Mit grossem Applaus willkommen geheissen, mit verächtlichen Buh-Rufen davongejagt und mit einem Trümmerfeld als Hinterlassenschaft – das Engagement von ausländischen Investoren im Schweizer Fussball lief in den letzten Jahren mit grosser Zuverlässigkeit nach diesem Schema ab. Auch in Grenchen gab es am Freitagabend an der ausserordentlichen Generalversammlung Applaus, als die aus Frankreich stammenden Investoren ihr Projekt vorstellten und damit auf beinahe uneingeschränkte Zustimmung trafen.

«Das ist das Beste, was dem Verein passieren konnte. Schreiben Sie das ruhig in der Zeitung», sagte ein alteingesessenes Klubmitglied, das als Spieler noch die Glanzzeiten des Vereins in der NLA miterlebt hatte. Andere Stimmen in der Stadt malen dagegen ein düsteres Bild von der Zukunft des FCG, wie Paul Kocher zugibt. Der Geschäftsführer des Klubs enerviert sich ab solcherlei Vorverurteilungen. Schlecht reden, sei immer ein einfaches Rezept, einer Sache Kredit geben, falle hingegen vielen Leuten ungleich schwerer.

«Vögeli friss oder stirb», nannte ein Kenner der regionalen Fussballszene die Auswahlmöglichkeit, welche dem FCG für die Zukunft blieb. Dennoch sieht der Verein die gewählte Variante nicht einfach als eine Notlösung. Kocher ist überzeugt, dass man den Investoren und deren Plänen trauen kann. Er habe das Projekt nach anfänglicher Ablehnung bei der ersten Kontaktaufnahme von Alain Marie im Spätherbst näher geprüft und in vielen Gesprächen das gegenseitige Vertrauen aufgebaut.

Kocher übernimmt volle Verantwortung

«Ich bin bereit, die Verantwortung dafür zu tragen», sagt Kocher. Und er sagt, dass er in den Verhandlungen zusätzliche Sicherheiten für den Verein eingebaut habe. So sei zum Beispiel zuerst gar nicht geplant gewesen, dass die Investoren auch die finanzielle Verantwortung für die erste Mannschaft übernehmen. Im Vordergrund stand immer der Aufbau einer Fussball-Akademie im Nachwuchs. «Aber jetzt hat der Verein null Risiko, denn die Verträge der ersten Mannschaft laufen alle über die Investorengruppe. Und die haben als Vertreter der Spielergewerkschaft einen Ruf zu verlieren. Die können es sich gar nicht leisten, diese Verträge nicht einzuhalten», sagt Kocher.

In der Vergangenheit ist man nicht überall zum gleichen Schluss gekommen. Vor knapp zehn Jahren gab es eine kurze Zusammenarbeit zwischen Alain Marie und der SR Delémont, die damals noch in der Challenge League spielte. «Marie wollte den Klub kaufen, aber das war keine seriöse Sache», sagt Delémont-Geschäftsführer Patrick Mathez.

Kein arbarbischer Scheich

Was ist denn die Motivation der Investoren, beim FC Grenchen einzusteigen? Najib Melhi, der erstmals überhaupt in der Schweiz weilt, sagt: «Wir wollen dem Verein helfen. Er hat eine grosse Vergangenheit, ein gutes Stadion und eine hervorragende Nachwuchsförderung und spielt dennoch nur in der vierthöchsten Liga. Wir sehen hier Potenzial.» Er sei kein arabischer Scheich, der mit Millionen um sich werfen könne, «aber wenn wir in der Akademie gute Arbeit liefern, dann kann sich in Grenchen etwas sehr Positives entwickeln.» Vom möglichen finanziellen Nutzen für die Investoren will er nichts wissen. «Das sind alles Personen mit Leidenschaft für den Fussball. Ein finanzieller Gewinn steht für sie nicht im Vordergrund», sagt Melhi.

Konkreter zur Frage nach der Gegenleistung des Klubs wird Paul Kocher. Der Aufbau, die Etablierung und eine Expansion der Akademie mit dem Namen «III S – Swiss Sport Strategy» stehe im Vordergrund. «Zudem gehen allfällige Transfererlöse für Spieler, die es in eine höhere Liga schaffen, in die Kasse der Investoren.»