EHC Olten
Wie Derby-Held Curtis Gedig das Feiern mit den Oltner Fans kennenlernt

EHCO-Kanadier Curtis Gedig und Torhüter Matthias Mischler waren nach dem EHCO-Derbysieg in Langenthal die gefeierten Figuren. Weil ihre Leistungen aus dem Kollektiv herausragten, skandierten die Oltner Fans nach Spielschluss die beiden Namen und honorierten sie mit einer Extra-Welle. Sowohl für Gedig wie auch für Mischler war es keine Selbstverständlichkeit, vom EHCO-Anhang bejubelt zu werden.

Yann Schlegel
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Curtis Gedig (links) und Stefan Mäder konnten in Langenthal den zweiten Derby-Sieg feiern, obwohl die Oltner im Mitteldrittel wegen zahlreichen Strafen arg unten durch mussten.

Curtis Gedig (links) und Stefan Mäder konnten in Langenthal den zweiten Derby-Sieg feiern, obwohl die Oltner im Mitteldrittel wegen zahlreichen Strafen arg unten durch mussten.

André Grossenbacher/TopPictures

«Cur-tis Gedig, Cur-tis Gedig», hallte es am Dienstagabend kurz nach 22 Uhr durch die in Bälde geleerte Langenthaler Schorenhalle. Mit zwei Treffern und einem Assist hatte sich Oltens Neo-Kanadier neben Matthias Mischler den Derbysieg-Heldenstatus verdient. «Ich hörte die Fans singen aber verstand nicht, was sie sagten, also habe ich Mäder, Hürlimann und Kobach gefragt», wusste der Verteidiger nicht, wie ihm geschah. «Sie sagten mir: ‹Geh zu ihnen und klopfe ans Plexiglas› – Kobach meinte, ich solle vor den Fans tauchen».

Curtis Gedig tat mit der ihm innewohnenden Bescheidenheit wie geheissen, beliess es jedoch bei einem dankenden Lächeln und der Berührung des Plexiglases. «Für mich ist die Situation mit derart leidenschaftlichen Fans komplett neu», lachte Gedig am Tag danach über die Szene. Er fände es ein schönes Ritual, nach den Spielen mit der Mannschaft zu den Fans zu gehen und sich für deren Support zu bedanken. Wer weiss, vielleicht wird Gedig bald schon zu einem Taucher vor den EHC-Olten-Fans ansetzen, oder gar sein ganz persönliches Feier-Ritual entwickeln?

Denn spätestens seit dem Derby vom Dienstagabend scheint Gedig endgültig in der Dreitannenstadt angekommen zu sein. Wegen seiner drei Punkte gegen Langenthal wird der Kanadier nächste Woche, wenn die Ticino Rockets im Kleinholz zu Gast sind, wiederum den Goldhelm tragen dürfen. Als «gut» stuft Gedig seine persönliche Leistung bis hierhin ein. Auf zwei Komponenten will der Kanadier in nächster Zeit besonderes Augenmerk richten: «Die Entscheidung, wann ich in einen «Rush» mitgehen kann und wann nicht, sowie mein physisches Spiel sind noch steigerungsfähig», zeigt er sich selbstkritisch.

Truttmann wohl bald zurück

Marco Truttmann wurde im Spiel gegen Winterthur nach einem hohen Stock am linken Auge verletzt und schied aufgrund dessen früh aus dem Spiel aus. Am Mittwochvormittag zeigte sich der Oltner Flügelstürmer mit noch immer leicht angeschwollenem Auge im Kleinholz. Ein Einsatz im Derby war nicht möglich gewesen, weil bei der Verletzung die Hornhaut irritiert und somit Truttmanns Sehvermögen beeinträchtigt wurde. Am Freitag steht nochmals ein Arztbesuch an, ehe Truttmann womöglich am nächsten Dienstag wieder einsatzfähig ist.

Bei Simon Schnyder war am Tag nach dem Derby der linke Unterarm stark angeschwollen, da er von einem Schuss touchiert worden war. Der Defensivverteidiger wird deswegen jedoch nicht ausfallen.

Bange Momente hatten die Oltner im Derby gegen den SCL im Mitteldrittel zu überstehen, als die Mannschaft von Maurizio Mansi fast permanent im Boxplay agieren musste. «Nur» zwei Treffer brachten die Oberaargauer bei fünf Oltner Ausschlüssen in dieser Phase zustande – Gedig sass dabei mehrheitlich auf der Bank. Weil der Verteidigungshüne im Unterzahlspiel nur selten eingesetzt wird, windete er seinen Teamkollegen ein Kränzchen und ortete auf dem Weg zum zweiten Derbysieg innert Monatsfrist eine zweite Schlüsselfigur: «Die Penaltykiller waren grossartig Dienstagnacht – und der Torhüter gab uns die Chance, das Spiel zu gewinnen.»

Saison-Novum: Torhütertraining

Matthias Mischler stand keine dreizehn Stunden, nachdem er in Langenthal oft im Mittelpunkt gestanden hatte, bereits wieder im Fokus. Auf der Eisbahn Kleinholz wurde der EHCO-Torhüter für einmal von der Linse einer Tablet-Kamera unter die Lupe genommen. Als Saison-Novum stand nämlich am Mittwochmorgen ein explizites Goalie-Training unter der Leitung von Simon Pfister auf dem Programm.

Letzte Saison fand Matthias Mischler nie die vollständige Akzeptanz beim Oltner Anhang. Nun scheint der EHCO-Torhüter an Beliebtheit zu gewinnen.

Letzte Saison fand Matthias Mischler nie die vollständige Akzeptanz beim Oltner Anhang. Nun scheint der EHCO-Torhüter an Beliebtheit zu gewinnen.

Hans Ruedi Aebischer

Sportchef Jakob Kölliker entsprach mit dem Engagement des Zuchwiler Torhütertrainers Pfister dem Wunsch des Oltner Torhütergespanns. «Das Verhältnis war schon jetzt sehr gut», zeigte sich Mischler nach etwas mehr als einer Stunde glücklich über die erstmalige Zusammenarbeit mit dem einstigen Nationalliga-Torhüter (Kloten, Ajoie und Basel). Vermutlich werde es nun jeweils mittwochs eine Spezialeinheit für die Goalies geben – wäre dies doch aus der Sicht Mischlers «zumindest wünschenswert».

Letzte Saison hatte Mischler nie die Gunst des Oltner Anhangs erlangt. Im Oberaargau skandierten die Fans bereits zum wiederholten Mal den Namen des gebürtigen Berners und baten ihn zur Extra-Welle. «Ich fühlte mich bereits letztes Jahr wohl in Olten – aber es ist schön, wenn auch die Fans auf deiner Seite stehen», so Mischler. Was letzte Saison war, sei Schnee von gestern.