Unihockey
Von der Provinz an die Weltmeisterschaft

Der 3.-Liga-Spieler Sandro Ludolini vom TSV Deitingen will heute an der WM für die italienische Nationalmannschaft skoren. Er ist dabei sogar ein Spieler, «den es zu beachten gilt».

Pia Schupbach
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Solothurner Zeitung

15 000 Zuschauer hätten heute in der Hartwall-Arena in Helsinki Platz, wenn an der Unihockey-Weltmeisterschaft Italien auf Tschechien trifft. «Ich würde mir wünschen, dass die Halle gäbig gefüllt ist», sagt Sandro Ludolini. Er, der sonst mit dem TSV Unihockey Deitingen vor höchstens 100 Zuschauern spielt. Aus der 3. Liga an die WM in Finnland. Das ist kein Märchen, sondern der steile Aufstieg eines 27-jährigen Italoschweizer Spielers. «Brutal genial», sagt der Ingenieur Sandro Ludolini aus Niederbipp zu seiner Geschichte.

Auf der Homepage des internationalen Unihockeyverbands ist Ludolini im italienischen Team gar als einer von den drei Spielern aufgeführt, «die es zu beachten gilt»: Er sei enorm schnell und seine exzellente Spielübersicht mache ihn zum perfekten Teamplayer in kritischen Momenten. Ludolini bleibt auf dem Boden. «Als mich der Trainer für die WM aufgeboten hat, habe ich mich bedankt. Er antwortete: Das ist doch klar, hättest du das denn nicht erwartet?»

Ludolini brillierte schon bei der Qualifikation

Denn bereits bei den Qualifikationsspielen für die WM hatte Ludolini brilliert und viele Skorerpunkte beigetragen. Der Drittliga-Spieler fiel auf, obwohl im italienischen Kader insgesamt sieben Unihockeyaner aus einer höheren Schweizer Liga sind. «Ich könnte wahrscheinlich schon in einem besseren Team spielen, aber der TSV Deitingen liegt mir am Herzen», sagt Ludolini. Als 16-Jähriger hat er den Klub mitgegründet.

Sandro Ludolinis Vater ist Italiener, deshalb besitzt Sandro nicht nur den Schweizer Pass. Seine Ferien verbrachte er immer an der Adria bei den Grosseltern, und noch heute weilt er mindestens eine Woche pro Jahr in Ancona. Zur italienischen Nationalmannschaft stiess Ludolini, nachdem ein Mitspieler im Internet gesehen hatte, dass die Italiener Leute suchten. Und in den Testtrainings spielte er sich alsbald in die Squadra. Mit der WM-Teilnahme «wird ein Traum wahr».

Der Teamgeist stimmt

Vier seiner Klubkollegen werden Sandro Ludolini nach Helsinki begleiten - der Teamgeist beim TSV Deitingen stimmt. Genauso in der italienischen Mannschaft. «Es war lustig, wenn mich die Nati-Kollegen gefragt haben, was denn die 3. Liga sei. Sie haben mich aber sofort aufgenommen und heute fragt keiner mehr, wo ich spiele.» Ludolini hat in seinen bisher neun Spielen für Italien noch nie die Bank drücken müssen, stattdessen schoss er sieben Tore und gab vier Assists. An der WM möchte er mit seinem Team die Vorrunde gegen Tschechien, Norwegen und Japan überstehen.

Den grössten Unterschied zwischen Deitingen und der Nationalmannschaft sieht Ludolini in den Mitspielern. Da kommen die Pässe besser an und die Schüsse sitzen eher. Er selber ist indes genauso nervös, ob er nun in der Provinz oder an einer WM aufläuft. «Ich brauche immer zwei, drei Minuten um ins Spiel zu kommen.» Vielleicht wird heute um 15 Uhr seine Hand doch ein bisschen stärker zittern, wenn es Italien gegen Tschechien heisst und plötzlich tausend oder mehr statt nur hundert Zuschauer auf den Rängen sitzen. «Aber auf die grossartige Stimmung, auf die freue ich mich am meisten.»

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