Am liebsten möchte Lorenz Blatter seinen 26. Geburtstag am Sonntagabend nach dem Solothurner Kantonalschwingfest in Büsserach ausgiebig feiern. Dann aber richtig und kranzgeschmückt. Am Freitag, an seinem effektiven Jubeltag, liess es der Solothurner bei einer «kleinen Feier im kleinen Kreis» bewenden. Schliesslich will der gelernte Automechaniker an seinem Heimfest im Schwarzbuebeland fit und im Vollbesitz seiner nicht unbescheidenen Kräfte sein.

Nach den Kopfschmucken am Baselstädtischen und am Urner Kantonalen strebt Blatter heuer den sechsten «Solothurner Kranz» in Folge an. «Das würde mir nach dem fünften Baselstädtischen in Serie schon etwas bedeuten», sagt der Sohn von Eidgenosse Res Blatter. Letzterer ist seit 2011 Technischer Leiter seiner Zunft im Kanton. Drei Kränze in einer Saison wären für den jungen Verkaufsmanager ausserdem eine neue Bestmarke. Und dies, obwohl erst ein Drittel des Festkalenders 2015 «abgearbeitet» ist.

«Wenn es ideal läuft», so der ambitionierte Nordwestschweizer, der ursprünglich aus Deitingen stammt, «sollte der Kranz am Sonntag drinliegen.» Keine Frage – immerhin klassierte sich Blatter 2014 in Hägendorf auf Rang vier; respektive in den fünf Jahren davor stets auf den Plätzen fünf bis sieben. «Aber man will ja besser werden», sagt der Liebhaber von Oldtimern.

Sein eigener Privat-Coach

Nachdem er sich zu Beginn seiner Karriere, im wuchtigen Schatten seines Vaters, nicht wirklich recht fürs Hosenlupf-Gewerbe begeistern konnte und auch Fussball und Eishockey spielte, hat er «jetzt richtig eingehängt», sagt der Senior. «Der Eidgenössische Kranz ist mein grosses Ziel – darum schwinge ich», führt Lorenz Blatter dezidiert aus.

Und dafür trainiert er jetzt rund 400 Stunden jährlich im Schwingkeller, Kraftraum, mental, koordinativ und ausdauerfördernd. Und dafür, und natürlich auch weil er sich dafür interessiert, hat er sich im Jahr 2014 zum Fitnesstrainer und Ernährungsfachmann ausbilden lassen: «Um mein eigener Personal Trainer zu sein», so Blatter. Inzwischen ist es unter den Sägemehl-Heroen ja Usus, dass alle mit ihrem persönlichen Coach arbeiten. Eine Mode, die Jörg Abderhalden einst zusammen mit Robin Städler «einführte».

Es wäre keine Sensation mehr

Was den Unterschied zwischen Vater und Sohn Blatter auf dem Schwingplatz angeht, so führt der Sohn eine wesentlich feinere Klinge und tritt austrainierter an. «Ich musste immer von Anfang an reissen, stossen und ziehen, bis ich den Gegner da hatte, wo ich ihn haben wollte», erinnert sich der 1992 in Olten zum «Eidgenoss» gekrönte Res Blatter. «Chrampfen» und «Murksen» war angesagt. Sein Sohn dagegen habe ein ausgesprochen gutes Gefühl fürs Schwingen und deshalb auch absolut das Potenzial, einmal eidgenössisches Eichenlaub zu erobern.

Nun, wer weiss, vielleicht gelingt Lorenz Blatter in Büsserach ja das, was er 2012 in Solothurn schon einmal geschafft hat – die Teilnahme am Schlussgang nämlich. Seinem bisher einzigen. Was damals indes noch viel weniger mit eigenem Können als vielmehr mit sich gegenseitig ausbremsender Konkurrenz zu tun hatte, liegt inzwischen durchaus im Spektrum seines Könnens. Immerhin hat der Solothurner auf dem Weissenstein 2013 schon mal den 10-fachen Kranzfestsieger und Unspunnen-Finalisten von 2011, den Innerschweizer Leader Christian Schuler, flachgelegt.