Unihockey
Wiler-Ersigens Spieler griffen für den Champions Cup selbst in die Tasche

Unihockey-Meister Wiler-Ersigen bestreitet ab morgen Mittwoch in Schweden den Champions Cup. Um die Reise zu finanzieren, mussten die Spieler für einen Teil selbst aufkommen.

Daniel Weissenbrunner
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Wie voll sind die Batterien von Larsson (M.) und seinem Wiler vor dem Champions Cup noch?

Wie voll sind die Batterien von Larsson (M.) und seinem Wiler vor dem Champions Cup noch?

Marcel Bieri

Der Vergleich hinkt, aber er sei dennoch erlaubt. Lionel Messi hat mit Barcelona den Einzug in den Champions League-Final geschafft. Zwei Tage vor dem Endspiel bestreiten die Katalanen noch eine Cup-Partie und reisen erst 24 Stunden vor dem Saisonhöhepunkt an den Austragungsort des Endspiels. Damit Messi überhaupt am Final teilnehmen kann, müssen er und seine Teamkollegen 10 000 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen, der Verein legt weitere 20 000 Franken drauf.

Undenkbar? Im Fussball ja, im Unihockey harte Realität. Ab morgen bestreitet Wiler-Ersigen den Champions Cup im schwedischen Umeå. In den Gruppenspielen trifft der Schweizer Meister morgen Mittwoch (17 Uhr) auf Dalen (Swe) und am Donnerstag (14 Uhr) auf den finnischen Vertreter SPV Sejnäjoki. Für die Mannschaft von Trainer Heikki Luukkonen wird die Reise zum Turnier der Champions zu einer Reise an die Schmerzgrenze. Finanziell und sportlich. Der einzige Schweizer Europa-Cupsieger (2005) lässt sich das Kräftemessen mit den besten Teams einiges kosten. «Hätten die Spieler nicht einen Teil des Aufwandes übernommen, hätten wir auf eine Teilnahme verzichtet», stellt Kommunikationschef Marcel Siegenthaler klar.

Harte Kritik am Verband

Die Belastungen sind nicht nur wirtschaftlich hoch. Die Berner bestreiten innerhalb von 16 Tagen, mit Meisterschaft, Cup und Champions Cup, sieben Partien. Die Strapazen haben ihre Spuren bereits hinterlassen. Mehrere Spieler sind angeschlagen. Torhüter Daniel Streit und Stürmer Kaspar Schmocker plagen Fussverletzungen, Michael Garnier laboriert an einer Oberschenkblessur. Marcel Siegenthaler bringt für die Terminlegung seitens der Liga wenig Verständnis auf. «Eine ideale Turniervorbereitung sieht in der Tat anders aus. Eigentlich gäbe es nur eine Antwort: Verzicht auf das Turnier.» Siegenthaler geht mit den Verantwortlichen hart ins Gericht. « Es gibt zwar immer mehr Sportkommissionen oder Koordinatoren innerhalb des Verbandes, aber die Matrix ist unüberschaubar. Niemand weiss so recht, wer eigentlich für diese Planung zuständig ist.»

Sport soll im Vordergrund stehen

Trainer Heikki Luukkonen pflichtet Siegenthaler grundsätzlich bei, der zurückhaltende Finne vermeidet es aber, sich in die sportpolitsche Belange einzumischen. «Für mich geht es darum, aus den Rahmenbedingungen das Beste herauszuholen.» Luukkonen erachtet es sportlich sinnvoll, dass seine Mannschaft in Schweden dabei ist. «Für unsere Entwicklung sind Vergleiche mit den besten Teams von unbezahlbarem Wert.» Es gehe jetzt darum, in der Planung clevere Entscheide zu treffen. Eine davon betrifft die dosierten Einsätze. Luukkonen rotiert seit Saisonbeginn sein Team gehörig durcheinander, um die Spieler so gut wie möglich zu entlasten. Am Wochenende gönnte er beispielsweise den Gebrüdern Hofbauer eine Pause.

Der schwierigen Ausgangslage zum Trotz glaubt Luukkonnen an ein erfolgreiches Abschneiden. «Wir reisen sicherlich nicht nach Schweden, um nur dabei zu sein. Wir wollen den Europacup gewinnen.» Ob die Energiereserven dazu ausreichen, wird sich morgen gegen Dalen zeigen. Wollen Luukkonen und sein Team bei der Vergabe des Pokals ein Wort mitreden, wäre ein Auftaktsieg schon fast Pflicht.

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