Der Fahrplan der Vereinsleitung sah anders aus: Wiler-Ersigen dürfte nicht dort stehen, wo die Mannschaft momentan platziert ist. Der achtfache Schweizer Meister liegt nach einem Viertel der Meisterschaft mit vier Punkten Vorsprung an der Spitze und steht nach dem 8:5-Sieg am Sonntag gegen die Kloten-Bülach Jets zudem in den Cup-Viertelfinals. Bis vor kurzem hatten solche Meldungen höchstens den Wert eine Randnotiz. Nicht so in dieser Saison.

Vom Hochrisiko-Unihockey zum Pragmatismus

Das frühe Ausscheiden in den letzten Playoffs rüttelte die erfolgsverwöhnten Emmentaler mit Zuchwiler Domizil kräftig durch. Die Mannschaft war nicht in der Lage, die Ideen von Trainer Heikki Luukkonen umzusetzen. Das Experiment mit dem Finnen erlitt Schiffbruch.

Eine Ära mit sechs Meistertiteln in Folge ging jäh zu Ende und liess die Verantwortlichen zur Umkehr bewegen. Weg vom Hochgeschwindigkeits- und Hochrisiko-Unihockey, hin zum Pragmatismus.

Über neuen Trainer zu alter Stärke

Mit dem neuen Trainer, dem Schweden Johan Schönbeck sind die Grünweissen drauf und dran, zu alter Stärke zurück zu finden. Wiler-Ersigen verfügt über ein erstklassig bestücktes Kader und hat – trotz der gewichtigen Abgänge von Kaspar Schmocker, Lukas Meister oder Esa Jussila und dem Rücktritt von Torhüter Daniel Streit – an Substanz dazugewonnen.

Neuzugänge erweisen sich als Glücksgriffe

Die Eingewöhnungszeit der Mannschaft mit dem Trainer verläuft reibungsloser als erwartet. Massgeblichen Anteil am stabilen Gefüge haben Isaac Rosén und Tatu Väänänen. Mit den Verpflichtungen der skandinavischen Ausnahmekönner gelangen dem Verein gleich zwei Glücksgriffe. Rosén und Väänänen bestechen nicht nur mir ihrer individuellen Klasse, sondern auch mit ihrer Präsenz neben dem Feld. Damit lässt sich auch die verletzungsbedingte Absenz von Christoph Hofbauer besser verkraften. Der Nationalmannschaftsstürmer laboriert an einer hartnäckigen Sprunggelenksverletzung. Seine Rückkehr ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Meisterschaft gewinnt man im Winter

Abgesehen von Hofbauers Ausfall sind bei Johan Schönbeck momentan nur wenige Sorgenfalten auszumachen. Rosén ist Liga-Topskorer, sein Team erzielt die meisten Tore und die Defensive gewinnt zusehends an Sicherheit. Mit durchschnittlich 3,8 Gegentoren konnte der Wert von sechs Gegentreffern pro Partie aus der letzten Spielzeit markant gesenkt werden. Für die Gegner sind das beunruhigende Signale.

Wiler-Ersigen selbst tut aber gut daran, den geglückten Start nicht überzubewerten. Eine Schwalbe macht auch im Unihockey noch keinen Sommer. Die Meisterschaft gewinnt man – so die lapidare Regel – nicht im Herbst, sondern im Winter, wenn es in die entscheidende Phase geht.

Einen kleinen Vorgeschmack erhalten die Wiler-Fans dennoch bereits am Mittwoch. Rychenberg Winterthur gastiert in Kirchberger Grossmatthalle. Jenes Team also, das dem Serienmeister in den Playoffs eine der bittersten Niederlagen zugefügt hatte.