FC Grenchen
Wie der FC Grenchen in nur sechs Monaten von der Krise ins Glück fand

Noch im Frühling drohte das FC-Grenchen-Schiff zu kentern. Doch das Glück ist zum Club zurückgekehrt. Rolf Bieri, Präsident des FC Grenchen, erzählt, wie der Erfolg Einzug halten konnte.

Hans Peter Schläfli
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Rolf Bieri, Präsident des FC Grenchen.

Rolf Bieri, Präsident des FC Grenchen.

Hans Peter Schläfli

Mit dem Match gegen Schötz beginnt am Sonntag (Anstoss 14 Uhr) in der 1. Liga für Grenchen bereits die Rückrunde. Es ist das letzte Heimspiel eines Jahres, das miserabel begann und dann immer besser wurde. «Am meisten freut mich, wie die neue Mannschaft auftritt. Es sind alles gute Typen», zieht Präsident Rolf Bieri Bilanz. «Unbeschwert spielen sie schönen und erfrischenden Fussball. Wir werden auch bei den Auswärtsspielen immer dafür gelobt.»

Schiff vorm Kentern bewahrt

Im Frühling war der FC Grenchen noch in seiner Existenz gefährdet. Die ganze damalige Vereinsleitung und die meisten Sponsoren hatten dem Traditionsverein den Rücken zugewandt. Das FCG-Schiff schlingerte ohne Mannschaft dem Untergang entgegen. «Als ich entschied, mich für den FCG einzusetzen, stand ich ganz alleine da und niemand glaubte so recht daran, dass das gut kommen würde», blickt Präsident Rolf Bieri zurück. «Im Nachhinein muss ich sagen, das war ein Wahnsinn. Es war mir gar nicht bewusst, auf was ich mich da eingelassen hatte.»

«Diese grosse Tradition konnte man doch nicht einfach verloren geben», meinte Bieri damals. Alleine suchte er nach einem Trainer, dann nach einem Sportchef und schliesslich nach einem Vorstand. Weiter mussten Finanzen für den Spielbetrieb beschafft werden. Lange existierte nicht einmal ein Budget. «Mittlerweile konnten wir Gilbert Uebelhardt als Finanzchef gewinnen. Der hat nun unserem Treuhänder und den beiden Donatorenklubs die Zahlen präsentiert», sagt Bieri. «An dieser Stelle möchte ich einmal allen danken, die sich in dieser verfahrenen Situation für den FCG eingesetzt haben.» Zahlen nennt Bieri keine. «Ich kenne sie gar nicht so genau. Ich weiss einfach, dass wir uns jetzt noch einmal anstrengen und weitere Finanzen beschaffen müssen. Denn die potenziellen Sponsoren haben mich lange gar nicht ernst genommen. Da wurde mir klar, dass der FC Grenchen zuerst den sportlichen Erfolg vorweisen und Vertrauen schaffen muss und dass wir erst danach im Sponsoring weiter kommen können.»

Trotz Erfolg bleiben Ziele gleich

Der Erfolg ist eingetroffen, und zwar noch viel spektakulärer, als die grössten Optimisten dachten. Grenchen liegt derzeit auf dem sensationellen dritten Platz. Ist das Ziel nun der Aufstieg in die 1. Liga Promotion? Auf diese Frage bricht Rolf Bieri in ein herzhaftes Lachen aus. «Es wäre bereits wunderschön, wenn wir die beiden letzten Spiele gewinnen und über dem Strich überwintern könnten», sagt der neue FCG-Präsident. «Unser Ziel war es, auf einen sicheren Mittelfeldplatz zu kommen. Mit einem Aufstieg rechnen wir absolut nicht, aber dass wir diesen gerne feiern würden, ist klar.»

Irgendwie ist Rolf Bieri also zu einem kleinen Christian Constantin geworden.

Solothurn mit Kellerduell

Auch wenn es dem FC Solothurn unter der Woche gegen die Black Stars in der 1. Liga Classic «nur» zu einem 1:1-Unentschieden reichte, hinterlässt die Elf von Roland Hasler weiter einen überzeugenden Eindruck. Morgen stehen die Solothurner vor der nächsten Bewährungsprobe: Im Auswärtsspiel gegen den Vorletzten Muttenz geht es darum, sich von den Abstiegsrängen zu lösen. Bei einem Sieg des Gegners würden die Baselbieter punktemässig zum FCS aufschliessen. (NCH)

Der FC Grenchen ist zwar kein Sion und er kein millionenschwerer Baumagnat, aber immerhin Inhaber eines Spenglerei- und Sanitärgeschäfts. Den Vergleich quittiert Bieri mit einem weiteren Lachen, das zeigt, dass er seine Freude daran hat. Und er fährt mit Humor fort: «Gemeinsam ist, dass wir beide etwas von Fussball verstehen. Der Unterschied zu Constantin ist, dass ich ein goldenes Händchen habe, meine Trainer besser aussuche und sie deshalb auch nicht ständig feuern muss.» Ziel sei es nun, Grenchen wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen. «Ich habe das Amt angenommen, um längerfristig Strukturen aufzubauen und etwas Nachhaltiges zu bewirken», sagt Bieri. «Ich will, dass der FCG mit einer breiten Juniorenbewegung einen sozialen Dienst leistet und dass wieder viele Familien mit Kindern ins Stadion kommen.»

FC Biel als wichtiger Partner

Zum Konzept gehöre auch, die Zusammenarbeit mit dem FC Biel zu festigen. «Diese klappt bereits sehr gut, obwohl sie erst lose geknüpft ist. Wir möchten gerne, dass Biel auch in Zukunft die Spieler zu uns abgibt, die den Sprung in die Challenge League noch nicht ganz geschafft haben. Und im Nachwuchsbereich ist klar, dass Grenchen die grossen Talente in die U-Mannschaften zu Biel geben muss. Wir können diese hier nicht gleich gut fördern.»

Topskorer Cristian Miani ist eine dieser Bieler Leihgaben, und er könnte nach seinen starken Leistungen den Sprung in die Challenge League schaffen. «Es ist so vorgesehen, dass er im Frühling zu Biel zurückkehrt und wir versuchen, für ihn einen Ersatz zu finden», sagt Rolf Bieri. «Aber vielleicht gefällt es ihm bei uns ja so gut, dass er noch ein weiteres halbes Jahr beim FC Grenchen bleiben will.»