«Wo ist Euer stolz?», fragten die 30 mitgereisten EHCO-Fans in der Visper Litternahalle nach der Schlusssirene, als sich die Oltner Spieler verabschiedeten. Eben hatten ihre Lieblinge die sechste Niederlage in den letzten neun Spielen kassiert und dabei den brutalen Abwärtstrend der letzten Wochen bestätigt. Der 6:2-Sieg des keinesfalls unwiderstehlich agierenden EHC Visp ging auch in dieser Höhe völlig in Ordnung. Bis auf ein kurzes Zwischenhoch bei Spielmitte hatten die Oltner den Oberwallisern erschreckenderweise nichts entgegenzusetzen.

Keine Reaktion, nichts

Wer sich nach der bitteren Heimniederlage gegen den HC Thurgau einen entschlossenen EHC Olten erhoffte, der wurde bitter enttäuscht. Da kam nichts. Gar nichts. Die hellwachen und flinken Visper gingen durch zwei Powerplaytreffer bis zur 16. Minute mit 2:0 in Führung. Gelungene Offensivaktionen aufseiten der Oltner suchte man derweil vergeblich. Zusammenhängende Spielzüge konnte man an einer Hand abzählen. Und noch schlimmer: Die Körpersprache der EHCO-Spieler war bereits nach dem ersten Gegentreffer negativ, die Niederlage eigentlich schon vorprogrammiert.

Immerhin stand im zweiten Abschnitt, nach dem 3:0 der Visper, der Block mit Stefan Mäder, Martin Ulmer und Jewgeni Schirjajew auf und versuchte, die Mannschaft mitzuziehen. Dass diese Sturmlinie für die beiden Oltner Treffer im Mitteldrittel verantwortlich war, war kein Zufall. Obwohl: Topskorer Martin Ulmer war mit seiner eigensinnigen Spielweise auch für seine Mitspieler bisweilen ein Ärgernis. Eigeninitiative ist gut und recht – aber der Topskorer ist seinem Team so keine Stütze (mehr).

Den Unterschied machten die Ausländer

Den Unterschied an diesem Abend machten letztlich auch die Ausländer der beiden Teams aus. Dan Kissel und Mark Van Guilder waren für drei der ersten vier Visper Tore besorgt und schafften damit die entscheidende Differenz. Auf der anderen Seite konnte man Brian Ihnacak nicht mangelnden Einsatz vorwerfen. Der Italo-Slowake war aber zwischen den beiden vom Selbstvertrauen völlig verlassenen Ueli Huber und Devin Muller auf verlorenem Posten.

Jay McClement rückte nach dem Ausfall von Anthony Rouiller erstmals seit dem Sieg im Rapperswil vom 9. Dezember wieder in die Verteidigung, konnte das EHCO-Kollektiv aber auch nicht stabilisieren. Das galt vor allem für das Duo Marc Grieder und Joel Fröhlicher. Die beiden langsamsten EHCO-Verteidiger waren vom Tempo der schnellen Visper Stürmer immer wieder masslos überfordert.

Das alles waren letztlich aber nur die Symptome einer durch und durch verunsicherten Mannschaft, die nie den Anschein machte, als dass sie im Wallis an einen Sieg glauben würde. Das Fazit ist deshalb erschütternd: Fünf Wochen vor dem Playoff-Auftakt liegt der EHC Olten sportlich in Trümmern. Hält der aktuelle Trend an, dann ist sogar das Playoff-Heimrecht in den Viertelfinals in ernsthafter Gefahr. Nach der gestrigen Niederlage im Direktduell beträgt der Vorsprung auf die fünftklassierten Visper noch sechs Punkte. Ein Polster, dass angesichts der steil abfallenden Formkurve der Powermäuse schnell weg sein wird.

Gustafssons Passivität

Es sei denn, man zieht die Notbremse und versucht, mit einem Trainerwechsel einen Impuls zu setzen. Bengt-Ake Gustafsson macht jedenfalls nicht den Eindruck, als ob er dieser taumelnden Mannschaft in irgendeiner Form zu helfen vermag. Die Zeichen verdichten sich, dass die Ära des passiven Schweden, der auch in Visp weder ein Timeout nahm, noch mit einen Goaliewechsel versuchte, Leben in sein Team zu bringen, in Olten zu Ende geht. Fragt sich, ob diesem taumelnden Ensemble überhaupt noch zu helfen ist.

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