Leichtathletik

Wangnerin vom TV Olten will für Südsudan an die WM nach Moskau

Rachel, Etienne und Durka Frey geniessen die gemeinsame Zeit. Keusch

Rachel, Etienne und Durka Frey geniessen die gemeinsame Zeit. Keusch

Olympia-Teilnehmerin Durka Frey aus Wangen stammt ursprünglich aus dem Sudan und startet jetzt für den TV Olten. Ihr Ziel: Ein Start für Südsudan an der diesjährigen WM in Moskau.

Im Sudan, einem Land im Nordosten von Afrika, ist es zu dieser Jahreszeit über dreissig Grad heiss. Schaut man im Wohnort von Durka Frey, in Wangen bei Olten aus dem Fenster sieht man Schnee. Der Temperaturunterschied der beiden Länder beträgt über 30 Grad. «Ich mag Schnee. Es sieht schön aus, wenn alles weiss ist», sagt Durka Frey mit einem Lächeln. Mittlerweile lebt sie seit einem Jahr fest in der Schweiz und hat sich an die tieferen Temperaturen gewöhnt. Doch nichtsdestotrotz ist ihr der Sommer um einiges lieber. «Wenn es wärmer ist, kann ich viel besser trainieren. Auf dem Schnee ist es manchmal sehr gefährlich», erklärt Frey. Ergänzend fügt sie an, dass sie daher im Sommer auch doppelt so viel trainiere wie im Winter.

Doch für Durka Frey und ihren Ehemann Etienne war es ein beschwerlicher Weg, bis sie zusammen mit ihrer Tochter Rachel beruhigt und mit gutem Gewissen in der Schweiz leben konnten. Kennengelernt haben sich die Sudanesin und der Schweizer im Oberengadin. Etienne arbeitete dort und Durka war im Trainingslager. Für beide war schnell klar, dass sie zusammengehören. Doch verschiedenste amtliche Hindernisse verunmöglichten der jungen Familie lange Zeit ein sorgenloses Leben, und verunmöglichen dies auch in der Gegenwart noch.

Nichts ist mehr wie vorher

Seit der Trennung des Südsudans vom nördlichen Teil des Landes ist nichts mehr wie vorher. 2008 startete Frey unter der sudanesischen Flagge über 3000 Meter Steeple an den Olympischen Spielen. Frey ist in Norden des Landes aufgewachsen. Weil sie jedoch im Süden geboren wurde, ist sie seit der Trennung eine Südsudanesin. Einen derartigen Pass besitzt sie jedoch nicht, weil Frey seit drei Jahren nicht mehr in ihrer Heimat war. Dies ändert sich in der nächsten Woche. Etienne, Durka und Rachel Frey reisen für zwei Monate in den Südsudan, um für Durka diesen Pass zu besorgen, damit sie ihren Traum einer Weltmeisterschaftsteilnahme in Moskau in diesem Jahr realisieren kann. Doch genau so wichtig ist der familiäre Aspekt. Töchterchen Rachel wird ihre Grosseltern zum ersten Mal sehen und auch Etienne kennt seine Schwiegereltern erst über Skype oder das Telefon.

Wenn alles nach Plan läuft, wird Durka Frey den Südsudan an den Weltmeisterschaften in Moskau vertreten können. Die geforderte Qualifikationslimite dürfte für die schnelle Wangnerin kein Problem sein. Erfolge, wie der dritte Rang am Zürcher Silvesterlauf des vergangenen Jahres, die vermeintliche Silbermedaille an den Schweizer Meisterschaften 2012 oder der Sieg am Langenthaler Stadtlauf zeigen ihre grossen sportlichen Fähigkeiten auf.

Durka Frey und ihr Mann sind Kämpfernaturen. Ihnen und ihrer Liebe wurde von Anfang an nichts geschenkt. Getreu nach ihrem Motto «step by step and never give up» werden sie auch die Hürde des Südsudanesischen Passes überspringen. Durkas Teilnahme an der Weltmeisterschaft wäre für sie die Krönung, aber ebenso wichtig ist, dass sie endlich als Familie Ruhe finden und glücklich leben können.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1