Die laute Stimme ist schon von weitem zu hören. Englische Kommandos hallen durch das Schoren-Stadion. Per Hånberg ist in seinem Element. Der schwedische Trainer des SC Langenthal ist gerade dabei, seine Mannschaft auf die Playoff-Halbfinal-Derby-Serie gegen den EHC Olten einzustimmen.

Ab morgen Mittwoch duellieren sich die beiden grossen Rivalen aus dem Mittelland um den Einzug in den Swiss-League-Final. Eine schönere Affiche kann man sich aus lokaler Optik gar nicht vorstellen.

Trainerwechsel muss beobachtet werden

Wenn sich die beiden Teams am Mittwochabend in Langenthal gegenüberstehen, dann gehört das allerdings schon fast zum «Courrant normal». Es wird bereits das neunte Duell in der laufenden Saison sein. Siebenmal traf man während der Qualifikation aufeinander. Dazu noch einmal in der ersten Cup-Runde.

Die Oberaargauer gewannen fünfmal, die Oltner dreimal, darunter den Cup-Match. Gibt es also überhaupt noch irgendwelche Geheimnisse zwischen diesen beiden Mannschaften? «Das glaube ich nicht», sagt Per Hånberg. «Aber wir müssen sicher beobachten, ob sich mit dem Trainerwechsel in Olten etwas verändert hat.»

Favoritenrolle klar verteilt

Schaut man auf die Leistungen während der Qualifikation, ist die Favoritenrolle klar verteilt. Hier die Langenthaler, die sich auf ihr eingespieltes Korsett verlassen können und in der laufenden Saison von grösseren Turbulenzen verschont blieben. Dort der EHCO, der eine Verletzungsmisere, Ausländerochaden, einen Trainerwechsel und eine sportliche Krise zu bewältigen hatte.

Besonders die jüngsten Vergleiche zwischen den beiden Rivalen waren aus Oltner Sicht erschreckend einseitig zugunsten des SCL. Aber auch Per Hånberg weiss, dass die Vergangenheit in den Playoffs nichts mehr zählt: «Am Mittwoch beginnt alles wieder bei null.» Sowieso mache es für die Langenthaler wenig Sinn, sich gross mit dem Zustand des EHC Olten auseinanderzusetzen. «Wir müssen darauf achten, dass wir mit der richtigen Mentalität ans Werk gehen, dass wir unsere Identität finden.»

Wer bleibt cooler?

Trotzdem: Gerade ein Derby hat immer spezielle Vorzeichen, kann immer für überraschende Wendungen sorgen. Besonders, wenn der – gemäss der Papierform – Aussenseiter plötzlich Blut leckt und zum unbequemen Gegner avanciert. Das weiss auch der Langenthaler Trainer: «Vieles wird sich im Kopf entscheiden. Wer bleibt cooler in der Hitze des Gefechts, wer fällt die richtigen Entscheidungen auf dem Eis, wer ist fokussierter? Ich werde den Puls der Spieler fühlen, ihre Temperatur messen.»

Der Schwede mag deshalb auch die grosse Playoff-Erfahrung seiner Mannschaft nicht überbewerten: «Es ist zwar gut, dass wir Spieler in der Mannschaft haben, die wissen, wie man Meister wird. Aber eben: Auch das ist jetzt nur noch Geschichte. Und die sollte man zum jetzigen Zeitpunkt auch auf der Seite lassen.»

ehco

EHCO-Stürmer Martin Ulmer freut sich über seine ersten Playoff-Treffer.

EHCO-Stürmer Martin Ulmer freut sich über seine ersten Playoff-Treffer.

«Mittelland-Derby-Feeling» soll noch kommen

Per Hånberg, der vor seinem Jobantritt in Langenthal weder in der Schweiz gespielt noch eine Mannschaft trainiert hatte, brauchte nicht lang, um die spezielle Beziehung zwischen dem SCL und dem EHC Olten zu erkennen: «Es wurde mir schnell klar, dass zwischen den Klubs eine Rivalität herrscht, weil wir schon zu Beginn der Saison zweimal gegeneinander spielten.»

Der 51-Jährige erzählt, dass er in seiner Heimat Stockholm diesen Konkurrenzkampf unter den lokalen Klubs auch schon hautnah erlebt habe. «Da waren drei Klubs auf engstem Raum beheimatet. Man wollte diese Spiele natürlich unbedingt gewinnen.» Klar deshalb auch, dass bei Hånberg das «Mittelland-Derby-Feeling» noch nicht im selben Mass in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das könnte sich nach der kommenden Playoff-Serie aber ändern.