Fussball
Wangens Trainerkarussell hat wieder einen Platz frei

Die Wechsel auf dem Trainerstuhl waren zuletzt das konstante Element beim FC Wangen. So hat der Erstligist vergangene Woche wieder einmal einen Trainer entlassen.

Tobias Schalk
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Nach der 1:7-Pleite gegen Luzern II am 13. Spieltag musste Trainer Salvatore Romano seinen Posten räumen beim FC Wangen.
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Die Mannschaft des FC Wangen in der Saison 2016/17

Nach der 1:7-Pleite gegen Luzern II am 13. Spieltag musste Trainer Salvatore Romano seinen Posten räumen beim FC Wangen.

Oltner Tagblatt

Diesmal hat es Salvatore Romano erwischt, der erst im Sommer beim FC Wangen als Trainer angeheuert hatte. Nach dem sportlichen Kriechgang in der Meisterschaft mit nur zwei Siegen und einer frappanten Inkonstanz war die Bankrotterklärung gegen Luzern II (1:7) vor einer Woche des Schlechten zu viel. Der FC Wangen suchte noch am Tag nach der vernichtenden Niederlage das Gespräch mit Salvatore Romano, worauf es zur sofortigen Trennung gekommen ist (wir berichteten).

Derweil in der offiziellen Verlautbarung des Vereins von Mechanismen des Geschäfts und einer unliebsamen Massnahme die Rede war, äusserst sich mit Hans Kellerhals ein regelmässiger Matchbesucher und ehemaliger FCW-Sportchef dezidiert zur Trennung von Salvatore Romano: «Es war höchste Zeit». Als zentrale Probleme habe er die taktischen Mängel Romanos und eine ungenügende Trainingsgestaltung aus dem Kreis der Mannschaft vernommen. Seine Meinung habe Kellerhals unlängst Mäzen René von Euw kundgetan.

Mit der Empfehlung von mehreren Assistenzaufgaben, darunter zweimal als Assistent von Ciriaco Sforza in der Super League, sowie vorangegangene Engagements beim FCW auf die Chrüzmatt gewechselt, schien der Schweizer Meister von 1993 mit dem FC Aarau bei seinem dritten FCW-Engagement nie in seiner Rolle angekommen zu sein. Das Kapitel Romano ist ein weiteres in der unsteten Entwicklung des FC Wangen in den letzten Jahren. Ganze acht Trainer verschlissen die Wangner in den letzten fünf Jahren, wobei da die Interims-Übungsleiter noch nicht mitgezählt sind. Oft blieben die Coaches nicht für die volle Vertragsdauer auf ihrem Posten oder es kam nach abgelaufenem Kontrakt keine Fortsetzung der Zusammenarbeit zustande. Die Gründe dafür sind verschiedenster Natur.

Fehlende Integrationsfiguren

Daniel Schaller, ein weiterer regelmässiger Beobachter, wurde von der Nachricht über die Trennung von Trainer Romano überrascht. Er verweist darauf, dass der Trainer bekanntlich das schwächste Glied in der Kette sei und man ja nicht die gesamte Mannschaft auswechseln könne. Damit lässt er durchblicken, dass er die Probleme schon eher in der Kaderzusammenstellung verorte. «Es werden immer wieder Spieler von auswärts mit Geld angelockt, um den Ligaerhalt zu schaffen. Doch es reicht nicht, einfach irgendwelche Spieler zu holen, die gut Fussball spielen können. Die Mannschaft muss auch harmonieren. Vielleicht sollte man tiefer spielen, dafür könnte man mehr mit eigenen Junioren arbeiten», vermisst er Identifikationsfiguren.

Eine Juniorenbewegung existiert beim FCW zwar und auch eine Zusammenarbeit mit anderen Vereinen in der Region, doch scheint es den Nachwuchskräften offensichtlich an der Qualität für die Erstliga zu fehlen – oder aber dem Verein an der Bereitschaft, diesen den Einstieg in die erste Mannschaft zu ermöglichen. Schwaller bringt schliesslich eine Idee auf den Tisch, welche in der Vergangenheit immer wieder am «Gärtlidenken» gescheitert sei. Nämlich eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Klubs, um ein Topteam zu bilden mit den besten Fussballern aus der Region. «Das müsste meiner Meinung nach nicht unbedingt unter dem Namen des FC Wangen laufen, aber immerhin wäre so die regionale Verankerung gegeben», versucht sich Schwaller lösungsorientiert.

Für Angelo Terribilini, ebenfalls ein treuer Matchbesucher, stellt sich die Frage, ob die vielen Nationalitäten miteinander harmonieren können. Und er gibt gleich selbst eine Antwort, indem er ausführt, dass wohl jeder Trainer mit dieser Multi-Kulti-Truppe seine Probleme hätte. Zu diesem Thema gibt sich Hanas Kellerhals diplomatisch: «Wir haben viele verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Hintergründen im Kader. Das ist sicher eine grosse Herausforderung.»

Der Richtige stünde bereit

In der anstehenden Winterpause will der Verein vorerst einen Nachfolger für den geschassten Salvatore Romano finden. Dabei müssten die Verantwortlichen eigentlich gar nicht zu weit suchen: Mit Assistenztrainer Bejtush Rrustolli stünde einer bereit, welcher ideal auf die Anforderungen des FC Wangen passt. Als ehemaliger Goalgetter und Trainer ist Rrustolli mit dem Verein und den Verhältnissen auf der Chrüzmatt bestens vertraut, aufgrund seiner Wurzeln erreicht er den starken balkanstämmigen Mannschaftsteil bestens und dank einer grossen Portion Leidenschaft für den Fussball kann er seine Akteure mitziehen.

Dies bewies Rrustolli am Samstag, als er im letzten Spiel des Kalenderjahres gegen den FC Baden interimistisch die Hauptverantwortung an der Seitenlinie innehatte und es ihm gelang, die Mannschaft vorzüglich einzustellen. Nach der vorangegangenen niederschmetternden Pleite stand da eine Elf auf dem Rasen, die willig war und füreinander ging. Mit ruhiger, aber bestimmter Stimme wusste er seine Spieler, besonders gegen Ende als die Beine schwerer wurden, anzutreiben und erwirkte mit kurzen Inputs immer wieder kleine Retuschen. Mit der Einwechslung von Patrik Gjidoda bewies Rrustolli auch noch ein gutes Händchen, denn der eingewechselte Stürmer sicherte dem FC Wangen mit seinem Joker-Tor in der Schlussphase den Sieg, wodurch die Wangner über dem Strich überwintern werden.

Zumindest von Hans Kellerhals gab es einen erhobenen Daumen und ein «Guet gmacht, Bejtush» mit auf den Heimweg. Vielleicht gibt Hans Kellerhals, der aufmerksame Beobachter, seine Eindrücke ja wiederum an René von Euw und die sportliche Leitung des FC Wangen weiter. Es gibt aber ein Problem: Rrustolli hat nicht die nötigen Diplome – oder noch nicht?