1. Liga classic
Wangen und Grenchen: Viel gemeinsames besonders auf der schmerzhaften Seite

Das Derby Wangen gegen Grenchen wird von Nebengeräuschen begleitet. Die Frage, ob der FC Wangen vor dem Aus steht, stellt sich immer wieder und doch planen Sportchef Juan Castro und Trainer Edvaldo Della Casa die Zukunft.

Hans Peter Schläfli
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Nachdenklich: Sportchef Juan Castro (l.) und Trainer Edvaldo Della Casa wissen nicht, wie es weitergeht.

Nachdenklich: Sportchef Juan Castro (l.) und Trainer Edvaldo Della Casa wissen nicht, wie es weitergeht.

Hans Peter Schläfli

Ein oberflächlicher Blick auf die Tabelle der Gruppe 2 der 1. Liga Classic zeigt ein positives Bild: Wangen bei Olten weist mit 30 Punkten auf dem 6. Platz eine gute Zwischenbilanz aus, Grenchen ist mit 37 Punkten sogar Dritter und darf noch immer auf eine Qualifikation für die Aufstiegsspiele hoffen. Heile Welt also vor dem heutigen Derby auf der Chrüzmatt?

Ganz und gar nicht: Wenn man die Situation im Hintergrund anschaut, tun sich Abgründe auf. In Grenchen setzt sich Rolf Bieri als Präsident, Marketingleiter und Chef Finanzen praktisch als Einzelkämpfer für die Zukunft des Traditionsvereins ein, in Wangen bei Olten stemmt Ehrenpräsident und Kassier Hans Flückiger den FCW fast im Alleingang.

Gemeinsam ist dann aber auch wieder der Optimismus, dass es irgendwie schon gut kommen werde, auch wenn noch völlig offen ist, wie es nach der Sommerpause weitergehen wird.

So haben in Wangen Sportchef Juan Castro und Trainer Edvaldo Della Casa bereits die Planung der nächsten Saison in Angriff genommen – obwohl beiden bisher weder eine mündliche Zusage noch eine Vertragsverlängerung angeboten wurde.

Seit 51 Jahren ist Hans Flückiger im Vorstand des FC Wangen bei Olten aktiv. Vor gut 20 Jahren war er massgeblich daran beteiligt, als Wangen unter Roland Gruner, dem legendären «Trainer ohne Diplom», den Schritt vom Dorfklub in Richtung Leistungsfussball wagte.

«Ich bin ziemlich fanatisch, sonst würde ich das nie machen. Mein Lohn sind die sportlichen Höhepunkte, die man erleben darf», beschreibt Flückiger seine Motivation.

Einen funktionierenden Vorstand gibt es beim FC Wangen bei Olten aber nicht mehr. Präsident Walter Jäger trat zurück, weil er für Wangen keine Zukunft mehr in der 1. Liga sah. Mit seiner Ansicht, dass man am besten die 1. Mannschaft auflösen sollte, stand Jäger aber alleine da.

«Meine Meinung ist, dass man auf sportlichem Weg absteigen kann, aber freiwillig die Mannschaft zurückzuziehen, das kommt für mich nicht infrage», sagt Hans Flückiger. Als Nachfolger André Pagnamenta nach kurzer Zeit auch wieder zurücktrat, liess Flückiger den Worten Taten folgen, indem er als Ehrenpräsident interimistisch das Ruder wieder in die Hand nahm.

Keine Freude hat Hans Flückiger am Verhalten des heutigen FCG-Trainers Max Rüetschli, der 2009 gegen Ende der Herbstrunde auf einem Abstiegsplatz stehend entlassen wurde. «Rüetschli hatte damals auf einem Vertrag ohne Kündigungsfrist bestanden, den hätten wir nicht unterschreiben sollen», sagt Flückiger.

Seine Sicht der Dinge: «Der FCW bot ihm nach der Entlassung eine Abfindung von 12 000 Franken an. Das ergab insgesamt 27 000 Franken für drei Monate Trainerarbeit, aber damit war Rüetschli nicht zufrieden und er erstritt sich nochmals 6000 Franken. Dann wollte er auch noch den Lohn für die Rückrunde und die Nichtabstiegsprämie, aber das haben wir ihm nicht mehr bezahlt.»

Max Rüetschli nennt ganz andere Zahlen, er habe weder die Abfindung noch die Nichtabstiegsprämie erhalten. Er kommt auf 16 000 Franken für ein halbes Jahr Trainerarbeit.

So liess Rüetschli den FC Wangen bei Olten betreiben. «Das Maximum habe ich gefunden, dass er auch noch versucht hat, die Juniorenbeiträge zu pfänden», sagt Hans Flückiger. Fakt ist, dass der FC Wangen heute laut Gerichtsentscheid Rüetschli rund 21 000 Franken schuldet, wobei darin schon die happigen Anwaltshonorare eingerechnet sind.

In diesen Tagen ist bereits die dritte Schlichtungsverhandlung gescheitert, weil vom FC Wangen wieder kein Vorstandsmitglied zum Gerichtstermin erschienen ist.

Nun droht von Amtes wegen sogar die Auflösung des Vereins.

«Das ist sicher nicht mein Ziel», sagt Rüetschli, «aber man lässt mir keine andere Wahl als den Gerichtsweg. Ich habe das Gespräch gesucht, aber niemand vom FC Wangen will mit mir über die Sache reden. Man hoffte wohl, dass ich aufgeben werde. Aber ich bin ja sicher nicht der Erste, der vom FCW so behandelt wird. Diesem Vorgehen will ich jetzt einen Riegel schieben.»

Wangens Ehrenpräsident Hans Flückiger hat aus der leidigen Geschichte eine Konsequenz gezogen: «Der FC Wangen wird nie wieder Jahresverträge abschliessen. Bei uns hat jeder Vertrag eine Kündigungsfrist von einem Monat.»