Swiss League
«Wie ein Hühnerhaufen»: Der EHC Olten gibt eine 3:0-Führung aus der Hand und verliert gegen Visp 3:5

Der EHC Olten macht 40 Minuten lang vieles richtig und führt 3:0. Doch dann brechen die Powermäuse komplett ein und geben einen sicher geglaubten Sieg mit fünf Gegentoren in den letzten 13 Minuten aus der Hand.

Silvan Hartmann
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So hatte sich das der EHC Olten nicht vorgestellt: nach einer 3:0-Führung kassieren die Oltner am Schluss eine 3:5-Niederlage gegen Visp.
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Nach den Niederlagen in den letzten zwei Spielen will Olten gegen Visp wieder einen Sieg holen.
Bereits kurz nach Spielbeginn schnuppert der EHC Olten am Führungstreffer.
Für die Powermäuse gibt es einige vielversprechende Chancen.
Doch dann scheinen auch die Gäste im Spiel angekommen zu sein und hämmern ihrerseits aufs Tor.
Der EHC Olten starte gut in die Partie und wirkt gewillt und fokussiert.
Mit einem klaren Chancenplus, aber noch keinen Toren geht es für Olten nach dem ersten Drittel in die Pause.
Kurz nach Anpfiff des zweiten Drittels schiesst Olten im Powerplay zum 1:0.
Jubel beim EHCO über den Führungstreffer.
Kurz darauf kann Truttmann von einem Fehler der Visper profitieren und schiesst zum 2:0 für den EHC Olten.
Der EHC Olten scheint langsam in Fahr gekommen zu sein.
Der EHCO-Torhüter Rytz macht seine Sache bisher gut und kann seinen Kasten sauber halten.
Die Oltner powern weiter.
Und mit dem Pfiff zum Drittelsende schiesst Chiriaev zum 3:0.
Im zweiten Drittel gibt der EHC Olten Vollgas und führt zur Pause verdient mit 3:0.
Doch die Freude währt nicht lange: im letzten Drittel starten die Walliser ihre Aufholjagd und setzen den EHC Olten zunehmend unter Druck.
Fünf Tore innert elf Minuten – der EHC Olten kann nur noch zuschauen, wie die Visper einen Treffer nach dem anderen erzielen.
Es ist kaum zu glauben: die 3:0-Führung des EHCO endet in einer 3:5-Niederlage. Ein bitteres Ende für die Oltner.
EHC Olten - EHC Visp

So hatte sich das der EHC Olten nicht vorgestellt: nach einer 3:0-Führung kassieren die Oltner am Schluss eine 3:5-Niederlage gegen Visp.

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Es verbleiben 2:28 Minuten Spielzeit auf der Matchuhr, als sich eine Vielzahl der EHCO-Fans wutentbrannt auf den Nachhauseweg macht. Was die 2938 Zuschauer im Kleinholz vor allem in den letzten 13 Spielminuten des Schlussabschnittes zu sehen bekommen, kommt einem schlechten Film gleich: Der EHC Olten führt nach 47 Spielminuten verdient 3:0. Er hat das Spiel in allen Belangen unter Kontrolle, was auch das Schussverhältnis eindrücklich widerspiegelt: 25:7 Torschüsse zugunsten der Oltner nach 40 Minuten.

Doch dann passiert das, was sich selbst die schlechtesten Drehbuchautoren nicht in den kühnsten Träumen vorstellen können: Innert zwei Minuten bringen die beiden Walliser Importspieler Mark van Guilder (48.) und Dan Kissel (50.) mit ihren Blitztoren das Oltner Team stark ins Wanken.

Die Highlights im Video:

Es war schon zu diesem Zeitpunkt vorwegzunehmen: Die Oltner, zerbrechlich wie eine billige Uhr, werden mit einer beispiellosen Passivität ohne Punkte aus dem Spiel gehen.

Als auf einen Visper Wechselfehler Captain Lukas Haas und Alban Rexha zu zweit vor Torhüter Lory die Entscheidung verpassten, konterten die Visper bilderbuchmässig, worauf Visp-Captain Heynen mit dem 3:3-Ausgleich abschloss.

