Handball
Wenn der Sieg für einmal speziell wäre

Oltens Neuzugang Jessica Guy geht mit Respekt in die Achtelfinal-Partie im Schweizer Cup gegen Uster.

Achim Günter
Drucken
Teilen

Die Oltnerinnen sind derzeit in der 2. Liga völlig unterfordert. Ihre bemitleidenswerten Gegnerinnen kassieren meist Kanterniederlagen. Dem direkten Wiederaufstieg in die 1.Liga nähert sich das Team des Trainerduos Kerem Yildirim / Martin Kieser mit grossen Schritten. Und im Schweizer Cup steht der HVO als Zweitligist im Achtelfinal. Einer der Gründe, weshalb Olten in dieser Saison noch nie als Verlierer vom Feld musste, heisst Jessica Guy. Die bald 22-jährige Ostaargauerin mit englischen Wurzeln hatte die letzte Saison noch in der NLA begonnen. Im vergangenen Januar jedoch schloss sie sich den Oltnerinnen an, für die sie aber in der Abstiegssaison keine Spielberechtigung mehr erhielt.

Von der NLA in die 2. Liga

Rückraumspielerin Guy, deren Stammverein Würenlingen ist, war in der Saison 2008/09 als Schlüsselfigur mit dem TV Zofingen in die NLA aufgestiegen. Nach einem Kreuzbandriss Ende Saison hatte sie sich danach ins Team zurückgekämpft und zum Ligaerhalt der Thutstädterinnen beigetragen. Guy, die im letzten Sommer die Sportkanti in Aarau abschloss und jetzt in Zofingen an der Pädagogischen Hochschule studiert, schloss sich vor allem aus persönlichen Gründen dem HVO an. Mit Tania Cantos und Melanie Maurer spielen zwei frühere Teamkolleginnen in Olten. Aber auch den sportlichen Ehrgeiz hat sie noch nicht gänzlich abgelegt: «Ich wusste, dass es auch leistungsorientiert sein würde.» Fürwahr: Unter dem ehrgeizigen Trainerneuling Yildirim wird dreimal wöchentlich trainiert, und das Saisonziel ist klar formuliert: sofortige Rückkehr in die 1. Liga.

Guy ist bewusst, dass sie derzeit eigentlich in der falschen Liga spielt. Unbescheiden formuliert sie: «Vom Handballtechnischen her bin ich ziemlich überlegen, aber ich bin da, um das Team weiterzubringen und eine Führungsrolle zu übernehmen.» Eine solche übernahm sie beispielsweise im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups gegen das NLB-Team Malters. 11 Treffer steuerte sie beim überraschenden 26:17-Erfolg bei. Sie gibt zu, dass sie im Cup schon etwas motivierter angetreten sei als jeweils in der Meisterschaft.

Ob auch in der nächsten Runde, am kommenden Dienstag gegen den NLA-Siebten Uster, ein Weiterkommen drinliegt? Eine realistische Chance auf den Sieg sieht Guy nicht. «Uster ist ein schwerer Gegner – schon immer gewesen», erinnert sie sich. «Mit schnellem Handball können wir vielleicht einigermassen mithalten.» Der grosse Vorteil des HVO sei, dass er im Gegensatz zu Uster keinen Druck habe. «Sie müssen gewinnen, wir nicht.» Amüsiert hat Guy zur Kenntnis genommen, dass Uster die Achtelfinal-Partie offenbar keineswegs auf die leichte Schulter nimmt. Am vergangenen Samstag in Oltens Meisterschaftspartie gegen Aarburg/Oftringen/Rothrist (31:22) hat eine Ustermer Delegation Videoaufnahmen gemacht. Guy hofft, dass Uster falsche Schlüsse zieht und Olten unterschätzt – so, wie es Malters getan hatte.