darm-Infekt.

Aufgehört zu spielen

Dass sich die Partie schliesslich effektiv zugunsten der Gäste wendete, lag primär daran, dass Wiler nach dem ersten Drittel förmlich aufgehört hatte zu spielen. Ganz nach dem Motto «Wir schaukeln das Kind schon heim». «Man habe dem Gegner das Gefühl gegeben, dass er den Ball nur noch auf unser Tor bringen müsse, um zu Toren zu kommen, konstatierte der schwedische Wiler-Trainer. Und das nicht etwa, weil sein Goalie schwach gewesen wären – «im Gegenteil.» Aber was will ein Schlussmann machen, wenn sich plötzlich aus dem Nichts ein Verkehrschaos vor ihm entwickelt. Kloten-Bülach witterte von Minute zu Minute sauerstoffreichere Morgenluft. Die finnische Kerze im Innern der Gäste begann neu zu lodern. Erst recht nach einem Doppelschlag zu Beginn des Schlussdrittels. Sturzenegger und Fischer trafen innert 23 Sekunden und verkürzten auf 4:6. Und als Fischer gar der Anschlusstreffer gelang war Wiler endgültig abgemeldet.

Kloten-Coach auf der «Strafbank»

Nach 55 Minuten und 36 Sekunden war es der finnische Topskorer auf Seiten der Zürcher, Matti Vapaniemi, der das einst unmöglich scheinende Realität werden liess und den 6:6-Ausgleich erzielte. Moralischer Sieger war in dem Moment Kloten-Bülach – egal, was noch kommen sollte. Wiler hatte einen sicher geglaubten Sieg, ein Spiel, das es nie und nimmer mehr hätte aus der Hand geben dürfen, fahrlässig und pomadig verspielt. So bedurfte es schliesslich eines unsportlichen Verhalten seitens des Trainers der Gäste, Daniel Meier, damit Wiler drei Minuten vor Schluss noch einmal zu einem Powerplay kam. Patrick Mendelin nutzt es zum 7:6-Siegtreffer. «Ein komischer Sieg», hält Johan Schönbeck fest. «Aber immerhin ein Sieg – und nur das zählt in den Playoffs.»