Oft genügt ein Messi oder ein Ronaldo am TV oder ein «Tschuttiplatz» in der Nachbarschaft, um Heranwachsende für die wichtigste Nebensache der Welt zu begeistern. Oder dann sind es die Eltern, die ihre Sprösslinge gerne als Kicker sehen würden. Doch ob Fussball die richtige Wahl ist und bleibt, eine, die viele Jahre lang begeistert und möglicherweise gar in einer sportlichen Karriere mündet, weiss zu diesem Zeitpunkt niemand: Denn will man sich als Fünfjähriger bereits festlegen?

Was Ronald Vetter, Nachwuchstrainer beim FC Solothurn, und seine Kollegen dafür seit einiger Zeit beobachten: Bei aller Vielfalt der Freizeitangebote fehlt es vielen auch fussballspielenden Kindern heute an der Fähigkeit, sich motorisch koordiniert zu bewegen. «Das fängt beim Gleichgewichtssinn an, der beim Passspiel wichtig ist, geht mit der Rhythmik der Bewegung weiter und endet bei der Arm-Bein-Koordination.» Es sind mannigfaltige motorische Defizite, die sich – auch bedingt durch den gesellschaftlichen Wandel – abzeichnen.

Keine Talentsuche

«Hier braucht es Basisarbeit», war man deshalb beim FCS der Meinung und arbeitete im vergangenen Jahr ein Grobkonzept aus. Ziel: Kindern über ein polysportives Trainingsangebot den Einstieg in den Vereinssport zu bieten. Dabei geht es nicht darum, potenzielle «Wunderkinder» früh aufzustöbern und entsprechend zu fördern, wie dies beispielsweise in einigen Kantonen in sogenannten «Talent Eye»-Programmen gemacht wird. «Es geht nicht um eine Sichtung von Talenten», bestätigt Vetter: «Alle Kinder sollen zusammen mit ihren Eltern auf diese Weise die richtige Sportart finden.»

Dass diese folgerichtig nicht unbedingt Fussball heisst und die Idee somit auch nicht einem direkten Nutzen für den Klub dient, ist den Initianten bewusst. Auch bleibt offen, ob sich das Kind eher im Team- oder dem Einzelsport zu Hause fühlt. «Unser Angebot ist vereins- und sportartunabhängig – und für alle Kinder gedacht.» Somit soll es über Klubgrenzen hinaus dem ganzen Nachwuchssport der Region dienen – und darüber hinaus auch für sozial schlechtergestellten Familien den Zugang zum Frühsport ermöglichen.

Vision über Klubgrenzen hinaus

Sollte das am 17. August startende Projekt Erfolg zeitigen – immerhin startet es mit 16 Anmeldungen –, könnte sich Vetter vorstellen, einen Schritt weiterzugehen und andere Sportvereine in die Organisation einzubinden. Über den sportartunabhängigen Ansatz hinaus sei es auch vorstellbar, im zweiten Jahr anderen Vereinen bei ihrer sportlichen Tätigkeit über die Schulter zu schauen.

Vorerst aber startet das Projekt unter der Trägerschaft des FCS sowie der Stiftung Bank Lombard Odier. Über zwei Jahre erhalten Mädchen und Jungen im Alter zwischen fünf und sieben damit die Gelegenheit, sich während jährlich 35 kostenlosen Lektionen jeweils mittwochs in der Turnhalle des Schulhauses Brühl in Beweglichkeit und Motorik zu üben. Durchgeführt wird das Angebot von Ronald Vetter sowie Marc Du Buisson von der ersten Mannschaft, der sich zurzeit zum Turnlehrer ausbilden lässt.

Im Zuge des neuen Projekts wird es in der Kinderfussballabteilung des FCS inskünftig keine G-Junioren (Fünf- und Sechsjährige) mehr geben. Interessierte Kinder können stattdessen das polysportive Angebot nützen. «Dies hat aktuell drei Kinder betroffen, die noch nicht zu den F-Junioren wechseln konnten», sagt Vetter. Zwei davon würden das neue Angebot nützen, das dritte Kind sei aus anderen Gründen aus dem Klub ausgetreten.

Start Mi, 17. August, 16 Uhr, Turnhalle Brühl. Wenige Plätze sind noch frei