Laufsport

Vor dem «Heimrennen»: Adrian Lehmanns ungestillte Grenzsuche

Bereit für das Heimrennen: Adrian Lehmann (Nr. 296) will auch im Oberaargau zuvorderst mitmischen. Archiv

Bereit für das Heimrennen: Adrian Lehmann (Nr. 296) will auch im Oberaargau zuvorderst mitmischen. Archiv

Am Samstag tritt Adrian Lehmann als Vorjahressieger zum Langenthaler Stadtlauf an. Derzeit präsentiert sich der bald 24-Jährige in einer überragenden Form – auch dank seinem intensivierten Trainingsaufwand.

Grenzen ausloten will Adrian Lehmann, die Grenzen als Langstreckenläufer. Deshalb hat er auf dieses Jahr sein Arbeitspensum als Konstrukteur stark reduziert. «Fast als Profi» sieht er sich. Und der bald 24-Jährige hat sich auf die Marathon-Distanz fokussiert. Mit durchschlagendem Erfolg. In Berlin, Ende September, lief er nach 2:18:53 Stunden ein.

Nur Viktor Röthlin sowie die beiden WM-Teilnehmer Michael Ott und Christian Kreienbühl sind die 42,195 km in diesem Jahr hierzulande schneller gelaufen. Für die Europameisterschaften des nächsten Sommers in Zürich hat sich Lehmann in eine vorzügliche Position geschoben, und gewählt worden ist er zum «Schweizer Leichtathleten des Monats September».

Es ist noch mehr möglich

Bleibt die Frage, ob er seine Grenzen erreicht hat. Lehmann beantwortet sie nicht. «Zeitlich ging die Rechnung voll und ganz auf», sagt er. Dass er aber punkto Trainingsaufwand und -effizienz am Limit angelangt ist, glaubt er nicht. «Mein Körper verdaute die verstärkten Reize, ich blieb von Verletzungen verschont», sagt er. Das scheint nicht selbstverständlich.

Die gut 5500 Trainingskilometer des letzten Jahres hat er bereits jetzt übertroffen. Bei gut 7000 wird er bis Ende Jahr angelangen. Eine massive Steigerung, zumal er auch qualitativ stärkere Akzente gesetzt hat.

Mehrfacher Leistungssprung

Der Erfolg blieb nicht aus. Lehmann lief nicht nur einen formidablen Marathon, er steigerte sich auch über die Unterdistanzen. Und er hat sich vorzüglich von den Strapazen des Marathons erholt. Vergangenen Samstag lief er an der Corrida Bulloise und hinterliess einen bestechenden Eindruck. Von den Schweizern musste er über die 8 km im Endspurt einzig dem 1500-m-Spezialisten Mario Bächtiger den Vortritt überlassen. «Klar hätte ich in der nationalen Post-Cup-Wertung gerne gewonnen, aber ich kann sicher zufrieden sein», bilanzierte er.

Denn, «es gelang mir zumindest, Mario zu fordern.» Und auch wenn sich in Langenthal diese Gelegenheit kaum bieten wird, in Basel eine Woche später oder in Zürich will er sich revanchieren – wie auch einen Spitzenrang im Post-Cup-Klassement, der inoffiziellen Schweizer Strassenlauf-Meisterschaft anstreben.

Langenthaler Perspektiven

Im Zentrum steht vorerst aber Langenthal. Hier geht es nicht nur um die Möglichkeit, den Triumph aus dem Vorjahr zu wiederholen. «Wegen starker ausländischer Konkurrenz wird das schwierig», weiss Lehmann. Langenthal, wo er seit 1999 zum elften Mal an den Start gehen wird, hat für ihn aus andern Gründen einen Sonderstatus: In Langenthal ist er aufgewachsen und lebte er, bis er mit Christopher Gmür und Andreas Kempf in Bern eine Läufer-WG gegründet hat, und der LV Langenthal gehört er nach wie vor an. So sieht er das Heimrennen auch als «die Chance, all meinen Verwandten, Bekannten und Freunden zu zeigen, was ich inzwischen kann.»

Und Langenthal will er speziell nutzen, nicht zuletzt um Werbung in eigener Sache zu machen, sprich: Gut laufen und mit möglichen Sponsoren in Kontakt kommen. Diese nämlich fehlen ihm noch und sie wären sehr hilfreich – um sich dem Laufsport noch intensiver zu widmen, die eigenen Grenzen ernsthaft auszuloten.

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