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Wenn die Schminke weg ist: Der EHC Olten geht im Derby gegen Langenthal 1:4 unter

Die Siegesserie des EHC Olten geht im Derby gegen den SC Langenthal auf blamable Weise zu Ende. Mit einer schwachen Teamleistung verliert der EHCO gegen den Meister 1:4. Das einzige Oltner Tor schoss Martin Ulmer.

Marcel Kuchta
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Brutale Bauchlandung: Oltens Chris Bagnoud (r.) gegen Langenthals Stefan Tschannen.HR Aeschbacher

Brutale Bauchlandung: Oltens Chris Bagnoud (r.) gegen Langenthals Stefan Tschannen.HR Aeschbacher

Hansruedi Aeschbacher

Neunmal in Serie hatte der EHC Olten vor dem dritten Meisterschafts-Derby der laufenden Saison gewonnen. Er hatte dabei nur selten vollumfänglich überzeugt und sich den einen oder anderen Sieg mit viel Glück ermogelt. Oder anders ausgedrückt: Die neun Siege waren wie Schminke, die die vorhandenen Baustellen der Mannschaft von Headcoach Bengt-Ake Gustafsson grosszügig übertünchten.

Gestern nun, kam der SC Langenthal ins Kleinholz und brachte – im übertragenen Sinne – die Kleenex-Box mit den Abschminktüchern mit. Der grosse Rivale hatte die Defizite der Powermäuse schon beim 7:2-Heimsieg – übrigens die letzte Oltner Niederlage vor der Erfolgsserie – gnadenlos aufgezeigt. Fast einen Monat später erlebte der EHCO nun vor heimischer Kulisse ein Déja-Vu der ganz bitteren Sorte.

Der SC Langenthal, der mit Jeff Campbell und Claudio Cadonau sowohl auf seinen besten Stürmer als auch auf seinen besten Verteidiger verzichten musste, dominierte seinen Kontrahenten nach allen Regeln der Kunst – und sorgte dafür, dass die Schminke verschwand – und dass eine ziemlich hässliche Fratze zum Vorschein kam.

Den Betrieb eingestellt

Was, um Gottes Willen, war nur mit dem EHC Olten los? Die Powermäuse hatten früh einen guten Moment, als Stan Horansky nur die Latte des Langenthaler Tors traf. Danach stellten die Oltner aber ihren Betrieb ein. Auf dem Eis agierte nur noch eine Mannschaft: Der Gast aus dem Oberaargau, der immer wieder wie durch Butter in die Zone der Oltner kam.

Die Gustafsson-Boys agierten in der Defensive unfassbar passiv und zögerlich und verloren entsprechend auch fast jeden Zweikampf. Und im Spiel nach vorne blieben zwei ankommenden Zuspiele in Serie die Ausnahme.

«Das war ein durch und durch uninspirierter und arroganter Auftritt von uns. Vielleicht hatten wir nach unseren neun Siegen in Serie das Gefühl, wir seien ‹Siebesieche›», fand EHCO-Captain Cédric Schneuwly deutliche Worte für die blamable Darbietung der Mannschaft.

Die logische Konsequenz all dieser Unzulänglichkeiten war, dass die Langenthaler am Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Drittels innert 143 Sekunden auf 3:0 davonzogen. Erst degradierte «Schnellzug» Mike Völlmin die beiden Oltner «Dieselloks» Barbero und Horansky zu Statisten.

Dann nutzte Jeffrey Füglister zweimal die unglaublichen Freiheiten, die ihm vor dem EHCO-Tor gewährt wurden, zu den Treffern Nummer zwei und drei. Nach 40 Minuten lautete das Schussverhältnis 31:8 (!) zu Gunsten der überlegenen Langenthaler.

Dank Martin Ulmers Glückstor im Powerplay hatten die Oltner sogar noch eine leise Hoffnung, doch noch irgendwie ins Spiel zurückzukommen. Doch diese Hoffnung löste sich schon nach etwas mehr als einer Minute im Schlussdrittel wieder in Luft auf, als Yves Müller via Lattenunterkante zum 1:4 traf.

Die ungeschminkte Wahrheit

Alles andere als eine klare Niederlage wäre für den EHC Olten am gestrigen Abend allerdings ein zu guter Lohn gewesen. Nach den neun Siegen in Serie kam gegen den SC Langenthal die ungeschminkte Wahrheit ans Tageslicht. Der EHCO ist noch bei weitem nicht so gut, wie man es sich wünschen würde. Gut, kommt diese Erkenntnis jetzt, kurz vor der Nationalmannschaftspause.

«Es tönt blöd: Aber manchmal tut so eine bittere Niederlage gut. Schade, ist es schon wieder gegen Langenthal passiert. Aber die Langenthaler sind Meister und haben uns einmal mehr gezeigt, was es braucht, wenn wir auch dorthin wollen», befand Schneuwly.

Gustafsson weiss spätestens jetzt, dass ihm noch sehr viel Arbeit bevorsteht, soll der EHCO in Bestform in den Playoffs auftreten. Die Trainerkünste des Schweden sind jetzt gefordert.

Zum Beispiel muss er dringend eine Lösung finden, wie er eine Sturmlinie um den neu verpflichteten Jay McClement bauen kann. Die aktuelle Variante mit Tim Stapleton und Jewgeni Schirjajew auf den Flügeln funktioniert nicht – zumal McClement offensichtlich immer noch Mühe hat, seine Rolle zu finden.

Und vor allem ist Stapleton unter diesen Voraussetzungen ein Nullfaktor – so wie gestern die ganze Mannschaft.

Olten - Langenthal 1:4 (0:2, 1:1, 0:1)

Kleinholz. – 4797 Zuschauer. – SR: Tscherrig/Weber (Altmann/Gurtner). – Tore: 18. Völlmin (Colin Gerber) 0:1. 20. (19:42) Füglister (Tschannen, kelly) 0:2. 21. (20:23) Füglister (DalPian, Pienitz) 0:3. 37. Ulmer (Barbero, Horansky/Ausschluss Tschannen) 1:3. 42. Müller (Tschannen, Kelly) 1:4. – Strafen: 8-mal 2 Minuten gegen Olten. 8-mal 2 Minuten gegen Langenthal.

Olten: Mischler; Bagnoud, Fröhlicher; Zanatta, Barbero; Bucher, Rouiller; Wyss, Scheuwly, Huber; Horansky, Mäder, Ulmer; Schirjajew, McClement, Stapleton; Muller, Heughebaert, Aeschlimann; Leonelli.

Langenthal: Mathis; Rytz, Müller; Colin Gerber, Pienitz; Ahlström, Christen; Tschannen, Kummer, Kelly; Füglister, Dünner, DalPian; Schommer, Himelfarb, Leblanc; Tom Gerber, Hess, Loosli.

Bemerkungen: Olten ohne Grieder, Lüthi, Duarte, Vesce, Hirt, Truttmann, Matter (alle verletzt), Vodoz und Sahli (überzählig). Langenthal ohne Marti, Pivron, Campbell, Trüssel, Cadonau, Nffeler und Wyss (alle verletzt). 4. Lattenschuss Horansky. Cyrill Aeschlimann wir vor dem Spiel für seinen 715. Meisterschaftseinsatz für den EHC Olten geehrt.

Lesen Sie hier den Spielverlauf im Liveticker nach:

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