Brunei, Indonesien, Iran und Singapur – dies nur eine Auswahl der exotischen Destinationen, welche Rodrigo Tosi, der neue Torjäger des interregionalen Zweitligisten FC Wangen, im Laufe seiner Karriere als Fussball-Profi angesteuert hat. Nicht weniger als 15 Stationen reihte der Brasilianer in seiner bisher 17 Saisons währenden Karriere aneinander. Selten verweilte der 35-Jährige länger als eine Saison beim selben Verein –  ein Wandervogel eben.

«Ich wollte mein Leben geniessen, immer neue Orte kennen lernen», erklärt Tosi beinahe entschuldigend. Er habe die ganze Welt kennen gelernt, viele neue Kulturen und Sprachen erlebt. «Lebenserfahrung pur», bringt er es auf einen Punkt. «Natürlich hat bei vielen Transfers der Faktor Geld eine Rolle gespielt», gibt Tosi unumwunden zu.

Wenn eine spannende Destination lockte und die Entlohnung auch stimmte, habe er jeweils nicht lange gezögert, erzählt er in seiner locker-lässigen Art. «Was gibt es Besseres als die Welt zu bereisen und mit der grossen Leidenschaft Fussball Geld zu verdienen?», fragt Tosi und hat die Antwort für sich längst gefunden.

Mit dem Fussball aufgewachsen

Von klein auf habe der Fussball eine grosse Faszination auf ihn ausgeübt, erzählt der Lebemann, der in Curitiba, der achtgrössten Stadt Brasiliens im Süden des Landes gelegen, aufgewachsen sei. «Mein Vater war ebenfalls Fussball-Profi und so habe ich ihm nachgeeifert», führt Tosi weiter aus.

Wenn immer möglich sei er der Kugel hinterhergeflitzt, notabene barfuss auf den Strassen der Stadt. Im Alter von zehn Jahren sei er dem lokalen Verein Paranà Clube beigetreten und habe dessen Juniorenabteilung durchlaufen.

Als der Wechsel zu den Profis anstand, offenbarte sich ihm die Realität: «In Brasilien will jedes Kind Fussball-Profi werden. Es gibt so viele gute Spieler. Der Konkurrenzkampf ist riesig», erklärt Tosi die Verhältnisse. So überlegte er nicht lange als eine Offerte aus dem Ausland kam. Sein erstes Profi-Engagement mit exotischer Destination beim DPMM FC auf Brunei wartete. Der erste Schritt zu einer Odyssee durch den Fussball-Orbit war gemacht…

Und jetzt also das beschauliche Wangen – wie kommt das? «Alles nur wegen ihm», zeigt Tosi auf FCW-Trainer Juan Castro, der vis-à-vis am Tisch sitzt. Denn Tosi ist hierzulande und in der Dreitannenstadt kein unbeschriebenes Blatt. Im Frühjahr 2008 ging er für den FC Olten, damals noch in der 1. Liga, auf Torjagd.

Auf Anhieb gelangen dem brasilianisch-italienischen Doppelbürger im FCO-Dress neun persönliche Treffern, was ihm später einen Vertrag beim damaligen Super-League-Verein Neuchâtel Xamax einbrachte. In dieser Zeit lernten sich Tosi und Castro, notabene im Oltner Nachtleben, wie Letzterer mit einem Schmunzeln anmerkt, kennen.

Man blieb in Kontakt und als Castro vernahm, dass Tosi in Irland, seiner letzten Station, nicht mehr glücklich sei, zögerte er nicht lange, setzte alle Hebel in Bewegung und lotste seine neue Nummer 10 auf die Chrüzmatt – perfekt war die Transferbombe.

Wiedersehen mit dem FCO

«Ich bin nun schon etwas älter und meine Fussball-Karriere neigt sich dem Ende zu, da setze ich die Schwerpunkte anders. Geld steht nicht mehr an erster Stelle», meint Tosi. So habe vielmehr die hohe Lebensqualität hierzulande und die guten Erinnerungen an die Schweiz bei seinem Wechsel zum FC Wangen eine Rolle gespielt. «Ich möchte nochmals dieses schöne Land bereisen und etwas Deutsch lernen», erzählt der Wahloltner.

Nach zwei deutlichen Niederlagen ohne einen einzigen Treffer zum Rückrundenstart, scheint Tosi mittlerweile so richtig angekommen beim FCW. Im dritten Spiel führte er sein Team vor Wochenfrist mit einem Tor und zwei Assists zum wichtigen 3:1-Heimerfolg über Kantonsrivale Biberist. Nun steht das Aufeinandertreffen mit seinem ersten Verein im Land an.

Im vielerwarteten Lokalderby zwischen dem FC Olten und dem FC Wangen geht es um die Vorherrschaft im Kanton, aber vor allem um wichtige Punkte im Abstiegskampf (Samstag, 16 Uhr). Liebend gerne würde Rodrigo Tosi da wiederum beweisen, dass er ganz egal wo auf dieser Welt ins Schwarze trifft.