Lacrosse
Wie Hockey, aber in der Luft - das ist Lacrosse

Die junge Sportart kämpft um nationale Beachtung. Auf Initiative von Dominique Fischer erhielt der Lacrosse-Klub Olten Saints in diesem Jahr weiblichen Zuwachs.

Raphael Wermelinger
Drucken
Teilen
Lacrosse findet weltweit immer mehr Beachtung - bald auch in Olten?

Lacrosse findet weltweit immer mehr Beachtung - bald auch in Olten?

Zur Verfügung gestellt

Was ist Lacrosse? «Hockey in der Luft», antwortet Dominique Fischer, Wegbereiterin des Oltner Frauen-Teams. In der Schweiz steckt die Sportart Lacrosse, die vor allem in Nordamerika sehr populär ist, noch in den Kinderschuhen. Selbst eingefleischte Sport-Fans wissen wenig darüber. Lacrosse wird auf einem Feld gespielt, das der Grösse eines Fussballplatzes entspricht. Bei den Frauen besteht ein Team aus elf Feldspielerinnen und einem Goalie.

Bei den Männern sind es neun Feldspieler plus Goalie. Die Tore sind 1,83 m x 1,83 m gross und befinden sich wie beim Eishockey nicht am Spielfeldende, sondern knapp zehn Meter davor. Angreifer können also auch hinter dem gegnerischen Tor postiert werden. Gespielt wird mit einem knapp 140 Gramm schweren Hartgummi-Ball, der bis auf 150 Stundenkilometer beschleunigt werden kann. Mit Schlägern, an deren Kopf sich ein Netz befindet, wird der Ball gefangen, getragen und geworfen. Am besten natürlich ins gegnerische Tor.

Hartnäckigkeit wurde belohnt

Das Männer-Team der Olten Saints, auf Deutsch die Heiligen, wurde bereits vor knapp sieben Jahren gegründet. Auf Initiative von Dominique Fischer wurde dieses Jahr ein Frauen-Team ins Leben gerufen. Es war ein langer Weg: «Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal bei den Männern angeklopft und die Idee einer Frauen-Equipe vorgebracht», erklärt sie. Es mangelte aber lange Zeit an den nötigen Spielerinnen. Doch Fischer blieb hartnäckig: «Ich startete mehrere Facebook-Aufrufe und Ende Mai kamen über zwanzig Spielerinnen ins erste Training.» Dies war der Start, mittlerweile zählt der Klub 31 lizenzierte Spielerinnen. Diese sind zwischen 19 und 37 Jahre alt, das Durchschnittsalter beträgt knapp 25 Jahre.

Was ist das Besondere an der Sportart Lacrosse? «Die Schnelligkeit kombiniert mit Taktik und Teamgeist fasziniert mich», so Fischer. Ballgefühl, Spielübersicht und Koordination sind weitere wichtige Elemente. «Mich reizt ausserdem, dass es eine extreme Randsportart ist», fügt die Oberstufenlehrerin an, «ich will mithelfen, dass die Sportart in der Schweiz weiter wächst.»

Stock, Kickschuhe und Zahnschutz

«Für Neueinsteiger und Neueinsteigerinnen ist Lacrosse sehr motivierend», sagt Samuel Schreiber, Spieler der Olten Saints und Trainer der Frauen-Equipe: «Die Sportart packt einen sofort. In den ersten fünf Minuten kann man zwar noch keinen Ball fangen, doch dann macht man schnell riesige Fortschritte.» Gespielt wird üblicherweise in Fussballschuhen, Schläger gibt es ab fünfzig Franken. Dazu ist ein Zahnschutz obligatorisch, mehr braucht es bei den Frauen nicht, denn das Frauen-Lacrosse erlaubt keinen starken Körpereinsatz.

Bei den Männern gehts da schon etwas brachialer zu und her. Die Gegner dürfen auch mit Körpereinsatz vom Ball getrennt werden. Ein Helm sowie Schulter- und Brustpanzer gehören deshalb zur Ausrüstung dazu. «Lacrosse bedient sich der Urinstinkte», schwärmt Schreiber. «Man kann Dampf ablassen.» Das Martialische der Sportart wird durch deren Herkunft unterstrichen: Lacrosse wurde ursprünglich von Indianern in den Great Plains östlich der Rocky Mountains gespielt. Es diente dazu, Konflikte auf symbolischer Ebene zu lösen und zur Kriegsvorbereitung.

Blessuren und Röcke

Die Frauen der Oltens Saints tragen ihren ersten «Krieg» an diesem Wochenende aus, in Bern wird die Meisterschaft lanciert. Das erste Heimspiel findet am 25. Oktober auf dem Sportplatz Kleinholz statt. Die Trauben hängen in der Premieren-Saison noch tief. «Wir wollen ein Team hinter uns lassen», formuliert Trainer Schreiber das Saisonziel. Mit dem Männer-Team feierte er in der Gruppe 2 der NLA bereits vor zwei Wochen einen erfolgreichen Auftakt in die Saison 2015/16.

Die Solothurn Ambassadors wurden gleich mit 20:2 vom Feld gefegt. Schreiber rechnet dem Team heuer sogar Chancen auf den Schweizermeistertitel aus, «wenn wir mit dem gesamten Kader antreten können. Letztes Jahr hatten wir sieben verletzte Spieler.» Verletzungen bringe der «harte Sport» halt mich sich, lacht er gelassen. «Prellungen sind an der Tagesordnung. Nicht nur beim Goalie, der sich fühlt, wie wenn Gummischrot auf ihn geschossen würde.»

Aufgrund des geringeren Körperkontakts seien bei den Frauen vor allem Knie- und Bänderverletzungen die Gefahren. «Wie beim Fussball gibt es beim Frauen-Lacrosse viele Stop-and-Gos», erklärt Schreiber. Für Zimperliche ist Lacrosse also sicher nicht die richtige Sportart, obwohl Dominique Fischer lachend sagt: «Die Frauen spielen in Röcken.»

Aktuelle Nachrichten