So schnell kann es gehen: Im vergangenen Frühling räumte Simon Rytz seinen Garderobenkasten in der Bieler Tissot-Arena und zügelte zum EHC Olten. Ein paar Monate später steht er seinen ehemaligen Teamkollegen und Freunden schon wieder gegenüber, wenn der EHCO am Sonntag (16 Uhr) den EHC Biel zum Cup-Knaller im Kleinholz empfängt.

«Natürlich ist es für mich ein spezielles Spiel», sagt Rytz, fügt aber an, dass «es letztlich trotz allem ganz einfach ein normaler Match sein wird. Zumal ich ja keinerlei schlechte Gefühle gegenüber dem EHC Biel hege.»

Ein klein wenig Wehmut

Auch wenn er es nie sagen würde, so kommt beim Duell gegen seinen alten Arbeitgeber vermutlich trotzdem doch ein klein wenig Wehmut auf bei Simon Rytz. Dass er seinen Traum, in der NLA Goalie zu sein zugunsten eines «Abstiegs» in die NLB begraben hat, hat eben doch mit dem EHC Biel zu tun. Und daran ist hauptsächlich Jonas Hiller schuld.

Jonas Hiller.

Jonas Hiller.

Die Seeländer nutzten im letzten Jahr die Chance, den in die Schweiz zurückkehrenden NHL-Goalie unter Vertrag zu nehmen. Damit war aber auch klar, dass die damalige Nummer 1, Rytz, in Zukunft nur noch die zweite Geige spielen würde im Bieler Ensemble.

Das war nicht mehr die Rolle, die ihm vorgeschwebt war, als er beim EHCB einen Kontrakt bis zum Ende der Saison 2017/2018 unterschrieben hatte. «Als Jonas kam, wusste ich, dass ich eine neue Herausforderung suchen muss. Ich bin jetzt 34 Jahre alt geworden und möchte in meiner Karriere als Eishockeyspieler doch noch das eine oder andere bewegen», erklärt Rytz seine Beweggründe für den Wechsel.

Gesamtpaket stimmte nicht

Er hatte auch aus der NLA Angebote. Es gab recht konkrete Gespräche mit Ambri und mit Kloten. Aber das «Gesamtpaket» stimmte bei beiden nicht. Worauf der EHC Olten an ihn herantrat und ihm seine (Aufstiegs-)Pläne präsentierte. «Ich mag Herausforderungen», zeigte sich Simon Rytz beeindruckt von dem, was er sah und hörte.

Auch wenn der NLA-Traum platzte, so fand er je länger je mehr Gefallen an der Vorstellung, in Zukunft das Tor der Powermäuse zu hüten. «Ich mache im ersten Moment einen Schritt zurück, dafür später vielleicht zwei nach vorne», umschreibt er seinen Denkprozess.

Einen ersten Schritt nach vorne könnte er am Sonntag mit einer starken Darbietung gegen sein Ex-Klub vollziehen. Auch wenn der Optimismus aufseiten der Oltner angesichts der aktuellen Verletzungswelle nicht mehr allzu gross ist, so glaubt Rytz weiterhin daran, dass der EHCO dem A-Ligisten ein Bein stellen kann:

«Wir haben immer noch eine sehr gute Mannschaft. Jeder unserer Spieler will beweisen, dass er auch gegen ein NLA-Team bestehen kann. Das ist Motivation genug.»

Jedes Spiel muss zuerst gespielt werden

Zumal der Druck des Siegen-müssens ganz klar auf den Schultern der Seeländer lastet: «Jedes Spiel muss zuerst gespielt werden. Auch die Bieler müssen zeigen, was sie können. Uns kommt sicher entgegen, dass wir im Gegensatz zu Partien gegen Mannschaften wie Winterthur oder Zug Academy das Spiel nicht selber machen müssen», sieht Simon Rytz weitere Vorteile für den EHCO.

Zum Direktduell mit Jonas Hiller wird es für Rytz übrigens vermutlich nicht kommen. Im Tor des EHC Biel wird tendenziell Ersatzmann Elien Paupe stehen. Der ist ein alter Bekannter der Oltner. Paupe ist normalerweise Schlussmann des HC Ajoie und derzeit an die Bieler ausgeliehen.