Wenn die Hornusser der HG Recherswil-Kriegstetten die HG Höchstetten zum Meisterschaftsspiel empfangen, hat das auf den Fussball übertragen etwas von einem Champions-League-Final. Ein Aufeinandertreffen von Real Madrid und Bayern München. Einem Match zwischen zwei der besten Teams der Welt innerhalb ihrer Sportart. Der Spitzenkampf der viertletzten NLA-Runde endete letztlich mit einem klaren Sieg des amtierenden Meisters aus Höchstetten. Die Gäste, die nur wenige Kilometer vom Heim-«Bitz» des Schweizer Meisters von 2012, Recherswil-Kriegstetten, daheim sind, behielten am Ende nach einem starken dritten und vierten Ries mit 0 Nummern und 1236 Schlagpunkte gegenüber 1 Nummer und 1159 Schlagpunkten klar die Oberhand.

Höchstetten auf dem Weg zur Titelverteidigung

Für Stefan Huber, den Spielführer der Höchstetter, äusserst erfreulich: «Wenn wir verloren hätten, wäre es sehr schwierig geworden, den Titel zu verteidigen – so aber bleiben die Chancen intakt.» Drei Runden vor Schluss liegt Höchstetten weiterhin in Führung. Und: «Wenn wir jetzt ohne Nummer durchkommen», hält Huber fest, «dann sieht es sehr gut aus.» Vom Schlagpotenzial her haben die drei verbleibenden Gegner – Urtenen, Utzigen und Schüpbach – in der Regel kein Brot.

Eigentlich wollten wir Druck aufbauen, stattdessen haben wir den Gegner förmlich zum Freistoss eingeladen», analysierte Bernhard Salzmann von Recherswil-Kriegstetten. «Es lief uns nicht nach Wunsch, nicht allein wegen der einkassierten Nummer, die einfach passieren kann», sagt der ins zürcherische Mönchaltdorf «ausgewanderte» Sohn von Berner Eltern. Der Traum vom Spitzenplatz dürfte für Recherswil-Kriegstetten damit ausgeträumt sein.

Nachdem zuletzt drei Hornusser binnen weniger Monate beim Abtun im Ries einen Nouss mit gravierenden Verletzungsfolgen ins Auge gekriegt hatten, weil sie keinen Helm trugen, interessierte die Frage, wie es denn punkto Helmtrag-Disziplin inzwischen bei einem NLA-Spitzenkampf aussieht? Antwort: Nach wie vor tragen nicht alle einen Helm: 10 bis gut 20 Prozent nehmen das Risiko, ein Auge zu verlieren, nach wie vor in Kauf. Bernhard Salzmann: «Früher war ich felsenfest davon überzeugt, jeden Nouss kommen zu sehen und von da her auf keinen Helm angewiesen zu sein.» Seit er aber, der er weit hinten im Ries abtut, viele Nousse nicht mehr sehe, trage ich immer einen Helm.» So nach dem Motto: «Wer schon die direkt anfliegenden Kunststoff-Geschosse nicht sieht, hat gegen abspritzende Nousse absolut null Chance.»

Nie mehr ohne Helm

Auch Höchstettens Spielführer Stefan Huber gehört zu jenen, die nach den bedenklich stimmenden Unfällen der letzten Monate «nie mehr ohne Helm spielen». Der 48-jährige Solothurner aus Erlinsbach hornusst seit 30 Jahren. Ein halbes Jahr davon habe er statt seiner Dächlikappe einen Helm getragen, erzählt der Projektleiter.

Er sei mit dem Plexiglas vor dem Gesicht, im wahrsten Sinn des Wortes, einfach nicht klargekommen, so der designierte Präsident des Oberaargauer Verbandes. «Ich gebe es zu, ich war einfach zu faul, das Plexi durch ein Gitter zu ersetzen.» Dies notabene im Wissen, dass jeder Hornusser irgendwann im Ries irgendwo von einem Nouss getroffen wird. Huber braucht nur seine Hose hochzukrempeln und die noch ziemlich frische «Bläuele» am Oberschenkel zu zeigen.

«Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr», sagt der Teamchef der Höchstetter. Schliesslich habe man als Verbandsfunktionär auch eine Vorbildfunktion. Wie er trügen aber auch einige seiner Teamkollegen jetzt, nachdem sich die schlimmen Augenverletzungen zuletzt summiert hatten, Helme. Irgendwann gewöhnt man sich schliesslich an fast alles – auch an ein Gitterstäbchen im Blickfeld links und rechts und einen möglicherweise etwas heisseren Kopf. Wenn dabei das sichere Augenlicht als Belohnung winkt, sollte dies eh Ansporn genug sein. Da ist eine allfällige Nummer im Ries respektive Nullnummer punkto Punkte ja nichts dagegen.