Rauschende Feste gegen die Spitzenteams La Chaux-de-Fonds, Ajoie und Langenthal. Unverständliche Niederlagen, Punktverluste und Rumpelhockey gegen die Kellerkinder Ticino Rockets, Winterthur oder EVZ Academy. Der EHC Olten bietet seinen Anhängern in dieser Saison die ganze Bandbreite – von spielerischen Klasseleistungen bis hin zum lähmenden Unvermögen.

Weshalb das so ist? Es ist letztlich nicht mehr und nicht weniger als eine Frage des Kopfs, eine Frage der Einstellung. Das mag auf den ersten Blick ärgerlich sein, aber auf den zweiten Blick ist es eben auch erklärbar.

Ein gefährlicher Cocktail

Auf der einen Seite ist es immer schwierig, mit der Rolle des klaren Favoriten umzugehen. Es wird immer ein Sieg erwartet. Dazu möglichst noch ein deutlicher (noch besser ein Stängeli!). Auf der anderen Seite steht der grosse Aussenseiter mit einer Ansammlung von jungen, hungrigen Spielern, die überhaupt nichts zu verlieren haben, sich ohne Resultatdruck völlig unbeschwert von ihrer besten Seite zeigen und für höhere Aufgaben empfehlen können. Mannschaften, die nicht nur kämpferisch alles in die Waagschale werfen, sondern die in der Regel auch taktisch sehr gut eingestellt sind.

Das ist für die favorisierte Equipe eine ganz unbequeme Kombination. Zusammen mit der vor allem auswärts trostlosen Zuschauerkulisse ist das sogar ein gefährlicher Cocktail, an dem sich übrigens nicht nur der EHCO schon kräftig verschluckt hat. Auch die anderen Spitzenteams lassen regelmässig Punkte liegen gegen diese Underdogs.

Ein wenig vom hohen Ross herunterkommen

Auch deshalb sollte man ein wenig vom hohen Ross herunterkommen und die Erwartungshaltung etwas relativieren. Wer immer noch Kantersiege gegen diese Mannschaften erwartet, lebt in einer verzerrten Realität. Wenn bei der EVZ Academy ein U20-Nationalgoalie wie Luca Hollenstein im Tor steht, dann ist das ein Spieler, der an der jüngst zu Ende gegangenen U20-WM zu den besten Goalies des Turniers und damit zu den weltbesten seines Jahrgangs gehörte. Kurz: Da steckt sehr viel Potenzial drin. Da stehen keine Hobby-Cracks auf dem Eis, sondern Spieler, die durch eine sehr gute Eishockey-Schule gegangen sind. Genau das ist ja der Zweck dieser Farmteams. Dort bilden die National-League-Klubs, unter Investition von Millionen von Franken, ihren Nachwuchs aus.

Solche Punktverluste nerven

Klar ist aber auch: von einer ambitionierten (und teuren!) Mannschaft wie derjenigen des EHC Olten darf man grundsätzlich erwarten, dass man solche Gegner in Schach halten und besiegen kann. Kommt die psychologische Komponente dazu: Solche Punktverluste nerven, sind unnötig und bringen eine völlig überflüssige, negative Dynamik in eine Meisterschaft, die für den EHCO bisher ja nach Wunsch läuft. Schliesslich ist die Mannschaft nichts weniger als Tabellenführer und damit klar auf Kurs, das erste gesteckte Saisonziel (Platz 1 oder 2 nach der Qualifikation) zu erreichen. Aber man nervt sich eben immer noch mehr über Fehlleistungen gegen die Aussenseiter als über den erfreulichen Status quo in der Rangliste.

Sieg statt makellose Bilanz

Bisher hat es die Mannschaft zum Glück geschafft, diese potenziellen «Momentum-Killer» zu überwinden. Und das ist ein sehr gutes Zeichen. Der EHC Olten hat zur Genüge bewiesen,
dass er sich gegen die Teams, die in den in etwas mehr als einem Monat beginnenden Playoffs im Kampf um den angestrebten Meistertitel vermutlich die grössten Konkurrenten sein werden, sehr gut behaupten kann. Deshalb sollte man, allem Ärger zum Trotz, das grosse Bild nicht aus den Augen verlieren. Der EHCO will das letzte Spiel der Saison gewinnen. Und nicht eine makellose Bilanz gegen die Underdogs vorweisen. Davon kann man sich nämlich überhaupt nichts kaufen.