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Wie Thomas Lamparter die Enttäuschung von Sotschi verarbeitet hat

Vom Anschieber zum Zuschauer: Pilot Beat Hefti (links) entschied sich in Sotschi gegen Thomas Lamparter.

Vom Anschieber zum Zuschauer: Pilot Beat Hefti (links) entschied sich in Sotschi gegen Thomas Lamparter.

Der 16. Februar: Es war einer der schwierigsten Tage in der Sportkarriere von Bob-Crack Thomas Lamparter. Vielleicht sogar der schwierigste überhaupt. Mit einigen Wochen Abstand blickt der Oberaargauer auf die Olympischen Spiele in Sotschi zurück.

Es war der Tag, an dem der olympische Zweierbob-Wettkampf in Sotschi begann. Gemeinsam mit Pilot Beat Hefti wollte der mittlerweile 35-jährige Anschieber aus Aarwangen um olympisches Edelmetall kämpfen, nachdem ihm dies vier Jahre zuvor in Vancouver wegen einer Hirnerschütterung von Hefti verwehrt geblieben war. Vier Jahre lang hatte Thomas Lamparter auf diesen Wettkampf hingearbeitet. Selbst die schwere Verletzung an der Achillessehne, die er sich im August zugezogen hatte, konnte ihn nicht aufhalten. Entgegen vieler Prognosen war Lamparter in Sotschi bereit, die Form stimmte. Trotzdem durfte er nicht starten. Beat Hefti hatte sich für Alex Baumann entschieden. Lamparter blieb nur die undankbare Rolle des Ersatzmannes.

«Für Beat war es eine extrem harte Entscheidung. Am liebsten wäre er wohl zwei Läufe mit Alex und zwei Läufe mit mir gefahren», sagt der Oberaargauer. Er hatte gehofft, dass sich sein langjähriger Partner Hefti, mit dem er unter anderem zwei EM-Titel gewann, für ihn entscheiden würde. «Es hat sicher Argumente gegeben, die für mich gesprochen haben, aber am Ende musste Beat eine Entscheidung treffen.»

Ein zweischneidiges Schwert

Und so war es Alex Baumann, der sich an jenem 16. Februar gemeinsam mit Beat Hefti den Eiskanal hinunter stürzte und am Tag darauf die Silbermedaille gewann. «Natürlich freue ich mich für die beiden und die Nomination von Alex war durchaus gerechtfertigt. Trotzdem wäre ich natürlich lieber selbst gefahren», so Lamparter mit einigem Abstand. Doch wie stand es um seine Gefühlslage in Sotschi? «In den Tagen vor dem Rennen gings noch einigermassen, aber an den beiden Renntage nur zuschauen zu können, war schon sehr happig», sagt der Aarwanger und fügt an: «Beat hätte wohl auch mit mir die Silbermedaille geholt.»

Dass Thomas Lamparter im Viererbob zum Einsatz kam (8. Platz) und dass er nach seiner Verletzung zum dritten Mal an Olympischen Winterspielen teilnehmen konnte, war nur ein schwacher Trost für den ehrgeizigen Oberaargauer. «Es ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite waren die Spiele in Sotschi eine Riesensache und es war eine gute Leistung, dass ich mich nach der Verletzung überhaupt qualifizieren konnte. Auf der anderen Seite bin ich Spitzensportler. Für mich zählen die Resultate und die fielen leider negativ aus», fasst Lamparter seine Situation zusammen.

Zukunft offen

Wie die Zukunft des erfolgreichen Anschiebers aussieht, ist noch unklar. Bis Ende Monat will sich Thomas Lamparter entscheiden, ob er seine Profikarriere fortsetzen wird. «Dass ich mir diese Gedanken mache, hat nichts mit meiner Verletzung oder den Spielen in Sotschi zu tun, sondern schlicht und einfach damit, dass ich im Sommer bereits 36 Jahre alt werde. In diesem Alter wird das Karriereende automatisch ein Thema», sagt Lamparter, der sich noch nicht in die Karten blicken lässt, wie er sich entscheiden wird.

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