Unihockey
Vorgeschmack auf die Playoffs: GC dreht Partie gegen Wiler

Im intensiven NLA-Spitzenspiel verliert Wiler-Ersigen gegen GC trotz 4:1-Führung mit 7:8 nach Penaltys.

Ruedi Burkart
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Wilers Adrian Zimmermann (Mitte) im Kampf um den Ball gegen GC’s Rüegger, Bjoerk (Nummer 2) und Maffioletti (r.).

Wilers Adrian Zimmermann (Mitte) im Kampf um den Ball gegen GC’s Rüegger, Bjoerk (Nummer 2) und Maffioletti (r.).

KEYSTONE

Vier Runden vor Ende der Qualifikation spitzt sich der Kampf um die beste Ausgangslage für die Playoffs immer mehr zu. Wiler-Ersigen liegt nach den beiden Niederlagen vom Wochenende nun drei Punkte hinter Leader Alligator Malans. Gestern vergab man gegen die Grasshoppers eine 4:1-Führung und unterlag im Penaltyschiessen mit 7:8.

Spektakel ab der ersten Minute

Wiler-Ersigen verlor am Samstag in Chur, GC musste beim Heimsieg gegen Köniz in die Verlängerung. So waren beide Teams im gestrigen Spitzenkampf auf Wiedergutmachung aus. Und wie sie das taten! Nach einer kurzen Abtastphase nahm die Partie vor knapp 800 begeisterten Zuschauern rasch Fahrt auf. Nach spektakulären ersten 20 Minuten notierten wir: Fünf Zweiminutenstrafen, ein verschossener Penalty (Väänänen in der 16. Minute) und vier teils herrlich herausgespielte Tore. Wiler-Coach Schönbeck stellte sein Team hervorragend auf das auf Kim Nilsson ausgerichtete GC-Spiel ein. Und so lag Wiler dank Treffern von Hirschi (9.) und zweimal Vänttinen (13./18.) zur ersten Pause mit 3:1 vorne.

Die Reaktion der Grasshoppers? Die folgte mit zeitlicher Verzögerung und erst nach Fankhausers herrlichem Tor zum 4:1 (24. Minute). Angeführt von nun immer stärker aufspielenden Nilsson drehte GC die Partie, glich zum 4:4 und 5:5 aus und ging 17 Sekunden vor der zweiten Sirene durch Grüters zweites Tor des Abend erstmals in Führung. Wiler war nun völlig von der Rolle, für das dritte Drittel musste man Schlimmes befürchten.

Wiler wankte – und fiel doch noch

Doch plötzlich lagen die Gastgeber wieder vorne. Hirschi (44.) und Wittwer (47.) trafen zu Wilers 7:6-Führung. Die Schlussphase des Spitzenkampfs war lanciert und die beiden Torhüter, Wolf beim SVWE und Bühler bei GC, standen mit jeder Minute mehr im Mittelpunkt des Geschehens. Und als ebendieser Bühler einem sechsten Feldspieler Platz machte, glich GC 87 Sekunden vor Schluss durch den erst 19-jährigen Dreifach-Torschützen Joel Rüegger abermals aus.

In der Verlängerung hatte Wiler die besseren Chancen, schliesslich musste dennoch das Penaltyschiessen entscheiden. Dort hatten die Hoppers das glücklichere Händchen und sicherten sich den Bonuspunkt. «Wir spielten 30 Minuten wirklich gut», resümierte Wilers Matthias Hofbauer, «leider konnten wir den Druck nicht hochhalten.»

Schönbeck wird wieder Lehrer

Das gestrige Spiel war der Schlusspunkt hinter eine ereignisreiche Woche für den SV Wiler-Ersigen. Erst gab man bekannt, dass Rekord-Nationalspieler Matthias Hofbauer (33) seine Karriere fortsetzen wird und der finnische Verteidigungsminister Tatu Väänänen (31) seinen Vertrag mit dem neunfachen Meister unbefristet verlängert hat. Dann die überraschende Meldung, dass Erfolgstrainer Johan Schönbeck eine Vertragsverlängerung abgelehnt hat und nach zwei Jahren bei Wiler aus beruflichen und familiären Gründen zurück nach Schweden reist. Schönbecks zweijähriger Urlaub am Gymnasium in Växjo als Unihockey-Verantwortlicher geht im Sommer zu Ende. «Ich kann dort wieder voll einsteigen und mehr Verantwortung übernehmen», so der Wiler-Coach. Klub-Unihockey stehe für ihn aktuell nicht zu Debatte.

Derweil will man bei Wiler in der Trainerfrage vorwärtsmachen. Präsident Tom Balsiger: «Wir sind in Gesprächen. Ziel ist es, nach der Nationalmannschafts-Pause den neuen Mann präsentieren zu können.» Da wäre bis zum nächsten Spitzenspiel gegen Malans am 14. Februar.

791 Fans in Zuchwil – in Kirchberg wäre Platz für 1300

Dass sich die Grasshoppers mit Kim Nilsson den weltbesten Unihockeyaner leisten – und dafür pro Saison rund 100 000 Franken ausgeben – ist das Beste , was der ansonsten beschaulichen Nationalliga A passieren konnte. Neid bei der Konkurrenz über ein bisschen Glamour aus Zürich ist da fehl am Platz. Viel eher Dankbarkeit. Denn wenn die Hoppers durch Land touren, elektrisieren sie die Massen und füllen die Spielstätten der Gastgeber.

So auch gestern Abend das Zuchwiler Sportzentrum. Knapp 800 Fans säumten in der rappelvollen Bude das Spielfeld, die Tribüne war seit Tagen ausverkauft. «Wir durften gar nicht gross Werbung für die Partie machen», so Wiler-Sportchef Marcel Siegenthaler, «wir haben ja nicht zu viele Leute wieder nach Hause schicken wollen.» Da stellt sich natürlich die Frage, warum man das Spitzenspiel nicht in die grössere Kirchberger Grossmatthalle (Fassungsvermögen: 1300 Zuschauer) verlegte. Siegenthaler: «Wir reservieren die Hallen jeweils lange bevor wir wissen, gegen wen wir spielen.» Wegen der Konkurrenz anderer Vereine in den Hallen seien kurzfristige Änderungen nicht möglich. Man sei, so Siegenthaler, froh, überhaupt alle Partien an den vom Verband vorgegebenen Daten ansetzen zu können.

Übrigens: Vor der gestrigen Partie war das SVWE-Heimspiel gegen Grünenmatt am 18. Januar mit 738 Zuschauern dasjenige der laufenden Saison mit den meisten Fans – notabene in Kirchberg.