EHC Olten
Wie ein umgekehrter Handschuh: Wie sich Stéphane Heughebaert zu einem gestandenen Verteidiger entwickelt hat

Stéphane Heughebaert hat sich innerhalb eines Jahres zu einem gestandenen Verteidiger entwickelt. Das kommt nicht von ungefähr.

Silvan Hartmann
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Stéphane Heughebaert erhält viel Verantwortung, hier sogar als Assistenzcaptain im Testspiel gegen Ajoie im September.

Stéphane Heughebaert erhält viel Verantwortung, hier sogar als Assistenzcaptain im Testspiel gegen Ajoie im September.

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Als Stéphane Heughebaert vor drei Jahren von den Elite-Junioren des HC Lausanne zum EHC Olten stiess, da blieb an ihm ein Nachwuchsstempel haften, den er so schnell nicht loswerden würde. Das Junioren-Dasein war ihm zu keiner Zeit abzusprechen.

Still und leise absolvierte Heughebaert – endlich bei den Profis angekommen – die Trainings nach Vorschriften. Und auch neben dem Eis verhielt er sich selbst im Kreise des Teams äusserst scheu und zurückhaltend. Ihn heute darauf angesprochen, muss er schmunzeln. «Ja, ich war 19 Jahre alt, war in einem neuen Klub, einer neuen Region, mit einer neuen Aufgabe. Ich brauchte meine Zeit.»

Dass sich Heughebaert wohlfühlt, ist auf dem Eis, wie auch im ­Umgang mit seinen Teamkollegen, nicht zu übersehen. Mit einer noch nie da gewesenen positiven Körpersprache füllt er seine Rolle als verlässlicher Verteidiger aus. Stéphane Heughebaert ist plötzlich wie ein umgekehrter Handschuh.

Sinnbildlich dafür steht eine Szene aus dem Freitagstraining: Heughebaert, von allen «Heughi» genannt, schiesst von der blauen Linie aufs Tor – und trifft einen im Slot stehenden ­Mitspieler. Sein Kommentar: «Beweg dich doch!» – Söder­ström witzelt später darüber: «Vor einem Jahr hätte er sich noch drei Mal dafür entschuldigt.»

Stéphane Heughebaert im August 2017 in einem Testspiel gegen Thurgau unmittelbar nach seinem Wechsel zum EHC Olten.

Stéphane Heughebaert im August 2017 in einem Testspiel gegen Thurgau unmittelbar nach seinem Wechsel zum EHC Olten.

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Vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert

Der ­EHCO-Trainer steht zweifellos am Ursprung von Heughebaerts Entwicklungen, lässt dem nach wie vor jungen Verteidiger sein Vertrauen spüren. «Heughi investiert unglaublich viel und setzt sich hohe Ziel, vergisst dabei aber auch seine Schwächen nicht. Er ist sehr oft einer der letzten, der vom Eis geht – und nutzt jede Minute, um besser zu werden», lobt der Schwede und rühmt seinen Spieler auch für seine charakterlichen Eigenschaften. «Ein unglaublich netter Mensch, dem ich auch neben dem Eis nur das Beste wünsche.»

Und Heugehebaert sagt: «Ich hatte viele gute Gespräche mit Marc Grieder und Fredrik Söderström und weiss heute, was meine Aufgabe ist und was von mir erwartet wird. Ich kann mich auf meine Rolle konzentrieren und somit Schritt für Schritt Selbstvertrauen gewinnen.»

Stéphane Heughebaert bekundete als Teenager in Olten grosse Anlaufschwierigkeiten. Rückblickend, sagt er, hätte er gerne schon in der vergangenen Saison den Knopf geöffnet.

Gewiss hatte der heute 22-Jährige keinen einfachen Einstieg beim EHC Olten, war unter den Trainern Chris Bartolone und Bengt-Ake Gustafsson bloss der Allrounder, der jeweils dort eingesetzt wurde, wo es ihn gerade brauchte. Mal als Verteidiger, mal als Flügel, seltener mal als Center.

Dabei durchlief der schweizerisch-belgische Doppelbürger bei seinem Jugendklub Lausanne die gesamte Juniorenzeit als Stürmer. Als Krönung dieser Zeit führte er als Captain die U17-Mannschaft an und wurde als Center mit 49 Skorerpunkten aus 43 Spielen Topskorer seines Teams. Notabene eines Juniorenteams, aus dem der eine oder andere den Sprung in die National League schaffte.

«Ich spielte mein Leben lang als Stürmer. Hier dann zum Verteidiger umfunktioniert zu werden, war nicht einfach. Aber heute schätze ich diesen Schritt und bin dankbar dafür, dass ich beide Positionen kenne», sagt er.

Stéphane Heughebaert als 16-Jähriger in der Schweizer U18-Nationalmannschaft.

Stéphane Heughebaert als 16-Jähriger in der Schweizer U18-Nationalmannschaft.

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Fünf Kilogramm Muskelmasse zugelegt

Stéphane Heughebaerts Stern beginnt bereits zum Ende der letztjährigen Playoffs aufzugehen. Er spielt die Playoffs mit MySports-League-Vertreter Basel und merkt schon in seinem ersten Spiel, dass er auch ein Leader sein kann. «Ich war zufrieden mit meiner Leistung, habe gut gespielt», erinnert er sich.

Diesen gewonnenen Elan nimmt er mit ins Sommertraining, trainiert wie ein Wilder, stets mit einem Ziel im Hinterkopf: Er will auch in der Swiss League ein Leader sein.

Fünf Kilogramm legt Heughebaert über die Sommermonate an Muskelmasse zu. «Ich fühle mich dadurch kräftiger und konkurrenzfähiger», sagt der 185 cm grosse und mittlerweile 85 kg schwere Spieler.

Mit grossen Erwartungen an sich selbst stieg Heughebaert im Herbst in die Saisonvorbereitung ein, spielte eine beachtliche Preseason und erhielt dadurch auch immer mehr Verantwortung. Das zog sich bis heute fort. «Es gefällt mir wirklich sehr gut», bilanziert er schmunzelnd.

Obwohl sich Heughebaert schwertat, in Olten Fuss zu fassen, ist ihm hoch anzurechnen, dass er sich umgehend sowohl mit dem Klub wie auch mit der Stadt identifiziert hatte. Er zügelte schon vor drei Jahren nach Olten, lebt seit einem Jahr mit Esbjörn Fogstad Vold in einer WG.

Das schlägt sich auch in der Sprache nieder. Während der Romand 2017 in der Garderobe noch kaum ein Wort verstand, unterhält er sich heute gerne auf Deutsch.

Auch die Ziele haben sich im Laufe dieser Jahre verändert, erzählt Heughebaert. «Früher, als kleiner Bub, hatte ich den Traum, für Lausanne zu spielen und irgendwann Meister zu werden. Das wäre nach wie vor cool», sagt er, «aber es hat keine Priorität mehr. Ich will Schritt für Schritt vorwärtskommen.» Sagts und verabschiedet sich in die Kabine. Erhobenen Hauptes.

Stéphane Heughebaert (rechts) mit seinem WG-Teamkollegen Esbjörn Fogstad Vold.

Stéphane Heughebaert (rechts) mit seinem WG-Teamkollegen Esbjörn Fogstad Vold.

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