Volleyball

Weshalb «Schöni» die NLA-Quali auf dem enttäuschenden Platz sechs beendete

Daniel Rocamora (am Ball) steht sinnbildlich für die Krise von Volley Schönenwerd. Letzte Saison war der spanische Diagonalangreifer noch der Topskorer der NLA, dieses Jahr nicht einmal mehr teamintern der beste Punktesammler.

Daniel Rocamora (am Ball) steht sinnbildlich für die Krise von Volley Schönenwerd. Letzte Saison war der spanische Diagonalangreifer noch der Topskorer der NLA, dieses Jahr nicht einmal mehr teamintern der beste Punktesammler.

«Die sportlichen Highlights sind überschaubar», Daniel Bühlmann, Sportchef von Volley Schönenwerd spricht über die enttäuschende Qualifikation und die allgemeine Lage des Vereins.

«Wir haben keine gute Qualifikation gespielt», stellt Daniel Bühlmann, Sportchef von Volley Schönenwerd, klar. Die Einweihung der Betoncoupe-Arena brachte dem Klub zwar Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

«Die sportlichen Highlights sind dagegen überschaubar», so Bühlmann. Die Niederämter, die im Vorjahr noch Bronze geholt hatten, beendeten die Qualifikation nur auf dem sechsten Platz. Die Gründe für diesen Rückschritt sind laut Daniel Bühlmann mannigfaltig.

Potenzial konnte in der Quali nicht abgerufen werden

Einerseits habe das Team Anfang Saison einige Zeit gebraucht, um das System des neuen Trainers zu adaptieren. «Die Top-Teams der Liga verfügen über eine teilweise deutlich breitere Bank», ergründet Bühlmann weiter. «Einige unserer Spieler konnten das Potenzial in der Quali zudem nicht abrufen. Aus verschiedenen Gründen, die wir zuerst genauer analysieren müssen.»

Was auffällt: 2016/17 war Diagonalangreifer Daniel Rocamora der beste Skorer der gesamten NLA. Heuer war der Spanier nicht einmal teamintern der erfolgreichste Punktesammler. Das Trikot des Topskorers trug bei «Schöni» auch nicht der Este Kristo Kollo, sondern Leandro Gerber. Haben die Ausländer versagt? «Das wäre zu hart ausgedrückt», verneint Bühlmann und unterstreicht die Qualität von Gerber, der sich vor den Ausländern der Liga nicht verstecken müsse. «Rocamora und Kollo haben aber sicher nicht in der Konstanz das abgeliefert, was wir von ihnen erwarten. Das ist nicht wertend gemeint, sondern Fakt.»

Nur ein Sieg gegen Top-Teams

Eine Tatsache ist auch, dass dem Team ein Leader fehlt, bestätigt Bühlmann. Gerber sowie die Söldner, die für diese Rolle prädestiniert wären, seien aber schlicht nicht die Spielertypen, die auf dem Feld emotional explodieren. Auch Zuspieler Leon Dervisaj ist kein solcher Spielertyp. Für den 22-Jährigen war es die erste Saison als Nummer-1-Passeur.

Der Fall auf Platz sechs lässt die Schlussfolgerung zu, dass der Passeur seine Chance nicht genutzt hat. «Mit der Leistung können wir, und auch er selbst, nicht vollständig zufrieden sein», wägt Bühlmann ab. «Es ist aber definitiv nicht so, dass er kein guter Passeur wäre. Und es ist sicher auch nicht seine Schuld, dass wir nur auf Rang sechs stehen.»

Die Lücke war riesig

Die Lücke zwischen Volley Schönenwerd und dem NLA-Spitzentrio ist riesig. Von den neun Spielen gegen Lausanne, Näfels und Amriswil konnte «Schöni» nur eines für sich entscheiden. «Sie verfügen über ein grösseres Budget und können sich auf allen Positionen valable Ersatzspieler leisten», erklärt Bühlmann.

Dies führe zu Stabilität und Konstanz, welche seinem Team gefehlt hätten. Bei den Schönenwerdern mussten junge, unerfahrene Spieler ran, wenn es den Stammkräften nicht lief. Diese hätten ihr Potenzial zwar aufgezeigt und seien ein Versprechen für die Zukunft, lobt Bühlmann. Man könne aber noch nicht von ihnen erwarten, dass sie die Kohlen aus dem Feuer holen.

Verletzungspech

Schliesslich kam auch noch Verletzungspech dazu. «Auf der Mitte-Position gerieten wir unter Druck», so der Sportchef. Der Holländer Fabian Plak fiel schon früh aus und kehrte in seine Heimat zurück. Simon Hofstede hatte praktisch während der gesamten Quali mit den Nachwehen einer Gehirnerschütterung zu kämpfen.

Zuletzt musste auch noch Christoph Hänggi wegen eines Bandscheibenvorfalls passen. Bühlmann lässt die Verletzungen aber nicht als Ausreden gelten. Wegen der Ausfälle während der Saison personell nachzurüsten, kam nicht infrage, stellt er klar. «Wir wollten keine Schnellschüsse. Das Konzept mit der NLB-Mannschaft hat gegriffen. Wir konnten von dort Spieler nachziehen.»

Wenig Hoffnung auf Exploit

Schlimmer als die Distanz zu den besten drei Teams der Liga ist für die Niederämter der Umstand, dass sie auch von Chênois und Luzern überholt wurden. «Das ärgert mich sehr», so Bühlmann. Die Genfer hätten zwar aufgerüstet auf diese Saison hin. Damit seien die zwei Niederlagen in den drei Duellen aber nicht zu rechtfertigen. Gegen Luzern waren die Schönenwerder zweimal siegreich. «Ich verstehe nicht, wieso wir das letzte Spiel verloren haben. Das war schwach.» Wenn Schönenwerd dieses Spiel gewonnen hätte, würde nun im Playoff-Viertelfinal nicht Titelverteidiger Amriswil, sondern Chênois warten. Was die Chancen auf eine Halbfinalqualifikation natürlich deutlich erhöht hätte.

Von den Top-3-Teams sei Amriswil zwar noch das beste Los. Ohne Exploit dürfte es aber ein sehr schwieriges Unterfangen werden. «Die Favoritenrolle gehört ganz klar Amriswil. Ein Weiterkommen wäre eine grössere Überraschung, da bin ich realistisch», blickt Bühlmann voraus. «Da muss definitiv noch etwas passieren, sowohl auf dem Platz als auch in den Köpfen der Spieler.» Nach einem allfälligen Ausscheiden gegen die Thurgauer wäre die Saison aber nicht zu Ende. Die Plätze fünf bis acht werden ausgespielt. Es geht immerhin ums Prestige. «Am schlimmsten wäre es, die Saison einfach fahren zu lassen», so Bühlmann. Er ist überzeugt, dass dies nicht passiert: «Wenn wir im Viertelfinal rausfliegen, holen wir den fünften Platz.» Dies wäre dann doch noch ein guter, oder zumindest ein versöhnlicher Saisonabschluss.

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