Playoffs

Wenn das Kleinholz zum Tollhaus wird: Der EHC Olten holt gegen Thurgau einen 0:3-Rückstand auf und gewinnt 4:3 nach Verlängerung

Der EHC Olten gewinnt vor heimischem Publikum das fünfte Playoffspiel gegen den HC Thurgau nach einer sensationellen Wende 4:3 nach Verlängerung. Nun führen die Oltner die Serie 3:2 an und können am Freitag mit einem Auswärts-Sieg in den Playoff-Halbfinal einziehen.

Was ist das für eine verrückte Playoff-Serie! Der EHC Olten und der HC Thurgau tun alles, um die Nervenkostüme ihrer Fans an die Grenzen des Erträglichen zu führen.

Am Sonntag erst das unglaubliche Comeback der Thurgauer vom 2:5 zum 6:5-Sieg nach Verlängerung. Und nun zahlten es die Oltner den Ostschweizern mit derselben Münze heim: Sie machten aus einem 0:3-Rückstand ihrerseits einen 4:3-Sieg nach Verlängerung.

Bereits nach 14 Sekunden in der Overtime traf Jewgeni Schirjajew ins lange Eck des Thurgauer Tors und verwandelte das Kleinholz-Stadion endgültig in ein Tollhaus. Hühnerhautstimmung, Playoff-Atmosphäre – Eishockey-Herz, was willst du mehr?

Video EHCO - Thurgau 4:3 n.V.

Apropos Publikum: EHCO-Trainer Chris Bartolone kam nach dem Spiel nicht darum herum, die etwas mehr als 4000 Zuschauer in der Arena zu loben: «Wie sie uns nach dem ersten Treffer im letzten Drittel angefeuert haben, hat uns unglaublich viel Energie gegeben. Ich möchte mich an dieser Stelle für die grossartige Unterstützung bedanken.»

In der Tat war es beeindruckend, wie der Funke von den Tribünen förmlich auf das Eis übersprang. Es brauchte dazu aber die Initialzündung in Form von MacGregor Sharps Treffer zum 1:3 nach etwas mehr als 50 Spielminuten.

Auch Bartolone hatte dieses erste Tor hinter der Spielerbank förmlich herbeigesehnt: «Ich habe die ganze Zeit gefragt: Wer gibt uns diesen Treffer?»

Sharp verbannte den Torfluch

Als der Torfluch endlich gebannt war, blieben noch exakt 9 Minuten und 58 Sekunden zu spielen. Und dann gab es kein Halten mehr. Die Mannschaft, die im ersten Drittel unglücklich mit 0:2 in Rückstand geraten war und spätestens nach dem 0:3 im Mitteldrittel langsam aber sicher den Glauben an eine Wende zu verloren haben schien, bäumte sich noch einmal mächtig auf.

Eine Qualität, die bis vor wenigen Tagen noch kaum sichtbar gewesen war. «Aber jetzt merkt man, dass wir ein Team sind. Dass die Spieler zusammenhalten. Dass sie akzeptieren, wenn ich sie während einer Partie mal pausieren lasse», fasst Bartolone den Sinneswandel in seiner Mannschaft in Worte.

Auf jeden Fall hatten die Thurgauer dem Oltner Powerhockey nach dem 1:3 nichts mehr entgegenzusetzen. Welle um Welle rollte auf das Tor von Jannick Schwendener zu.

Und wenn man unablässig den Weg nach vorne sucht und die Scheibe auf den gegnerischen Kasten bringt, dann kommt – so zeigt es die Erfahrung – eher früher als später die Belohnung.

Der einmal mehr überragende Silvan Wyss (56.), welcher in seiner Topskorer-Ausrüstung förmlich aufzublühen scheint und Stan Horansky (58.) sorgten für den Ausgleich, an welchen wohl nur noch die grössten Optimisten geglaubt hätten. Selbst wenn Thurgau drei Tage zuvor Anschauungsunterricht gegeben hatte.

Bartolones Euphoriebremse

Nach Jewgeni Schirjajews Siegtreffer war das aber sowieso alles egal. Die Spieler wurden von den begeisterten Zuschauern gefeiert, genossen die verdienten Ovationen in vollen Zügen.

Doch auch im Moment des Triumphs trat Chris Bartolone zurecht auf die Euphoriebremse.

Auch er weiss, dass diese Viertelfinalserie noch lange nicht gewonnen ist. «Es braucht vier Siege, um eine Runde weiterzukommen. Und ich bleibe dabei: Man darf nie zu hoch fliegen, aber auch nicht zu tief sinken.»

Klar ist aber, dass der EHCO nach diesem fantastischen Comeback alle Vorteile auf seiner Seite hat. Zumal man in einem allfälligen, siebten Spiel am kommenden Sonntag auch noch Heimvorteil hätte. «Und man hat gesehen, wie wichtig es sein kann, vor eigenem Publikum zu spielen», unterstrich Bartolone.

Fest steht: In dieser verrückten Playoff-Serie ist immer noch alles möglich. Aber schon jetzt darf man mit recht behaupten, dass die Zuschauer für die zahlreichen mühsamen Spiele während der Qualifikation bereits bestens entschädigt wurden. Und es darf gerne weiter gehen.

Lesen Sie die Partie im Liveticker nach:

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