Curling
Weltmeisterin Carmen Küng auf dem Weg nach Sotschi

Die Schweizer Curling-Teams beschreiten ungewohnte Wege, um den Olympia-Traum zu realisieren. Der Gigathlon gehörte ebenso zur Vorbereitung wie ein gemischtes Trainingslager und eine Reise nach Sotschi.

Andreas Fretz
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Mirjam Ott, Carmen Schäfer, Carmen Küng und Janine Greiner, Spielerinnen des Schweizer Curling Olympiateams.

Mirjam Ott, Carmen Schäfer, Carmen Küng und Janine Greiner, Spielerinnen des Schweizer Curling Olympiateams.

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Derart intensiv hat sich noch nie eine Schweizer Curling-Delegation auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Der Weg nach Sotschi folgt einem minuziösen Plan. «Wir können von den Teams nicht einfach verlangen: ‹Fahrt nach Sotschi und bringt eine Medaille heim›», begründet Nationalcoach Andreas Schwaller. Unterstützung musste her. Um das Davoser Frauenteam mit Skip Mirjam Ott und die Adelbodner Männer mit Skip Sven Michel wurde eine schlagkräftige Truppe geformt. 16 Personen umfasst die Schweizer Curling-Delegation: vom Sportpsychologen über die Physiotherapeutin bis hin zum Trainerstab und den Ersatzspielern.

Mit an Bord ist auch jede Menge Know-how aus der Region Solothurn. Nationalcoach ist Andreas Schwaller. WM-Silber 2001, Olympia-Bronze 2002 und der EM-Titel 2006 waren die herausragenden Erfolge des gebürtigen Solothurners, der 2009 vom Aktivsport zurücktrat. Teamcoach der Adelbodner ist Robert Hürlimann aus Nennigkofen. Der 46-Jährige wurde 1992 in Albertville Olympiasieger, als Curling noch Demonstrations-Sportart war. Teammanager ist der Oberaargauer Christoph Zysset. Und natürlich die Frau, die es auf dem Eis richten soll: Carmen Küng aus Feldbrunnen, Second im Team Davos.

Die 35-Jährige hat an Europameisterschaften bereits fünf Medaillen gewonnen und wurde 2012 mit Mirjam Ott Weltmeisterin. Das Ziel in Sotschi 2014: eine Olympia-Medaille. Für Küng wäre es die erste, für Ott bereits die dritte. Sie wäre damit die erste Frau mit drei Olympischen Curling-Medaillen.

Die Enttäuschung von Vancouver, als es nur für Platz vier reichte, ist abgehakt. «Wir waren schon damals gut auf das Grossereignis vorbereitet», sagt Küng, «aber für Sotschi sind wir noch besser gerüstet.» Erstmals trainieren die Frauen und Männer auch gemeinsam. «Seit dem 1. Juli leben wir als Vollprofis», sagt Männer-Skip Sven Michel. Die Frauen arbeiten maximal ein bis zwei Tage pro Woche. «Ohne das Entgegenkommen meines Arbeitgebers wäre dieser Aufwand für Sotschi nicht möglich», sagt Pflegefachfrau Küng.

Im Juli bestritt die gesamte Curling-Delegation den Gigathlon. «Es ging um Teambildung, um eine physische Standortbestimmung und um das Verlassen der Komfortzone», sagt Schwaller, und fügt mit einem Lächeln an: «Sieben Nächte im Zelt, sieben Tage Toi-Toi-Häuschen und sieben Tage ohne Strom und Natel.»

In Adelboden trainierten die Teams eine Woche auf dem Eis. Die Männer profitierten von der Routine der Frauen, die Frauen von der jugendlichen Unbekümmertheit der Männer. Und wer curlt besser? Carmen Küng zögert und lächelt: «Unentschieden.» Mirjam Ott meint: «Bei Spielen über die volle Distanz würden die Männer wohl acht von zehn Partien gewinnen», worauf Adelbodens Claudio Pätz kontert: «Natürlich würden wir zehnmal gewinnen, aber weil wir höflich sind, überlassen wir den Frauen zwei Siege.»

Vor dem Trainingslager in Adelboden weilten die beiden Teams drei Tage in der Olympiastadt Sotschi. «Wir wissen, wie das Stadion aussieht, wir wissen, wo wir schlafen werden und wir wissen, wo die Medaillen übergeben werden», heisst es aus dem Schweizer Lager.

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