Ski Nordisch
Weltcupsieger Tim Hug: «Noch interessieren sich die Sponsoren gleich null»

Tim Hug erntete mit seinem ersten Weltcup-Sieg den Lohn für seine zahlreichen Entbehrungen. Der 26-jährige Gerlafinger hofft auf die nachhaltige Wirkung seines Erfolges, sowohl in finanzieller als auch in personeller Hinsicht.

Dean Fuss
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Für Emotionen wie diese schuften Athleten während der Zwischensaison monatelang im Kraftraum und auf der Laufstrecke. Und dann kommen sie manchmal so plötzlich, dass man sie kaum einzuordnen vermag. Der Solothurner Nordisch-Kombinierer Tim Hug hat sich am vergangenen Samstag mit seinem Sieg im Weltcup in Russland einen Traum erfüllt. «Es ist wahnsinnig, was passiert ist», sagt der 26-Jährige.

Auf der offiziellen Website des Internationalen Verbandes FIS wurde Hug Anfang Woche auch noch zum Kombinierer der Woche erklärt.

Mittlerweile ist der Gerlafinger aus dem rund 1000 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Tschaikowski an seinen Trainings- und Wohnort Einsiedeln zurückgekehrt. Sein historischer Sieg – der letzte Schweizer Weltcup-Sieg bei den Kombinierern geht auf Hippolyt Kempf und das Jahr 1994 zurück – ist aber auch in der Schweiz allgegenwärtig: «Das hat extreme Reaktionen ausgelöst.»

Vorher seien sein Sport und er selber in den Medien nur als Randnotiz ein Thema gewesen, nun sei enorm viel auf ihn zugekommen – praktisch von null auf hundert. «Das ist schon nicht so einfach, aber im Moment geniesse ich das auch», sagt Hug.

Wichtig für die Sponsorensuche

Nun hofft der 26-Jährige auf einen möglichst nachhaltigen Effekt seines Erfolgs. Die aktuell grosse Präsenz in den Medien ist vor allem auch für das Interesse allfälliger Sponsoren sehr wertvoll. Und genau in diesem Bereich krankt es beim Kombinierer: Neben den vom Verband Swiss Ski verkauften Werbeflächen hätte Hug selber deren zwei für eigene Sponsoren zur Verfügung. «Das Interesse daran ist gleich null», sagt er. Im vergangenen Sommer hat er diverse Unternehmen für Unterstützung angefragt, die Antwort waren lauter Absagen.

Während die Kosten für Trainings, Wettkämpfe oder Material vom Verband getragen werden, erhält Hug weder von Swiss Olympic noch von Swiss Ski finanzielle Unterstützung für sein Leben.

Trotzdem muss er irgendwie auch seine Ausgaben für Wohnung, Versicherungen oder das Essen begleichen. Unterstützt wird er dabei von den Mitgliedern seines persönlichen Supporter-Klubs.

Als einzige eigenständige Einnahmequelle bleiben Hug daher Preisgelder. Diese sind aber naturgemäss direkt von seiner Form abhängig. Zudem sind die Preisgelder bei den Kombinierern nicht übermässig hoch. «Der Sieger erhält rund 8000 Franken Preisgeld, davon wird aber von den Austragungsstaaten die jeweilige Steuer noch direkt abgezogen», sagt Hug.

Wichtig für den Nachwuchs

Aber nicht nur für die Sponsorensuche sind positive Resultate wichtig, sondern auch für die Suche nach dem Nachwuchs. Seit den Rücktritten seines Weltcup-Teamkollegen Seppi Hurschler und zwei weiteren Trainingspartnern im vergangenen Sommer gilt: Hug gleich Schweizer Team – sowohl im Weltcup als auch im Training.

«Vor allem im Sommertraining ist das sehr hart», sagt Hug. Die Motivation alleine aufrecht zu erhalten sei nicht immer einfach gewesen. Deshalb stand für ihn im Sommer auch der eigene Rücktritt als Möglichkeit im Raum. «Der Ausblick auf Sotschi hat mich aber nochmals motiviert», sagt er.

Ob Hug seine Karriere nach der laufenden Saison fortsetzt, ist für ihn derzeit noch nicht klar: «Ich werde Ende Saison bilanzieren und dann entscheiden, ob ich eine weitere Saison anhänge oder nicht.»

Weitere Erfolgserlebnisse in der noch laufenden Saison könnten Hugs Entscheid über die sportliche Zukunft also durchaus beeinflussen. Und wer weiss, vielleicht gelingt ihm ja auch an den Olympischen Spielen ein Exploit. Er selber denkt aber noch nicht so weit voraus. Vorerst stehen nun noch weitere Wettkämpfe im Weltcup an, übermorgen Samstag im französischen Chaux Neuve.