Eishockey

Wenn die Überzahl zum Handicap wird: Olten verliert auch das zweite Spiel

In die Schranken gewiesen: Oltens Philipp Wüst (l.) wird von Lausannes Paul Savary abgedrängt. Keystone

In die Schranken gewiesen: Oltens Philipp Wüst (l.) wird von Lausannes Paul Savary abgedrängt. Keystone

Die Oltner liegen nach der 3:5-Niederlage auswärts in Lausanne in der Finalserie jetzt mit 0:2 im Hintertreffen. Dabei schafften es die Gäste zu selten, Druck auf die starken Waadtländer aufzubauen.

Nachdem man die erste Finalpartie gegen den HC Lausanne zu Hause dominiert und das Spiel im Penaltyschiessen auf ärgerlichste Art und Weise verloren hatte, ging der LHC gestern in der Malley als absolut verdienter Sieger vom Eis. Der EHCO hatte dem robusten, aber irgendwie auch minimalistischen Auftritt praktisch währen des ganzen Spiels nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen, und doch konnte man die Partie resultatmässig lange Zeit offen halten. Zwei Punkte waren ausschlaggebend für den letztlich deutlichen 5:3-Sieg der Waadtländer. So waren die besten Playoff-Scorer der Gäste gestern praktisch unsichtbar.

Es ist bezeichnend, dass Roman Schild in seinem ersten Vollzeit-Einsatz nach mehr als zwei Monaten zu den aktivsten und gefährlichsten Oltnern gehörte. Genauso entscheidend war aber das erneute kollektive Versagen im Powerplay. «Das ist wirklich katastrophal», wollte Schild nichts beschönigen, «wir gehen nicht für einander und bescheren dem Gegner immer wieder Überzahlsituationen. So kann man das gegen Lausanne einfach nicht spielen.» Dabei hatte es zu Beginn danach ausgeschaut, als ob die Gäste das Spiel an sich reissen würden. Lausanne schaffte es in den ersten fünf Minuten kaum aus der eigenen Zone und sah sich noch vor Ablauf der ersten Spielminute mit einem Rückstand konfrontiert. Patrick Parati spielte die Scheibe mit einem Lob ins gegnerische Drittel, wo Ganz mit einem kräftigen Schuss aus zentraler Position zur frühen Führung traf. Schade nur, dass die Oltner a) nicht gleich einen weiteren Treffer nachlegten - die Chancen dazu wären vorhanden gewesen - und sich b) plötzlich den Schneid abkaufen liessen. Die letzte Konsequenz fehlte plötzlich bei Grünweiss, und da liess sich Lausanne nicht zweimal bitten.

Gegner nutzt Schwächen

Ihnen, die keine Möglichkeit ungenutzt verstreichen liessen, den Gegner mit ein paar blauen Flecken vom Eis zu arbeiten, kam das frühe Nachlassen natürlich entgegen. 86 Sekunden benötigten sie, um das Spiel auch resultatmässig zu drehen und folglich den ersten Abschnitt mit 2:1 zu ihren Gunsten zu gestalten. «Wir müssen ganz klar aggressiver spielen, mehr wollen», forderte der erste Torschütze der Partie ein ganz anderes Auftreten, und Schild legte nach: «Wir haben uns wieder selber geschlagen, angefangen beim haarsträubenden Fehler vor dem 1:1. Wir wüssten genau, wie wir es spielen müssten - so, wie wir bislang gegen Lausanne aufgetreten sind, ist es jedenfalls nicht möglich, gegen sie zu gewinnen.» Die Gäste fanden nach der Pause den Rank allerdings wieder einigermassen. Zwar blieb Lausanne physisch überlegen, doch Olten näherte sich punkto Aggressivität dem Gegner an und spielte deutlich weniger kompliziert aus der eigenen Zone. So langsam hatte man sich auf das permanente und kräfteraubende Forchecking des LHC eingestellt und bugsierte die Scheibe vermehrt auf dem direkten Weg nach vorne - anstatt den einen Querpass zu viel zu riskieren. Und dennoch: Nach dem Ausgleich roch es in der mit 7528 Zuschauern bereits sehr gut gefüllten Malley nicht unbedingt. Zum einen, weil die Oltner Offensive im Abschluss zu ungenau agierte und Bays mit den Schüssen leichtes Spiel hatte. Zum anderen, weil Tschuor die Scheibe in der 33. Minute zwar cool, aber dennoch in extremis von der Linie kratzte und damit das sicher geglaubte 3:1 verhinderte.

Völlig von der Powerplayrolle

Es war das Ende einer Lausanner Druckphase, welche die Gäste durchaus als Weckruf verstanden. Denn nur eine Zeigerumdrehung später traf Roman Schild von der blauen Linie via Lattenunterkante zum Ausgleich. Der Rückkehrer, der gestern gleich in zwei Linien regelmässig Eiszeit erhielt («Ich wurde sozusagen reingeworfen, doch das war vor dem Spiel so abgesprochen.») und im weiteren Playoff-Konzept von Trainer Scott Beattie offenbar seine wichtige Rolle spielen soll, war der eine Protagonist des mittleren Abschnitts - der andere Colby Genoway. Auch er erst kürzlich von einer Verletzung genesen, hatte (wie Schild) gestern seine ersten Einsätze im Final und deutete seine Gefährlichkeit immer wieder an. Zum Beispiel in der 35. Minute, als er eine Zauberkombination mit einer Drehung einfädelte, an deren Ende aber knapp an Tobler scheiterte.

Ungeschicktes Schlussdrittel

So positiv - und auch ein wenig glücklich - die zweiten zwanzig Minuten für die Gäste verstrichen waren, so ungeschickt präsentierten sie sich gleich zu Beginn der letzten Spielperiode. Anstatt im gleichen Stil weiterzumachen, vertändelte man die Scheibe an der Bande, stand auf dem offenen Eis zu wenig nahe beim Gegner und geriet schon in der 42. Minute wieder in Rückstand. Jetzt kochte es in der Halle endgültig, und die Gäste fanden kein Rezept mehr, sich aussichtsreich vor Bays zu spielen. Wie es hätte funktionieren können, zeigte Tschuor in der 55. Minute. Er setzte sich an der Bande energisch durch, brachte die Scheibe aufs Tor, doch niemand, wie so oft, stand für den Abpraller bereit. Hinzu kam, auch gestern wieder, das inexistente Powerplay der Oltner. Zwar wäre Cormier im Slot vier Minuten vor Schluss für einmal goldrichtig gestanden, doch dies war denn auch die einzig (!) richtige Chance mit einem Mann mehr - bei immerhin fünf Möglichkeiten. Die besten Abschlüsse gehörten, wie am Dienstag, sogar dem Gegner, doch sowohl Genoway als auch Berthon scheiterten alleine vor Tobler.

Zwar brachte Playoff-Topscorer Derek Cormier 94 Sekunden vor Schluss noch einmal Spannung ins Spiel zurück, doch zu spät. LHC-Captain Conz liess sich in der letzten Spielminute nicht zweimal bitten und sorgte mit dem 5:3 ins verwaiste EHCO-Gehäuse für die definitive Entscheidung. «Die Hoffnung, die Serie zu drehen, ist noch immer zu hundert Prozent vorhanden», meinte Roman Schild zwar nach Spielschluss, «doch wenn wir die vielen negativen Sachen nicht abstellen können, dann wird es schwierig.»

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