Dieser Ausgleich drei Minuten vor Schluss kam bei den Oltnern einem Genickbruch und einer damit verbundenen Niederlage gleich. Für diese war dann der omnipräsente Visp-Stürmer Sturny nur 37 Sekunden nach dem Ausgleichstreffer tatsächlich besorgt.

Der EHCO, längst stehend zusammengebrochen, konnte danach, selbst sichtlich schockiert, nichts mehr ausrichten – im Gegenteil: Man hatte noch den 3:5-Treffer ins leere Tor zu fressen.

EHCO-Captain Lukas Haas war unmittelbar nach dem Spiel im Stadion-Interview ausser sich vor Wut: «Nach dem ersten Gegentor sind wir völlig eingebrochen und rumgestanden wie ein Hühnerhaufen. Wir müssten auch in den letzten 20 Minuten so spielen, wie wir das in den ersten zwei Dritteln getan haben», sagte Haas und verschwand in der Garderobe.

Wertlose 40 Minuten

Tatsächlich hatte der EHCO in den ersten 40 Minuten vieles richtig gemacht, auch wenn man sich das Leben mit unsauberen Zuspielen und unzähligen Fehlpässen das Leben selber schwer machte.

Aber selbst nach einem 0:0-Startdrittel mit Chancen zuhauf und einer furiosen Import-Sturmlinie um Hohmann, Gervais und Ulmer blieben die Oltner trotz der Torlosigkeit ruhig und kämpften munter weiter.

Es war schliesslich Jewgeni Schirjajew, der einen sehenswerten Pass von Lukas Haas in Überzahl verwertete (25.). Dieses Tor war ganz offensichtlich ein Befreiungsschlag für die anrennenden Powermäuse, was auch Visp-Trainer Alatalo erkannte und ungewohnt früh das Timeout nahm.

Es fruchtete nur für kurze Zeit: Marco Truttmann profitierte von einer Aneinanderreihung von Fehlern in der Visper Hintermannschaft und erwischte Torhüter Lory zwischen Arm und Oberkörper (30.).

Auch mit der 2:0-Führung im Rücken drückte der EHCO weiter auf das Gaspedal. Aus dem Nichts kam der EHC Olten zum Schluss des Mitteldrittels zu einer doppelten Überzahlsituation (Visp verbüsste in Unterzahl eine Strafe wegen zu vieler Spieler), die wiederum Schirjajew dankend ausnutzte.

Die Oltner machten sich mit einer verdienten 3:0-Führung in die zweite Pause – und ganz offensichtlich war bei dem einen oder anderen Oltner mit dem Pausentee in der Hand in der Garderobe nicht bewusst, dass auch in den letzten 20 Minuten weiter gearbeitet werden muss.

Stattdessen brach der EHCO nach dem ersten Gegentreffer komplett ein. Die Powermäuse rutschten in eine Passivität, die von den aufstrebenden Vispern rigoros ausgenutzt wurde.

«Viel gibt es nicht zu analysieren. Jedem ist bewusst, was für Fehler wir gemacht haben. Man darf ein Tor erhalten, das gehört zu unserem Sport dazu. Aber man darf wegen eines Gegentreffers mit Sicherheit nicht so einbrechen, wie wir das getan haben», bilanzierte der NLA-erfahrene EHCO-Stürmer Roland Gerber, schluckte leer und ergänzte: «Das Positive ist, dass wir jetzt nicht lange darüber nachdenken können.»

Er sprach das heutige Derby auswärts im Schoren gegen den SC Langenthal an (17.30 Uhr). Der EHC Olten ist mit der denkwürdigen dritten Niederlage in Serie auf Rang 5 der Swiss League-Tabelle angekommen und weist bereits 9 Punkte Rückstand auf Leader La Chaux-de-Fonds auf. Jetzt ist erst recht eine Reaktion gefordert.

Lesen Sie hier die Partie im Liveticker nach:

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