Fussball
Welschenrohr in voller Fahrt Richtung 2. Liga

Welschenrohr gewinnt das hart umkämpfte Thaler Derby gegen Klus/Balsthal mit 1:0 und qualifiziert sich für die Aufstiegsspiele für die 2. Liga.

Hans Peter Schläfli
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Welschenrohrs Manuel Müller im Zweikampf mit dem Balsthaler Sascha Berger.
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Spitzenspiel der Solothurner 3. Liga: Welschenrohr - Klus/Balsthal
Welschenrohrs Michael Uebelhart stoppt den Balsthaler Denis Kostadinovic mit einem Foul.
Der Balsthaler Sascha Berger wird von Welschenrohrs Captain Manuel Müller bedrängt.
Deniz Mendi (Balsthal) und Claudio Stampfli (Welschenrohr) im Kopfballduell.
Schiedsrichter Jovan Jankovic.

Welschenrohrs Manuel Müller im Zweikampf mit dem Balsthaler Sascha Berger.

Hans Peter Schläfli

Welschenrohr und Klus/Balsthal sind Erzrivalen – und sie arbeiten bei der Nachwuchsförderung eng zusammen. Man kennt sich fast zu gut, was bei den Nachbarderbys für zusätzlichen Zündstoff sorgt, vor allem, wenn es wie am Samstag um alles oder nichts geht – oder genauer gesagt um die Qualifikation für die Aufstiegsspiele.

Entsprechend ging es von der ersten Minute an mit vollem Einsatz zur Sache. Welschenrohr kam athletisch besser daher und setzte auf seine geradlinigen Tempovorstösse und hohe Bälle. Klus/Balsthal zeigte filigraneren Fussball, hielt den Ball flach und versuchte Deniz Mendi, den ehemaligen Profi des FC Basel, in Abschlussposition zu bringen.

Der Kampf dominierte. Chancen gab es auf beiden Seiten nur wenige, bis in der 70. Minute die Entscheidung fiel. Klus/Balsthal war in der Defensive für einen Moment nicht aufmerksam. Burim Musiqi und Fabian Furrer nutzten den Freiraum und spielten zusammen gekonnt das 1:0 heraus.

Der Vater als Schiedsrichter, der Sohn als Sünder

Dann traf das ein, was wohl so ziemlich der grösste Alptraum eines Schiedsrichters sein muss: In der 76. Minute geht Ernst Christen während eines Unterbruchs laut schreiend zu Boden und reklamiert eine Tätlichkeit, die Borislav Jankovic begangen haben soll. «Ich war gerade dabei etwas zu notieren und habe nicht gesehen, was da passiert ist», bat Schiedsrichter Jovan Jankovic sofort für alle hörbar um Entschuldigung – denn es war ausgerechnet sein Sohn, der da weit weg vom eigentlichen Geschehen gesündigt haben soll.

Was wirklich passiert war, das wissen wohl nur die beiden Streithähne selber, denn die Blicke der Zuschauer gingen in eine ganz andere Richtung. Der Schiedsrichter versuchte so gut es ging die Wogen zu glätten. Die Emotionen kamen nach etwa fünf Minuten «Gstürm» wieder auf ein erträgliches Level zurück. Und das Derby zwischen Welschenrohr und Klus/Balsthal konnte weitergehen. Viel passierte nicht mehr, Welschenrohr schaukelte den Sieg recht souverän über die Zeit.

Ein Zuschauer als Schiedsrichter

Aber wie kann es überhaupt soweit kommen, dass ein Vater ein Spiel der Mannschaft seines Sohnes leitet, in welchem es erst noch um so viel ging? Der eigentlich aufgebotene Schiedsrichter hatte sich verletzt abgemeldet, aber die Aufgebotsstelle des Solothurner Fussballverbandes verpasste es, einen Ersatz nach Welschenrohr zu schicken. «Ich wollte mir nur den Match meines Sohns anschauen», erklärte Jankovic in der Pause die Situation. «Beide Teams wünschten, dass ich einspringe und ein junger Schiedsrichter aus dem Dorf hat mir seine Ausrüstung geliehen.» Nur dank Jovan Jankovic konnte also das Thaler Derby mit rund 20 Minuten Verspätung überhaupt angepfiffen werden.

Die neue Führung ist auf gutem Weg, Klus/Balsthal nach dem tiefen Fall vom hohen Ross wieder zu einem respektierten und erfolgreichen Verein zu formen. «Für uns muss es das Ziel sein, wieder in der Solothurner 2. Liga zu spielen», zog Trainer Fredi Bargetzi am Ende seine Bilanz. «Aber heute stimmte die Tagesform nicht, das war nicht gut genug um sich die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zu verdienen.»

Bargetzi rechnet nicht damit, dass Gerlafingen in der letzten Runde noch verlieren und den zweiten Platz abgeben wird. «Jetzt machen wir so weiter, bauen für die nächste Saison noch einmal den einen oder anderen eigenen Junior ein und versuchen es wieder.»

Das grosse Saisonziel erreicht hat Welschenrohr, ein Dorfklub, der seit vielen Jahren jeden eigenen Junior so lange forciert, bis er in die 1. Mannschaft eingebaut werden kann. «Wir haben nur diese Möglichkeit», erklärt Trainer Christoph Büschi die Situation, «zu uns kommen keine auswärtigen Spieler.» Er wagt eine Prognose für die Aufstiegsspiele: «Croatia Solothurn ist der klare Favorit, aber auch wir haben eine gute Chance.» Und wäre Welschenrohr gerüstet für die Solothurner 2. Liga? «Da spielen auch nicht gerade die Übermannschaften», beantwortet Büschi diese Frage.

Welschenrohr – Klus/Balsthal 1:0 (0:0)

Mühlacker. - 250 Zuschauer. - SR Jankovic. - Tor: 70. Furrer 1:0.

Welschenrohr: Faganello; E. Christ, Stampfli, Uebelhart, Stjepanovic (67. Eggenschwiler); A. Fankhauser, Müller, R. Christ, T. Fankhauser (81. Liniger); Musiqi, Furrer (91. Dietschi).

Klus/Balsthal: Teutschmann; Fluri (52. Furcillo, 75. Grgic), De Almeida, Scherrer, Perez; Nganga (71. Petrovic), Berger, Uebelhart, Jankovic; Kostadinovic, Mendi.